Genau das muss man sich fragen, im Bezug auf das neue Album von The Ark.
In Schweden sind die Jungs um Frontmann Ola Salo neben Kent die erfolgreichste Band des Landes und auch in Italien verkaufen sie größere Hallen aus.
Tja, bei uns sieht das leider anders aus.
Trotz Kritikerlob gelang es in ihnen in Deutschland nicht, sich mit dem überragenden, epischen Pop-Musical "In Lust we Trust" durchzusetzen.
"State of the Ark" ist das dritte Album der Band - und dieses zu bewerten führt mich in einen aboluten Zwiespalt.
Wer gibt seiner Lieblingsband schon gerne eine zurückhaltende Bewertung? Sicherlich niemand.
Aber: Den Fans war eigentlich klar, das nach großartigem Debüt ("We are the Ark", 2000) und Jahrhundertalbum ("In Lust we Trust"), die Spielräume nach oben ausgereizt waren.
"State of the Ark" schlägt nun auch eine insgesamt neue Richtung ein. Weg von der epischen, oppulent instrumentierten Stilistik des Vorgängers - hin zu Songs die in 3 Minuten auf den Punkt kommen und der Band live neue Möglichkeiten eröffnen sollen.
Die Fangemeinde hat aufgeschrien (auch in Schweden) und sich den alten Stil zurückgewünscht, doch auch The Ark sind eine Band, die Entwicklungen durchmacht.
Das neue Material hat entgegen aller Befürchtungen doch wieder seine ganz großen Momente:
Da ist "Clamour for Glamour", ein Seventies-Rock-Gassenhauer mit grandioser Ohrwurmqualität.
"One of us is gonna die young", die Singleauskopplung, besticht durch ihren sehr ernsten Text, verpackt in eine nostalgische Melodie, die durchaus von ABBA stammen könnte.
"Let me down gently" ist eine eingängige Elektro-Ballade, die stark an "Let your Body decide" vom Erstling "We are the Ark" erinnert.
"The Others" zeigt einmal mehr, die Botschaft und den Wunsch der Band, Ausgrenzung von Menschen wegen ihrer Neigungen nicht zuzulassen.
"No End" ist eine sehr reduzierte Ballade, auf der Mastermind Ola Salo mit verzerrter Stimme zu hören ist.
"Rock City Wankers" wühlt im Rock der 70er und will die Garagenband-Schwemme in New York ein wenig sarkastisch kommentieren.
Die genannten Songs sind alle absolut hörenswert und mindestens 5 Sterne wert.
Leider gibt es unter den restlichen Titeln den einen oder andernen, der nicht mal einen wert ist. "Hey Kwanongoma", ist eine absolut unpassende und sinnfreie Vertonung. "Girl you're gonna get em" erinnert schwerstens an "My Sherona" und an Electric Light Orchestra anno 1981.
Dennoch bleibt The Ark die wichtigste Band für mich.
"State of the Ark" ist ein typisches Übergangsalbum, nach dem man sehen wird, wohin die Reise geht. Hoffentlich ein wenig zurück zum Zenit.
Wer sie nicht kennt, sollte allerdings den Einstieg unbedingt mit dem Album "In Lust we Trust" machen, das mit seinen großartigen Texten und den überschäumenden Chören zum Album meines Lebens geworden ist.