State of War ist ein in sehr gut lesbares Deutsch übersetztes Sachbuch in dem an Hand von mehreren Beispielen gezeigt wird, wie Teile der U.S.-Amerikanischen Außenpolitik unter Präsident George W. Busch und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld entstanden sind. Insbesondere geht es um den sogenannten "Kampf gegen den Terror", den Krieg gegen die Taliban in Afghanistan und den 2006, zur Zeit der Herausgabe des Buches, noch immer andauernden Krieg gegen den Iran.
Im einzelnen wird die Entstehung der über die ganze Welt verteilten geheimen CIA-Gefängnisse behandelt, in die unter schwerem Verstoß gegen die Genfer Konvention Kriegsgefangene verschleppt werden. Es wird berichtet, dass diese Gefangenen gefoltert werden, zum Teil auch durch "befreundete" Geheimdienste, und dass eine Freilassung von manchen dieser illegalen Gefangenen nie vorgesehen ist, sondern sie "aller Wahrscheinlichkeit in der Schattenwelt der >black sites< verschwinden".
Dann wird über den Datenhunger der NSA, der National Security Agency, berichtet, die gezielt dafür sorgt, dass ein wesentlicher Teil der internationalen Kommunikation per Telefon und E-Mail über die USA läuft um so noch besser diesen >Transitverkehr< abhören und analysieren zu können. Dabei macht die NSA auch vor dem Abhören von US-Bürgern in den USA nicht halt. Das ist illegal und die so gewonnenen Erkenntnisse können auch vor amerikanischen Gerichten nicht verwendet werden, was aber niemanden bei der NSA davon abhält die Abhöraktionen im großen Stil weiter zu betreiben.
In einem Weiteren Kapitel werden unter anderem die Rollen von paramilitärischen CIA Einheiten angesprochen und der geheimen weltweit verdeckt operierenden Teams des Pentagons, genannt "operative Stützelemente", die ohne Autorisierung des Präsidenten und Meldung an den Kongress eingesetzt werden können.
Ausführlich wird auf die Entstehung des Vorwandes für den Einmarsch in den Irak eingegangen. Dabei geht es um die vergebliche Suche nach Massenvernichtungswaffen und das völlige Ignorieren von jeglichen Informationen, auch des CIA, die darauf hinwiesen, das die Behauptungen der Busch-Administration falsch waren. Auch während des Krieges, so die Darstellung, wird von der CIA hauptsächlich die Unterstützung des gewählten politischen Kurses verlangt. Es geht also nicht um Informationen zur objektiven Einschätzung der Lage, sondern nur um die Bestätigung des ideologisch motivierten politischen Kurses. Was dabei in der Regierung Busch nicht gesagt werden durfte, war, dass der Krieg im Iran dem fundamentalistischem Terror und Al-Qaida einen vorher nicht da gewesenen Auftrieb gegeben hat und weiter gibt.
Im Kapitel über den Krieg gegen die Taliban in Afghanistan wird beschrieben, wie die USA sich mit den Warlords verbündeten, deren wesentliche Einnahmequelle die Produktion von Rohopium ist. Diese ist zwischen 2001 und 2004 um ca. 6900% gestiegen, so dass Afghanistan damals (2004) schon 87% der Weltopiumversorgung bestritt. Und das mit Billigung und unter dem Schutz der USA.
Die Verbindungen zwischen Al-Qaida, Saudi-Arabien und den USA sind Thema eines weiteren Kapitels. Dabei wird beschrieben, wie wenig Interesse saudische Behörden an der Verfolgung von Al-Qaida Verdächtigen haben und wie sehr US-Amerikanische Ermittler gezwungen sind darauf Rücksicht zu nehmen.
Schließlich geht es noch um die Aktion bei der im Jahr 2000 der Iran vom CIA (stümperhaft mit leicht erkennbaren Fehlern versehene) russische Pläne für den Bau einer Atombombe erhalten hat in dem vergeblichen Versuch, den Iranern Informationen darüber zu entlocken, wie weit sie bei Ihren Vorbereitungen für den Bau eigener Atomwaffen schon sind. Und es wird beschrieben, wie Donald Rumsfeld entschied, dass ihm von den USA als "Terroristen" eingestufte Iraner als potentielle Verbündete gegen den Iran lieber sind als ein vom Iran angebotener Gefangenenaustausch gegen mehrere hochrangige Al-Qaida Anführer, die im Iran verhaftet worden waren.
Unter dem Strich werden durch dieses Buch folgende Thesen aufgestellt und unterstützt:
- Unter der Regierung Busch verstoßen die USA fortgesetzt und in schwerwiegender Weise durch Verschleppung, Folter und Ermordung von Kriegsgefangenen gegen die Genfer Konvention und damit auch gegen amerikanisches Recht, den die USA haben die Konvention offiziell anerkannt.
- Amerikanische Geheimdienste verstoßen ebenfalls fortgesetzt gegen amerikanisches Recht indem sie auch amerikanische Staatsbürger im Inland abhören und überwachen. Ausländer wir z.B. Europäer haben nach amerikanischer Auffassung sowieso kein Recht auf Schutz vor Überwachung durch Amerikaner.
- Der Krieg im Irak bewirkt das Gegenteil seines angeblichen Zweckes. Eine Verbindung von Al-Qaida zum Irak hat vor dem Krieg nicht bestanden. Inzwischen rekrutiert Al-Qaida durch den Krieg erfolgreich neue Kämpfer.
- Die USA förderten indirekt aber bewusst durch ihre Politik in Afghanistan eine massive Steigerung und Ausweitung von Produktion und weltweiter Verbreitung von Opium und damit verbundenen Drogen wie Heroin.
- Die Rücksichtnahme auf saudische Geschäftspartner und Verbündete sowie die Vorbereitung eines möglichen Angriffskrieges gegen den Iran hatte für die Regierung Busch Vorrang vor dem angeblichen Hauptziel, dem sogenannten "Kampf gegen den Terror".