Ein Bilderbuch über einen Terroristen? Geht denn das, fragte ich mich, als ich "Starbuck" zum ersten Mal in Händen hielt. Die Antwort lautet JA. Wer wie ich 68 erst geboren wurde und auf Bücher und Filme mit und über die RAF angewiesen ist um etwas vom vergangenen "Deutschen Herbst" zu erfahren, der freut sich über ein so liebevoll wie anspruchsvoll gemachtes Buch. "Starbuck" ist reich an Information die über eine akribische Abschrift von Polizeiakten wie bei Stefan Austs "Baader-Meinhof-Komplex" hinausgehen. Da kommt der Vater des "Terroristen" zu Wort, seine Freunde, seine Kollegen. Menschen, die einen anderen Menschen namens Holger Meins kannten. Anhand von Fotos aus der Zeit, anhand von Bildern, die der Künstler Meins anfertigte, mit Pinsel und Fotoapparat, lernt der Leser Hintergründe eines Lebens kennen, welches im kollektiven Gedächtnis einer ganzen Generation zu einer halbnackten, laut aufschreienden Ikone mutiert war. Ich bin dem Autor dankbar dafür, mir diese vielen kleinen Puzzleteile aufzuzeigen aber nicht ideologisch-didaktisch totzuerklären. Dass ein Wim Wenders oder ein Wolfgang Petersen (ja doch, der berühmte regisseur von "Das Boot" und "Der Sturm"), die sicherlich einen ganz anderen Holger Meins kannten als ein Herr Klaus, damaliger RAF-Beauftragter des BKA gleichberechtigt in ihren Meinungen nebeneinander stehen, finde ich mutiger als einen erneuten radikalisierenden Aufruf à la "Holger, der Kampf geht weiter". Wessen Kampf Holgers war will der Autor dem Leser nicht aufzwängen, dass kann dieser getrost anhand der vielzahligen Spuren, die das Buch beinhaltet, selber tun.