Ich übertreibe wirklich nicht wenn ich sage dass 'Der Sternwanderer' zu meinen absoluten Lieblingsgeschichten gehört. Und wenn ich dass sage, dann meine ich genau diese illustrierte Fassung des Romans von Neil Gaiman. Die meisten werden wahrscheinlich durch die sehr gelungene Verfilmung auf das Buch aufmerksam geworden sein, und all diese Menschen bitte ich inständig auch diese bebilderte Fassung zu lesen. Eine Sache vorneweg: Es handelt sich nicht um einen klassischen Sprechblasen-Comic! Dadurch möchte ich interessierte Comicleser nicht vergrätzen, sondern Leser die mit Comics nichts zu tun haben ermutigen! Dieses Buch liegt genau in der Mitte und beide Fraktionen werden etwas damit anfangen können. Es ist tatsächlich Wort für Wort der Roman von Neil Gaiman, ergänzt durch die wundervollen Zeichnungen von Charles Vess.
Eine ganz kurze, spoilerfreie Zusammenfassung der Hauptstory: Tristran Thorne, ein junger und verträumter Ladenjunge der im verschlafenen Nest Wall im viktorianischen England lebt, verspricht seiner Angebetenen einen soeben herabgeregneten Stern zu schenken. Das Problem: Der Stern ist in verbotenem Gebiet abgestürzt, dem Feenland. Hinzu kommt dass der Stern alles andere als ein schlichter Steinbrocken vom Himmel ist, wovon Tristran allerdings zunächst nichts ahnt. Und so begibt er sich auf eine abenteuerliche Reise um den Stern nach Wall zu bringen.
Wenn man beginnt den 'Sternwanderer' zu lesen fühlt man sich bereits ab der ersten Seite an Märchenbücher aus der Kindheit erinnert. Das liegt an den bereits erwähnten wunderschönen Illustrationen von Charles Vess, an dem Ton den Neil Gaiman anschlägt und an die Gefühle die diese Kombination weckt. Es ist für mich eine der raren, perfekten Geschichten - absolut rund, stimmig, aufregend und (ich weiß, ich wiederhole mich) wunderschön! Ich empfehle jedem, sich dafür Zeit zu nehmen, denn man sollte das Buch in einem Rutsch durchlesen - dafür reichen bei gemächlichem Tempo auch schon ungefähr drei, vier Stunden. Besonders hilfreich ist die Story wenn man wirklich total down ist - dass weiß ich aus Erfahrung. Es ist absolut unmöglich das Buch durchzulesen und danach deprimiert zu sein:).
Buch und Film unterscheiden sich in manchen Details stark voneinander. In diesem Fall begrüße ich dass sehr: Wenn man den Film kennt wird das Buch eine Bereicherung sein - und umgekehrt. Der Tenor der Story bleibt auf jeden Fall erhalten.
Ich habe das Buch in den letzten Jahren häufig verschenkt, weil ich es wirklich liebe - und dass sage ich nicht nur so. Beruflich muss ich eine ganze Menge lesen und 'Der Sternwanderer' ist nun mal etwas ganz besonderes. Mein schönstes Erlebnis damit war sicherlich, als ich es -sehr, sehr zögerlich- meiner Mutter schenkte. Weil mir mein Leben lieb ist kann ich nicht sagen wie alt sie ist, sagen wir einfach sie hat unter anderem aus Altersgründen rein gar nichts mit Comics oder eben illustrierten Romanen am Hut. Und sie liebt das Buch! Diese Erfahrung mache ich regelmäßig. Ganz unabhängig vom Alter, jeder Leser, jeder Beschenkte wird dieses Buch nicht mehr vergessen.