Ich kann mich nur der Meinung von Frau Bittner anschliessen. Und dazu zählt auch, dass der Film tatsächlich besser ist als das Buch!
Das Buch fängt wunderbar an! Diese Poesie, dieser Sprachstil, diese Sprachmelodie; sie sind (im Englischen) einfach wunderbar. Die Sätze sind so schön blumig, sie klingen manchmal tatsächlich fast wie Verse, und manchmal nennen sie das Kind auch einfach erschreckend einfach beim Namen...was dann stellenweise doch sehr amüsant ist ... und so bildhaft, dass sich die Märchenwelt fast von alleine im Kopf entfaltet. Einfach eine wunderschöne Leichtigkeit des Schreibens.
Aber leider hält Gaiman dieses Niveau nicht durch und gerade gegen Ende flachen Stil und insbesondere die Story ab. Die Story plätschert vor sich hin, ohne große Wendungen und Aufregung. Mögliche Konflikte werden zu schnell und auch etwas zu bieder aufgelöst. Einige wichtige Szenen verkommen zur Randnotiz. Der anfänglich so schöne, leicht verspielte Humor verliert sich. Man bekommt den Verdacht, dass Gaiman sein Pulver an Ideenreichtum schon nach der ersten Hälfte verschossen hat (auch wenn dieser bis dahin grandios war), und er nur noch zu einem Ende kommen möchte. Zwar bietet das Ende auch wieder durchaus kleine und fein angedeutete Weisheiten an, aber es läuft in seiner Art aus wie der letzte Rinnsal einer Regenrinne und tröpfelt dann so vor sich hin, dass es letztlich etwas unbefriedigend bleibt, auch wenn es sich das Ende selbst wohltuend vom Hollywood-Schema B abhebt und wie gesagt ein gewisses Maß an Lebensweisheit ausdrückt. Ja, dass Ende hätte tatsächlich liebevoller ausfallen dürfen oder sogar müssen.
An dieser Stelle muss auch ich Bezug auf den Film nehmen und sagen, dass mir die z.T. stark veränderte Story im Film besser gefallen hat. Natürlich ist der Schwerpunkt der Erzählung anders gelegt und das Ende ist dort sogar Happy-End-Schema A, aber dort bekommen einige der Figuren, Begegnungen und Wendungen wirklich Tiefe und vor allem Unterhaltungswert. Der lächelnde Esprit der Geschichte bleibt bis zum Schluss erhalten. Insbesondere die Piraten bekommen dort richtig Witz und Farbe und bleiben keine so seelenlose Anekdote wie im Buch. Einige der schönsten Szenen überhaupt. Das ist, glaube ich, dass erste Mal, dass mir ein Film besser gefiel als das Buch.
Um keinen falschen Eindruck zu erwecken, der Roman ist bei weitem nicht schlecht, aber er hinterlässt diesen typischen schalen Beigeschmack einer vertanenen Chance. Es hätte ein Meisterwerk werden können. Aber so ist es nur bessere Lektüre, die zum Schluss ihre Längen hat. Viele gute Ansätze und Ideen, welche aber leider nicht konsequent genug zu Ende geführt wurden. Schade.
Drei Sterne für eine schöne Geschichte mit vieeel ungenutztem Potential.