Die bisherigen Rezensionen spiegeln sehr gut die Extreme wider, die in diesem Buch stecken. Die Geschichte von Julian Kippendorf polarisiert - und das ist schon mal eine wohltuende Eigenschaft im literarischen Einheitsbrei.
Zur Story: Es geht um einen gewissen JK1975, der sich am Beginn des Buches eben als Julian Kippendorf outet. Diesen Kniff zum Einstieg fand ich sehr gelungen. Während sich andere in die Anonymität flüchten, flüchtet sich JK1975 zurück in die Realität: Das gibt der Geschichte gleich zu Beginn eine spannende Wendung.
Was ich besonders mochte waren die zwischenmenschlichen Handlungsstränge. Etwa die Beziehung zur Ex-Freundin Leila, oder die Interaktion mit Bruder und Mutter. Und dann ist da natürlich noch die sehr abgründige Liebesgeschichte mit "Einsamesherz". Dass der Autor hier Mut zum Nickname-Klischee gezeigt hat, spricht für die Authentizität der Story.
Sehr treffend aber manchmal ein wenig sperrig sind die selbstreflexiven Passagen des Buches. Da gibt es viele treffende Analysen, die aber nicht wirklich in die Story einzahlen. Das wäre mein einziger Kritikpunkt und der eine Stern, den ich abziehen muss.
Aber alles in allem absolut empfehlenswert. Mal sehen, ob das Buch genauso einschlägt wie Kuttner, Glattauer und Co.