"In diesem Film ist nichts so wie es scheint" - das ist eine dieser abgedroschenen Phrasen, die gerne auf DVD-Hüllen stehen, um ihren Inhalt als besonders spannend anzupreisen. Doch auf "State of Play" trifft der inflationär gebrauchte Satz ausnahmsweise einmal zu. Denn der wendungsreiche Thriller entwickelt auch über die Politik- und Enthüllungsstory hinaus eine interessante Erzählung über Freundschaft und Vertrauen sowie die Trennung von Beruflichem und Privatem. Das im Zentrum des Films stehende Reporterduo arbeitet an einem Kriminalfall, der sich schnell als Mosaikstein im Puzzle einer politisch und wirtschaftlich hochbrisanten Affäre herausstellt. So weit, so standardmäßig. Was den Film zu einer exzellent unterhaltenden Produktion macht, sind die vielen Konflikte zwischen den Protagonisten und der wendungsreiche Schluss. Doch selbst ohne das hervorragend konstruierte Finale überzeugt "State of Play" jederzeit als handwerklich schlüssig komponiertes Werk. Die Geschichte wird konservativ erzählt, aber ist konstant spannend - auch ohne, dass jede Möglichkeit zur actionmäßigen Überspitzung ausgereizt wird.
Russell Crowe gibt den befangen recherchierenden Journalisten, der allein schon deswegen nicht zur klischeehaften Kontrollinstanz der Mächtigen taugt. Er ist eben nicht das gutmenschliche Moral-Vorbild oder die personifizierte Vierte Gewalt. Auch wenn die Hauptfigur von "State of Play" - so viel Hollywood-Heldentum muss sein - natürlich für Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit schreibt und der Journalismus dadurch etwas romantisiert wird, so begegnet Cal McAffrey neben dem eigenen Ego auch anderen, durchaus wirklichkeitsgetreuen Widerständen: Kostendruck, Zeitdruck, Konkurrenzdruck.
Auch der viel geschmähte Ben Affleck als politischer Karrierist weiß allen Unkenrufen zum Trotz zu überzeugen. Als imagebewusster Jung-Politiker mit den zwei Gesichtern muss er um seinen tadellosen Ruf kämpfen und ist in dieser Rolle sicherlich keine Fehlbesetzung. Vielleicht auch deswegen, weil die Parallele zu seiner eigenen Laufbahn irgendwie auf der Hand liegt: Schließlich muss auch Affleck, das aalglatte Schwiergermuttersöhnchen von einst, nach einem heftigen Karriereknick um die Gunst der Öffentlichkeit buhlen. Seine starke Leistung in "State of Play" dürfte seine Aussichten jedoch deutlich verbessert haben.
Unterm Strich steht einfach ein spannender Film. Nicht mehr und nicht weniger. Doch an Pointen wie dem zum Schluss noch einmal entscheidend auftauchenden Polizisten, mit dem sich McAffrey zuvor um Quellen und Informationsvorsprünge streitet, kann man die detailverliebte Gestaltung von Drehbruch und Regie erkennen.