Als bekennender Lindianer durch das Leben zu streifen,ist noch nie einfach gewesen. Da berichte ich jetzt mal aus 30 jähriger Fan Erfahrung. Immer wenn ich mit meiner leidenschaftlichen Verehrung zu Udo Lindenberg hausieren ging, brüllte irgendwo Jemand laut Einspruch und fuhr schweres Geschütz auf. Das fing an mit "Ey der kann ja gar nicht singen", über "will nur Kohle scheffeln" und "Harald Juhnke des Rock n`Roll" bis zu "ist nur noch eine Karikatur seiner selbst". Der absolute Tiefpunkt war erreicht, als mir ein Bekannter das "Excessor" Album (als geschenkte Hörprobe) unter die Nase hielt mit den Worten: "Brauchst du die noch?" Als ich ihm antwortete: "Hab ich schon!", erntete ich nur einen mitleidigen Blick mit den Worten "...hätte nie geglaubt, dass einer für so was auch noch Geld ausgibt...". Fairerweise muss ich gestehen, dass ich mir die "Excessor" CD selbst kaum mehr schön reden konnte. Wo hatte er sich verlaufen, der "Stadtindianer" der alle Geheimnisse des Lebens erforscht? Die Ankündigung eines neuen Albums schraubte folge dessen , die Erwartungshaltung zunächst auch nicht in udopische Höhen. Plötzlich überschlugen sich die Ereignisse. Eine nicht mehr für möglich gehaltene Medien Aufmerksamkeit für meinen Udo L. verblüffte mich einfach nur noch. Positive Berichte im "Stern" und "Spiegel", da musste ich mich schon mal kneifen, um sicher zu gehen nicht aufzuwachen. Die Krönung dann die Doppelseite in der "Welt am Sonntag": "Die Wiederauferstehung des Udo Lindenberg", engagiert geschrieben vom Pop-Literaten Benjamin von Stuckrad Barre. Vielleicht die beste Print Veröffentlichung zum Thema Udo Lindenberg, die ich je gelesen habe. Die ganze Nation in panischer Aufruhr!Überall tönte es von dem "besten Lindenberg Album seit Jahrzehnten", das machte auch mich mehr als nervös! Selten das ich einer Udo Lindenberg Veröffentlichung dermaßen entgegengefiebert habe.
Jetzt ist sie da, "Stark für Zwei". Und? Ist diese CD wirklich die CD des Jahres? Ist sie sein spätes Meisterwerk? Ein deutsch Rock Klassiker der ersten Güte? Ja! Uneingeschränkt ja! Es ist wirklich kaum zu glauben. Erneut steigt er wie Phönix aus der Asche! Der ewige Zauberlehrling versprüht wieder bunte Farben und Gedanken. Unterwegs in panischer Mission, gegen die grauen Köpfe in der grauen Welt.Dieses Album hat einfach alles was ich mir von Udo erwünscht habe. Zuallererst fällt auf: Der bestechende Sound! Die CD klingt unglaublich gut! Endlich wieder echte Instrumente, echtes Schlagzeug, keine Drum Computer. Udos Stimme rein und intensiv. Sie klingt ergreifend in allen Nuancen, reißt mit, zieht in den Bann, saugt einen auf, bleibt authentisch, nichts wurde zugeschmiert! Die Stimme lebt wieder, wie zu seinen Glanzzeiten! Gute Songs, tolle Gitarren, handgemachte super Musik! Warum nur, die Frage drängt sich auf, warum nur haben die Fans so lange auf ein solches Album warten müssen? Mein Erklärungsversuch ist einfach. Alle Beteiligten arbeiteten mit dem festen Vorsatz: Wir machen nicht EIN neues Lindenberg Album, nein, wir machen DAS neue Lindenberg Album! Und vor allem: Es soll/wird ein starkes Album werden! Jeder Ton schreit es laut heraus: Schaut her, wir haben uns wirklich Mühe gegeben! Jeder ordnet sich dem einen Ziel unter: den Panik Präsidenten gut aussehen zu lassen. Und das ist gelungen! Umwerfend. Udo hat auch Hilfe zugelassen! Bei den Kompositionen sind viele Andere federführend. Selbst bei den Texten kommt ab und an ein zweiter Stift dazu. Er ist sich nicht zu schade auch mal gänzlich nur als Sänger zu agieren. "Verbotene Stadt" aus der Feder von Till Brönner und den Lyrics von zwei Frauen, wird zu einem Höhepunkt des Albums. Udo hat seine Themen wieder gefunden. Älter werden, Tanz am Abgrund, Liebe, Freundschaft,Tod, Hadern mit der Welt, Alkohol. Alles nicht neu, doch schon ewig nicht mehr so brüchig, glaubwürdig und mitreißend dargeboten wie auf "Stark für Zwei". Viele Songs im Mid-Tempo Bereich, aber trotzdem packend, pulsierend und mitreißend. Jedes große Album hat eine Eröffnungsnummer die eine Marschroute vorgibt und in der sich das ganze Album widerspiegeln kann. "Ich zieh meinen Hut" ist eine solche Nummer. Schon nach ganz wenigen Takten offenbart sich klar, hier geht es ganz anders zur Sache! Ein wunderschöner Opener. Es sind wieder Melodien vorhanden, die als Ohrwurm hängenbleiben wie die Single "Wenn du durchhängst" oder das erste großartige Duett mit Jan Delay, "Ganz Anders". Es gibt wieder Gänsehaut (Stark wie Zwei/Der Astronaut muss weiter) es gibt wieder Humor der keineswegs platt daherkommt(Chubby Checker/Der Greis ist heiß).Ein weiterer Höhepunkt "Was hat die Zeit mit uns gemacht" vielleicht mein momentaner Favorit. "Was haben wir falsch gemacht?", fragt Udo. Vieleicht hat er sich in den letzten Jahren zu oft mit den falschen Leuten umgeben? Vielleicht nur Ja Sager in seinem Umfeld zugelassen? Man weiß es nicht. Die Stroer Brüder wären ihm wohl besser nie über den Weg gelaufen. Sie haben es z.B. nicht vermocht auch nur einen Song mit der Klasse dieser neuen Nummern aus Udo herauzukitzeln. Warum auch immer. Ce la via, was soll`s, kein Blick zurück. Hier geht es nach vorn mit 14 starken Songs. Das Niveau durchgehend hoch bis Lindenklasse. 14 Nummern ,jede für sich hörenswert, als Ganzes ergeben sie, wie schon erwähnt, für mich das Deutsche Rock Album des Jahres "STARK WIE ZWEI". Mit erhobenen Haupt werde ich wieder durch die Gegend stiefeln und fragen: "Hey die neue Lindenberg! Schon gehört? Muss man kennen, muss man hören, muss man kaufen! Und darüber freue ich mich sehr. Udo hat endlich wieder zu alten Stärken zurück gefunden, auf diesem Weg kann es weitergehen. Alles was ihn groß gemacht hat ist wieder da. Irgendwie neu, irgendwie alt, doch jede Sekunde pur Lindenberg. "Was die Schwachmaten, einem so raten, das ist egal! Ich mach MEIN DING!" So soll es sein.