Dieses Reprint war lange angekündigt, und obwohl ich kein waschechter Starmore-Jünger bin, hat zuletzt doch die Neugier gesiegt. Soviel vorab: Ich habe es nicht bereut. Auch wenn ich nicht alles gefunden habe, was ich mir erhofft hatte, ist dieses Buch eine wertvolle Bereicherung für meine Strickbüchersammlung.
Der Kern des Buches ist, wie der Titel schon sagt, die Musterbibliothek. Er umfasst 107 Seiten, die sich unterteilen in traditionelle Länderstrickmuster, von anderen (textilen) Künsten adaptierte Muster und Themenmuster. Die Kategorie nach Ländern ist mit 52 Seiten der größte Teil und reicht von Norwegen und Schweden über Finnland und die baltischen Staaten bis zu Russland und Südamerika. Mit 34 Seiten schließt sich der Teil der adaptierten Muster aus Griechenland, dem Kaukasus, dem Mittleren und dem Fernen Osten an. Selbstverständlich fehlen auch die keltischen Muster nicht, explizit ausgenommen hat Starmore nur ihre Fair-Isle-Sammlung, da die ja schon in ihrem Buch Fair-Isle Knitting enthalten ist. Starmores selbst entworfene Themenmuster gliedern sich auf in "Vögel und Blumen", "Meer und Küste" und "Innere Landschaften".
Innerhalb der grundlegenden Kategorien gibt es jeweils eine Unterteilung in Bordüren-Muster, wie man sie von klassischen Fair-Isles kennt, Flächen-Muster und einzelne Motive, bisweilen gibt es auch ein paar vertikale Musterelemente. Die Darstellung ist so, wie man es auf dem unteren Teil des Covers (deutlich vergrößert) sehen kann, also eine rein grafische schwarz-weiß-Darstellung, die alle Optionen zur eigenen Farbkomposition offen lässt. Die Sammlung der Muster basiert, wie Danksagungen an kulturhistorische Museen vermuten lassen, auf einer umfassenden textilhistorischen Recherche.
Flankiert wird die Musterbibliothek von ein paar technischen Kapiteln, unter anderem zur Berechnung eines Pullovers (Maße, Maschenprobe, Dreisatz): Das ist sehr "basic" und auf dem starmore-typischen kastigen 80er-Jahre-Schnitt aufgebaut. Ein weiteres Kapitel widmet sich der korrekten Verteilung von Mustern. So grundlegend diese Informationen auch zu sein scheinen, dieses Buch ist nichts für Anfänger: Wer noch nie mehrfarbig gearbeitet geschweige denn einen Steek genadelt hat, muss sich diese Techniken anderswo aneignen. Das ist einzusehen und wohltuend, schließlich haben viele Strickerinnen ohnehin mehrere Strickbücher zu Hause, und auf den Seiten, die ich allein zum Thema "Maschen anschlagen" besitze, könnte man mittlerweile wahrscheinlich weitere drei Bücher drucken...
Ein letztes Kapitel im Anschluss an die Mustersammlung geht etwas auf das Thema der Farbkomposition ein - und hierfür gibt es den Punkt Abzug: Letztendlich geht Starmore auch hier nicht über den Rat "Lassen Sie sich von der Natur inspirieren" hinaus. Das wird zwar hübsch bebildert, und aus diesen Darstellungen lässt sich auch Einiges lernen (z.B., dass Starmore ihre weichen Farbübergänge unter anderem dadurch erreicht, dass fast nie Vorder- und Hintergrundfarbe gleichzeitig wechseln), doch Theorien jedweder Art - Fehlanzeige. Ich vermute, Starmore ist ein Naturtalent und deshalb nicht in der Lage, weniger Begnadete zu "unterrichten".
Mein Fazit: Mit rund 410 Mustern ist die Musterbibliothek ein großer Schatz und erspart das mühsame Abpinseln von Mustern von Bildern im Internet. Die Vielfalt ist erstaunlich und hilft dabei, sich in die verschiedenen Textil-Kulturen einzufühlen. Deshalb ein Must-Have - nur auf die Farbtheorie, die den Knoten platzen lässt, muss ich wohl noch etwas warten.