"Tod auf Naboo" - der vierte Band von Jude Watsons "Der letzte Jedi"-Reihe setzt genau dort an, wo der letzte Band aufhörte - sowohl was die Handlung als auch die düstere Stimmung angeht. Allerdings bringt Watson hier auch den bislang tragenden Handlungsstrang der Buchreihe zu einem frühen Ende, um in den nachfolgenden Abenteuern von Ferus Olin und seinen Gefährten neue Wege zu beschreiten. Allerdings schafft es Watson, dieses frühe Finale zu einem runden Abschluss zu bringen.
Zur Story: Nachdem Ferus Olin bei einer Mission in den nun vom Imperium besetzten Jedi-Tempel, der kurz vor seiner Zerstörung durch eine Bombe des Inquisitors Malorum stand, gefangen genommen wurde, findet er sich nun in einem imperialen Hochsicherheitsgefängnis und gleichzeitig Arbeitslager auf Dontamo (sieht hier noch jemand die namentliche Ähnlichkeit zu Guantanamo?)wieder. Dort muss er sich mit gewaltätigen Gefängniswärtern und Mitinsassen, dauerhafter Unterernährung und zermürbender Arbeit auseinandersetzen. Eine Flucht ist so gut wie ausgeschlossen, dennoch setzt Ferus alles daran, aus seinem Gefängnis zu entkommen, denn Malorum plant bereits seine Exekution. Unterstützt wird er dabei von einem alten Freund, dem er zufällig im Gefängnis begegnet. Gleichzeitig werden im Untergrund von Coruscant die flüchtigen Siedler, die dort bei der Jedi-Meisterin Solace Zuflucht gefunden hatten, in einem Überraschungsangriff des Imperiums ausgelöscht. Nur Solace, Trever und ein paar wenige der Ausgelöschten, die Ferus im letzten Band in den Untergrund begleiteten, überleben und können fliehen. Nun bemühen auch sie sich, Ferus zu finden und bei seiner Flucht zu helfen.
Und diese Flucht ist auch dringend erforderlich, denn getrieben von seinem Wunsch, Darth Vader als rechte Hand des Imperators abzulösen, steht Inquisitor Malorum kurz davor, auf Naboo das Geheimnis um den Tod Padme Amidalas zu lüften, um dieses Wissen gegen Vader zu richten. Doch mit der Enthüllung der Existenz von Padmes Kindern Luke und Leia würde die Galaxis für immer in die Dunkelheit gestürzt...
In ihrem gewohnten einfachen Stil legt Jude Watson für "Tod auf Naboo" einen Gang zu - und macht diesen Band wie auch die letzten zu einem verhältnismäßig düsteren Werk, dass mit imperialen Massakern, Folter, Hinrichtungen und kaltblütigem Mord aufwartet. Für einen Jugendroman alles recht harter Tobak, doch bedingt die Ära des Imperiums, in der Watson nun schreibt, sicherlich eine solche Darstellung. Die Galaxis hat sich gewandelt, das Böse herrscht und jeder Widerstand wird mit besonderer Kaltblütigkeit ausgemerzt. So schildert Watson ungemein stimmig Ferus Aufenthalt im Dontamo-Gefängnis und erhält eine gelungene Atmosphäre aus Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und körperlicher Ermüdung aufrecht. Hierbei sind es gerade die Nebenschauplätze, die besonders gut gelungen sind. So stellt besonders Ferus Zellengenosse, der stets nur eine Nummer ohne Name bleibt, eine tragische Figur dar, der trotz seiner annäher
nden Bedeutungslosigkeit für die Handlung doch sehr zur Stimmung beiträgt. Und auch im zweiten Handlungsstrang um Ferus' Gefährten gibt es eine vergleichbare Szene.
Ferus selbst bleibt weiterhin ein sehr gut geeigneter Hauptcharakter für die Serie: Noch immer hat er einen langen Weg auf dem Weg zum vollwertigen Jedi vor sich und obwohl die Beherrschung der Macht ihm inzwischen etwas lockerer von der Hand geht, zeigt Jude Watson doch immer noch gelegentlich auf, dass er eben nicht allmächtig, sein Leben durchaus ernsthaft gefährdet ist. Während allerdings in den letzten Teilen ein großer Schwerpunkt auf Ferus Selbstfindung gelegt wurde, scheint diese nun erst einmal zum Stillstand gekommen zu sein und es wird sich mehr auf die Handlung konzentriert. Diese besteht allerdings zu fünfzig Prozent aus versuchtem Gefängnisausbruch - was nicht notwendigerweise zu den interessantesten und neuartigsten Themen gehört, aller gut gelungenen Atmosphäre zum Trotz.
Auch Ferus' Gefährten, allen voran Solace und Trever, gefallen mir immer mehr und enthüllen immer neuere Facetten ihrer Persönlichkeit. So wird die tapfere und kalte Jedi Solace von Selbstvorwürfen wegen des Todes ihrer Schutzbefohlenen verfolgt und Trever von der Angst geplagt, nach seiner kompletten Familie nun mit Ferus auch einen weiteren geliebten Menschen zu verlieren. Die Gruppenzusammensetzung dieses bunt zusammengewürfelten Haufens funktioniert wirlich gut und ich freue mich bereits, mehr davon zu lesen.
Das Problem bleibt weiterhin etwas beim Bösewicht: Obwohl Malorum in diesem Buch deutlich mehr im Mittelpunkt steht als bisher und somit auch deutlich mehr Zeit für böse und grausame Taten hat, bleibt doch irgendwie der Eindruck eines größenwahnsinnigen, aufbrausenden Giftzwergs, der trotz der Bemühungen Watsons, immer wieder zu betonen, wie klug und einflussreich Malorum ist, doch oft eher hilflos, frustriert und unterlegen wirkt. Lediglich gegen Ende blitzt mal ein kurzer Eindruck davon auf, warum gerade dieser Kerl der oberste Inquisitor des Imperiums ist. Doch das reicht nicht ganz, um den Gesamteindruck Malorums aus den letzten drei Büchern wirklich zu verbessern. Schade eigentlich, denn mit Xanatos und Granta Omega hat Watson bewiesen, dass sie eigentlich in der Lage ist, gute Bösewichte zu schreiben. Dies gelingt ihr in "Der letzte Jedi" bislang noch nicht.
Als Ersatz für den schwachen Bösewicht dient aber wie gewohnt das Imperium als solches: Egal ob im Gefängnis, auf Naboo oder Coruscant, die Furcht vor imperialen Spionen, Invasion, Folter und Tod ist allgegenwärtig und der Druck der Imperiums wird deutlich fühlbar... auch wenn sich dieses immer noch ein wenig nach dem Senat zu richten hat. Und wenn dann noch vereinzelte Hinweise auf eine ominöse "ultimative Waffe" eingeworfen werden, macht es die ganze Sache noch runder.
Dazu kommen neben den von Watson geschaffenen Hauptfiguren auch ein paar bekannte Gesichter: Captain Typho, Boss Nass, Dexter Jettster und Königin Apailana geben sich die Ehre.
Was ein wenig enttäuscht, ist das Ende, denn hier wird - nach einem langen gut geschriebenen Gefängnisteil - alles sehr überhastet geschrieben, als wären Watson plötzlich die Seiten ausgegangen (die mit 129 plus Glossas plus Werbung übrigens wie immer sehr gering sind). Zudem wird die Spannung stark reduziert, da Watson auch bei Ferus finaler Konfrontation mit Malorum im Grunde von Anfang klar macht, wie das Ganze ausgehen wird. Damit verschenkt sie ein wenig den epischen Rahmen, in dem sie das Ganze inszeniert.
Was bleibt, ist ein solider Teil der Buchreihe, der sehr gut anfängt, gegen Ende aber doch stark nachlässt. Allerdings bin ich guter Hoffnung, dass die Reihe in ihrem weiteren Verlauf dieses Niveau halten, wenn nicht gar noch übertreffen kann.
4 von 5 im MacGyver-Stil umfunktionierte Löffel.