Streck und Mette in Amerika
Vorweg: Michael Streck und Til Mette ist ein tolles Buch gelungen.
Mit hohem Tempo beschreibt Michael Streck seinen Aufenthalt in den USA. Er kommt an, will ein Haus mieten gerät an Makler und einen Immobilienmarkt, der deutlich anders tickt als der hiesige: Schwindelerregende Mieten und bewohnbare Baustellen werden ihm angeboten; er entscheidet sich für das Abenteuer 'Villa Kunterbunt', einer technischen Herausforderung, deren Meisterung Langmut und Phantasie bedarf. Der 11. September 2001 fällt in die Einzugszeit und so lernen die Strecks New York in außergewöhnlicher Zeit kennen und lieben.
Großartig lakonisch ist die Schilderung der kulturbedingten Widrigkeiten. Die zunächst nörgeligen Töchter (was sollen wir in New York?) werden binnen kürzester Frist zu Fahnen schwenkenden Neuamerikanerinnen, deren Farbenpracht nur von deren Bereitschaft beim Schlittschuhlauf zu fallen getoppt wird. Unter dem Einfluss der Töchter, die auf die US-Fahne Abstinenz schwören, verzieht sich das rauchende Elternpaar nun zum Rauchen vor die Tür.
Dann kommen WIR, die unvermeidlichen Freunde, Verwandte und fernere Menschen. Michael Streck hat ein zartes Händchen, die Völkerwanderung zu beschreiben, die man auch Besuch nennt. Die Familie hat VIEL Besuch, der Kategorien 'liebe Freunde' bis 'anstrengend', die sie beherbergen und versorgen müssen. Dabei fällt ein europabedingter Rotweinkonsum an, der, will die Kleinfamilie nicht den guten Ruf einbüßen, bei drei verschiedenen Liquor Stores gedeckt werden muss. So fragt Todd, der Liquor Dealer, die Frau ob sie ein Hotel oder Restaurant betrieben.
Auf Reisen lernt die Viererbande viel über Amerika und seine technischen Besonderheiten: Delta Arlines ' Doesn't Ever Leave The Airport und die Eigensinnigkeiten des schienengebundenen Verkehrs.
Sehr schön: die 'Erweckung' George W. Bushs und seine Läuterung vom Schnapsus Maximus zum abstinenten Führer der Freien Welt. Diese wundersame Wandlung soll sich, so die Mär, in Dallas zugetragen haben ' Bushs Mama Barbara soll eine tragende Rolle gehabt haben, nicht wie der spätere Präsident, vermutet Gott selbst.
Das Göttliche überhaupt: Mit viel gutem Willen geht's daran, die Kinder in Religiöses einzuführen. Man versuchts mit Armenpredigern in Manhattan und in einem religös inspirierten Dinopark in Kentucky. Dort werden die Töchter von Kreationisten malträtiert, die ernsthaft behaupten, die vor 65 Millionen Jahren ausgestorbenen Großviecher seien von Menschen geritten worden. Nee, das sei ja auch erst 6000 Jahre her (wg. Schöpfung). 'Spinnen die?', so die Tochter nach überstandenem Besuch. Kinder und Besoffene sagen die Wahrheit, manchmal triffts das Sprichwort.
Ein großartiges Buch über Land und Leute, Waschmaschinen, Führerscheine, Präsidenten und Wahlen.
Ich hätte mir mehr von Til Mettes Karikaturen gewünscht. Indian Summer: Auf dem Balkon vom Pfeil getroffen, amerikanische Handwerker beim Feierabend, großartig: jüdische Besucher bei christlicher Segnung an Weihnachten.
Davon in einer Neuauflage bitte mehr.