"Station Agent" ist ein ganz ruhiger, fast schon ereignisloser Film, irgendwo zwischen Melancholie und Komödie.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Fin, ein kleinwüchsiger Eisenbahn-Liebhaber der irgendwo im Nirgendwo ein altes Bahnhofshäuschen erbt und sich dorthin zurückzieht, um vor den abschätzigen Blicken seiner Umwelt zu flüchten und stolz, trotzig - aber auch einsam - Trübsinn zu blasen.
Klappt aber nicht so recht.
Einerseits holen ihn unausweichlich die Vorurteile wieder ein, die so viele Menschen gegenüber allem hegen, was auf den ersten Blick nicht dem entspricht, was sie als normal empfinden. Seine Frustration darüber sich in (zu) vielen Situation hilflos und in der Wahrnehmung anderer auf seine Körpergröße reduziert zu fühlen, kann er selbst dort nicht ablegen.
Andererseits ist da aber auch der nervtötend dauerplappernde HotDog Verkäufer, der sich einfach nicht abweisen lässt und immer wieder freundlich auf ihn zugeht. Eine Frau mittleren Alters, die sich ebenfalls zurückgezogen hat, um den Tod ihres Kindes und das Scheitern ihrer Ehe zu verkraften und seine Verletzbarkeit nachempfinden kann. Ein übergewichtiges afroamerikanisches Mädchen für die das verfallene Bahnhofsgelände ihr Lieblingsspielort ist. Und die recht hübsche aber nicht besonders intelligente junge Frau aus der Bibliothek, die sich nach einem Menschen sehnt, der ihr einfach nur zuhört.
Dabei will Fin doch lediglich zwei Dinge: In Ruhe gelassen werden und Eisenbahnzüge beobachten.
Ein wundervoller Film - mal komisch, mal traurig - über ein schwerwiegendes Dilemma bereits geschundener Seelen: Sich anderen Menschen zu öffnen und ihnen zu vertrauen, birgt die Gefahr zum wiederholten mal verletzt zu werden. Aber selbsterwählte Einsamkeit ist der traurigste Weg, sich vor dieser möglichen Enttäuschung zu schützen. Wieviel Leid ist man bereit zu riskieren, um auch mal Glück zu erleben?