Manchmal macht es riesig viel Spaß, mal wieder so richtig "altmodisch" zu sein. Kein Zweifel, zeitgenössischer Modern-Metal hat absolut seine Daseinsberechtigung und hat weite Teile der Stromgitarrenmusik in den letzten Jahren revolutioniert und dabei "neue Horizonte geöffnet". Aber seien wir doch mal ehrlich...jeder traditionsbewusste Metalhead hat irgendwann zeitweise einfach keinen Bock mehr auf Bands wie IN FLAMES , MACHINE HEAD , RAUNCHY , KILLSWITCH ENGAGE , SOILWORK oder FEAR FACTORY. Manchmal hat man einfach die Nase voll von Metalcore-Breakdowns, Keyboard-Weichmacherei, Schlagzeug-Trigger oder künstlich aufpolierten Gitarren-Breitwänden. Tja, und zu diesem Zweck gibt es dann glücklicherweise eine Band wie CRESCENT SHIELD, die dem Hörer auf ihrem mittlerweile dritten Album "The stars of never seen" erneut ein packendes Stück Metal-Nostalgie auftischen. Fernab aller musikalischen Trends wühlt das amerikanische Quartett ganz tief in der Plattenkiste der 80er Jahre. Wie auch auf den beiden brillianten Vorgängern zelebrieren CRESCENT SHIELD dabei herrlich bodenständigen US-Power Metal, der sofort Erinnerungen an Altväter wie HELSTAR , SANCTUARY , STEEL PROPHET , MANILLA ROAD , OMEN und FATES WARNING zum Leben erweckt. Altbacken, unmodern, ewiggestrig, kauzig...Musik für unverbesserliche Nostalgiker ??? Ja, irgendwie schon...aber wen interessierts???
Der Sound ballert richtig schön altmodisch aus den Boxen, und transportiert dabei den Spirit der 80er Jahre ohne Umwege in die Neuzeit. Trotz minimaler progressiver Anleihen stellen CRESCENT SHIELD immer den Song in den Mittelpunkt des Geschehens, und verpacken ihre Ideen in ein kraftvolles und bisweilen episches Format. Der 49-Minüter rangiert dabei durchgehend auf höchstem Niveau und deckt die gesamte Bandbreite des altehrwürdigen Oldschool-Sounds ab. Sensationelle Granaten wie der saustarke Opener "Under cover of shadows" , "The grand horizon" , "Tides of fire" oder das thrashige "My anger" klingen dabei richtig frisch und unverbraucht, was die weltweite Headbanger-Gemeinde in einen Zustand der Euphorie versetzen dürfte. Aushängeschild von CRESCENT SHIELD ist dabei Shouter Michael Grant, dessen theatralischer Gesangsstil irgendwo zwischen Warrel Dane (SANCTUARY, NEVERMORE) und Eric Clayton (SAVIOR MACHINE) liegt, und der den Songs einen enormen Wiedererkennungswert gibt. Großartig sind dabei auch die coolen Backing-Chöre der Mitmusiker , die den Hörer beinahe schon zum lauthalsen Mitgröhlen einladen. Dabei klingen die Refrains aber niemals zu kitschig oder überladen, sondern sind perfekt in den Song eingebettet. Höhepunkte dieses robusten 9-Trackers sind der MAIDEN-lastige Rausschmeißer "Lifespan", das mit irischen Akustik-Gitarren garnierte "Temple of the empty" , der bombastische Longtrack "The endurance" sowie der schlichtweg unglaubliche Mid-Tempo-Ohrwurm "10.000 midnights ago".
CRESCENT SHIELD ist mit "The stars of never seen" die vielleicht authentischste US-Metal-Scheibe seit dem Sensations-Debüt "Regeneration" (TIMELORD) geglückt. Wenn das Quartett alles in allem noch einen Tick eigenständiger zu Werke gegangen wäre - und das mittelmäßige "The bellman" nicht sooo übertrieben nett daherkommen würde - , wäre hier die Höchstnote von 5 Sternen absolute Pflicht gewesen. Doch auch trotz dieser minimalen Schwächen gehört dieser 9-Tracker in jede gutsortierte Metal-Plattensammlung. Sollte man kennen !!!