David Bowie hatte mit "Young Americans" eine fast amerikanische Funk-Platte abgeliefert.
-- Station to Station beginnt mit seinem bis dato längsten und komplexesten Track. Der Synthezizer imitiert Zuggeräusche, ein
Zug in dem Bowie wieder zurückkehrte und von seinen Fans am Bahnhof abgeholt wurde (er benutzte keine Flugzeuge).
Der Song ist asymmetrisch, die Melodie- und Rhytmuslinien gehen ineinander über, es dauert fast 4 Minuten bis der Gesang einsetzt. Der Text wurde viel interpretiert (Technik?, Okkultismus?, das Outro "it's too late" wurde für "Christiane F." beansprucht; es gibt auch Zeilen wie "it must have been love" "movement from Kether to Malkuth" könnte sich auf die Kabbala beziehen, ... Er stellt sich auch in den Zeilen als der dünne weiße Fürst vor ... Was auch immer, am Ende der Collage hat man das Gefühl, den bis dato anspruchsvollsten Track eines (neuen) Bowie gehört zu haben.
"Golden Years" hat Bezüge zu den Zwanziger Jahren und war die einzige Single der Platte. Samtartiger eleganter Funk.
- "Word on a Wing" hat Bezüge zum Thema Religion, was Bowie dann und wann abhandelt.
- "TVC15" - ob die damaligen Diskothekenbesucher wußten, daß sie sich zu einem tanzbaren Song bewegten, der von dem paranoiden Albtraum eines Mädchens handelt, daß von ihrem Fernseher verschlungen wird?
-- "Stay" zeigt einen Bowie, der sich (die Ehe mit Angela war fast am Ende) für einen Tag jeweils jemand Neues sucht. Er ist durchaus selbstkritisch mit "Should I stay or should I go?" Es scheint eine Warnung vor seinem momentanen Zustand zu sein. Die problematische Behandlung eigener intimer Beziehungen hier steht im Gegensatz zu "Lets Spend the Night together" auf "Alladdin Sane".
- "Wild is the wind" ist eine Ballade, was selten für Bowie ist. Obwohl gecovert ist es ein starker Song, der offenbar ein ehrliches Liebesbekenntnis von sich gibt. Eine gute Wahl zum Ausklang der LP. Mit Songs wie diesem unterscheidet sich Bowie z. B. auch von dem "nichts als Weltschmerz" eines John Cale oder Lou Reed, auf die er sich früher manchmal berief. Ein David Bowie schaffte es allemal, wieder aus einer Krise zu kommen. Und überraschend neu war sein Interesse 1975 an "Kraftwerk", die er über den Klee lobte. Mit dem Titeltrack war der erste Schritt in eine Richtung die mit "Low" (düster) und "Heroes" (freundlicher) elektronisch ausgelebt wurde.
- Die Bonus-Tracks klingen den originalen sehr ähnlich - live oder nicht. Gab es wirklich keine Alternative? Deshalb nur 4 Sterne.