Okay. Zwei Anmerkungen. Erstens hab ich die englische Originalausgabe gelesen. Ich schreibe mein Review aber trotzdem hier hinein, um gerade jene, die über den Erwerb der deutschen Ausgabe nachdenken, auf die englische zu stoßen. Die ist stilistisch nämlich oberhalb jener Grenze, an der ich "perfekt" ansetzen würde. Im Gegensatz anscheinend zur deutschen, wenn man meinen Vorrednern glaubt (...was ich tue. Star Wars Übersetzungen sind nicht einfach).
Das Zweite, was ich vorweg bemerken will, ist, dass ich Yoda - Dark Rendezvous für einen der besten Star Wars Romane und für einen essentiellen und (neben Matt Stovers Epi 3 Roman vielleicht noch) den einzigen Schlüsselroman zur Charakterisierung Yodas halte.
Stichwort Matthew Stover: Ich hab' vor langer Zeit mal ein Review gelesen, in dem weitgehend zutreffend bemerkt wurde, dass die einzigen Star Wars Bücher, die sich oberhalb der Unterhaltungsliteratur befinden, von Stover und eben Sean Stewart stammen. Von diesem Satz ausgehend hatte ich als Leser aller drei Stover Romane etwas im Stil selbiger auch von Yoda-DR erwartet.
Weit gefehlt. Dieses Buch hier ist anders. Und zwar wirklich - wie in anderen Reviews hier auch schon bemerkt, nur leider für negativ befunden wurde - VÖLLIG anders.
Man stelle sich erst einmal gar nichts vor. Dann füllt man dieses Nichts mit einer simplen Storyline: Dooku will Frieden, will mit Yoda sprechen, die ganze Sache geheim und unter den Jedi halten. Yoda eilt los. Was ihr da draußen jetzt im Kopf haben solltet, ist eine Story über Yoda und Dooku - Meister und Padawan. Und das ist ein wunderbarer Geniegriff des Autors: Ein Buch über Yoda sollte nicht nur über Krieg sein, nein, Yoda ist ein Lehrer. Der älteste und beste, den die Galaxis hat. Und deshalb ist Yoda-DR über Lehrer und Padawane. Okay, ihr habt diesen Grundplot im Kopf. Jetzt ergänzt ihn um zwei gelungene Padawan Charaktere und zwei zweckdienliche, durchaus sympathische Meister-Charaktere. Ergänzt euer wachsendes Bild des Romans um Ventress. Und jetzt stellt euch vor, zu jedem dieser Charaktere die beste Charakterisierung zu bekommen, die irgendwo zu finden ist. Ergänzt dieses Buch nun mit einem Batzen genialer Ideen. Mit einem wunderbaren Humor. Und schließlich mit den scharfsinnigsten, weisesten Kommentaren, die man zur Star Wars Welt bekommen kann.
Dann habt ihr Yoda - Dark Rendezvous.
Ich denke, es ist die Tatsache, dass Sean Stewart ein Fremder im Star Wars Universum ist, die zu dieser außergewöhnlichen Sichtweise vieler Dinge geführt hat. Autoren mehrerer Werke und Leser dutzender Bücher sind schon so sehr in der weit, weit entfernten Galaxis drin, dass sie - dass wir - vermutlich gar nicht mehr genügend Entfernung zu allem haben, um da mal einen anderen Blickwinkel drauf haben zu können. Stewart hat wohl nicht das technische Wissen eines Timothy Zahn, Michael Stackpole oder Aaron Allston. Aber er braucht es auch nicht, denn er hatte wohl nie vorgehabt, ein Buch über Raumschiffklassen zu schreiben. Nein, er hat es dann wohl lieber, wenn wenig-anspruchsvolle Actionfans nichtsahnend diesen Roman lesen und plötzlich nicht wissen, was sie erwidern sollen, wenn Dooku plötzlich sagt: "Every Jedi is a child his parents decided they could live without."
Schließlich und endlich möchte ich das Review damit beenden, Leser der englischen Version (ich hab nur die) auf Seite 298 zu stoßen. Dort beginnt in ungefähr Zeile Vier die mit Abstand geilste Szene, die ich je in einem Nicht-Stover-Star-Wars-Buch gelesen habe. 30 Jahre Star Wars, und endlich macht das mal einer.
Lesen.