Der Einstieg in die molekulare Küche - leicht gemacht. Und tatsächlich sind hier die 10 allerwichtigsten Pülverchen vollständig versammelt. Das begleitende Kochbuch beschreibt sorgfältig und mit vielen Bildern sehr anschaulich die Grundlagen molekularer Techniken, von der Herstellung von Fruchtkaviar über größere "Sphären" über Schäume und Gels zu allerlei abenteuerlichen Texturen.
Es ist nun allerdings so, dass das Ganze unverhältnismäßig teuer ist. Das kleinformatige Büchlein beinhaltet zwar 50 Rezepte, ist aber für den Einzelpreis von 39 ¤ überbezahlt. Außerdem beinhaltet es ausschließlich Rezepte mit Produkten der Firma Biozoon, und es ist nicht gesichert, ob die Mengenangaben (die sich nur auf den mitgelieferten Portionslöffel beziehen und nicht in Gramm angegeben sind)auch mit Produkten anderer Hersteller kompatibel sind. Die Döschen kosten umgerechnet 10 ¤ pro Stück - kauft man sie bei Biozoon einzeln, bekommt man für 10-18 Euro die sechsfache (!) Menge. Und von wegen, "gleich in den nächsten Supermarkt und loslegen": Ohne einen Grundstock an Laborinstrumenten geht gar nichts; Spritzen, Nadeln, kleine Schöpflöffel, Pipetten, Portionslöffel etc. sind das Mindeste, was man sich noch anschaffen muss; hinzu kommt, dass man eigentlich auch noch zwingend einen Siphon mit Patronen braucht, am besten auch noch einen Thermomixer (kostet über 1000,-- ¤), PH-Messgerät, Küchenthermometer, Feinwaage, Flexipan-Matten und Formen aller Größe, Vakuumiergerät; der flüssige Stickstoff natürlich nicht zu vergessen. Ein gut sortierter Supermarkt sollte es außerdem sein. Das Ganze ist somit leider auch eine Mogelpackung. Aber natürlich ist es preiswerter, ein solches Starterset zu kaufen, als die ganze Kollektion der großen Dosen, wenn man das molekulare Kochen erst einmal ausprobieren will.
Es ist nämlich nicht ganz unwahrscheinlich, dass einem der Spaß schnell vergeht. Das Herstellen von Kaviar und größeren Kugeln muss sehr oft geübt werden, und selbst, wenn es eines schönen Tages perfekt gelingen sollte - was hat man eigentlich davon? Mehr als ein sensorischer Gag ist es eigentlich nicht. Auch sollte man sich fragen, inwieweit man eigentlich ein Fan von Gelees verschiedenster Konsistenz (von weich, schmelzend, bis fest oder gummiartig) ist - muss man gebratene Sauerkrautgeleewürfel zum Fisch haben? Schmecken die Himbeeren in Natur nicht wesentlich besser als als Gummi? Hinzu kommt noch, dass man sich geschmacklich nicht eben austoben kann - jede Würzung könnte bewirken, dass das empfindliche Gelee unerwünscht reagiert und alles nichts wird. Ab einem bestimmten Säuregrad z.B. ist es aus mit den Kaviarkügelchen. selbst der Natriumgehalt des verwendeten Wassers muss bekannt sein. Dementsprechend wirken die Rezepte auf mich langweilig, was den Geschmack betrifft - und gemessen an dem immensen Aufwand der Herstellung extrem unergiebig.
Insgesamt habe ich den Eindruck, dass man für ein großartiges kulinarisches Erlebnis sehr gut ohne die Molekularküche auskommt. Das chemische Wissen um die einzelnen Inhaltsstoffe ist allerdings interessant und liefert eine gute Verständnisgrundlage, das beim "normalen" Kochen meistens unterrepräsentiert ist. Auch ist es gut, molekulare Techniken in petto zu haben und sie je nach Bedarf flexibel hinzuzunehmen. Dies ist vermutlich auch die letztendliche Intention: eine Erweiterung der Möglichkeiten, eine Einladung zum kreativen Ausprobieren.