Nachdem der Strom nach "Episode III - Die Rache der Sith" fast versiegt schien, kann man sich dieser Tage, da "The Clone Wars" - in visueller wie in schriftlicher Form - sein Unwesen mit dem Kanon des EU treibt, ja kaum noch vor neuen Geschichten aus der seit 1977 lange sagenumwobenen Zeit der Klonkriege retten. Den "Fehler" (so würde ich es definieren), den man vielerorts - vom Erbe der Jedi-Ritter" bis Fate of the Jedi" - gemacht hat, indem man ganze Epochen in statischen Roman-Reihen abgehandelt hat und ihnen somit in gewisser Weise die Flexibilität, die Vielfältigkeit genommen hat, hat man bei den Klonkriegen (glücklicherweise) nicht wiederholt. Neben schon erwähnter Serie gab es da die beiden Filme (Episode II und III), die den Anfang und das Ende des Konflikts darstellten, diverse (zum größten Teil gelungene) Romane wie "Medstar", "Republic Commando" und "Labyrinth des Bösen" und eben diese neunteilige Comic-Reihe (die meiner Ansicht nach schändlichen Clone Wars"-Zeichentrick-Episoden klammere ich mal aus).
"Last Stand on Jabiim" ist der dritte dieser Klonkriegs-Sonderbände, die im Rahmen einer monatlichen Comic-Serie (die außerdem u.a. "Knights of the old Republic" und "Legacy" regelmäßig fortführt) erscheinen.
Erster und wichtigster Schauplatz dieses 120-seitigen Werkes ist Jabiim. Und das (selbstverständlich) nicht ohne Grund; Jabiim ist ein Spiegel der düsteren Atmosphäre, Jabiim ist ein Drecksloch, ein Planet des endlosen Regens, des knietiefen Schlamms, der atmosphärischen Stürme, die Kommunikation und Schiffsantriebe stören, Jabiim ist ein lange vergessener Planet am äußeren Rand der Galaxis. Regen, Regen, noch mehr Regen, feindliche Truppen in Hülle und Fülle und Chaos allen Ortes - das ist Jabiim und das sind auch die Klonkriege. Eben jenes Jabiim verfügt aber auch über kürzlich entdeckte Erze unter der Oberfläche des Planeten, die die Galaktische Republik unter keinen Umständen den Separatisten überlassen will. Deshalb ist eine beachtliche Streitmacht unter der Führung von Obi-Wan auf dem Planeten gelandet, um den Anführer der Nationalisten, Alto Stratus, gefangen zu nehmen und die feindlichen Truppen so zur Aufgabe zu zwingen. Doch dieser Plan scheitert im Schlamm des Planeten; obwohl die republikanischen Truppen, unter ihnen Anakin Skywalker und eine große Anzahl anderer Padawane und Jedi-Ritter, zunächst einen Sieg nach dem anderen erringen, gelingt es ihnen nicht den Nationalisten und ihren Verbündeten von der KUS (Konföderation unabhängiger Systeme) einen entscheidenden Schlag zu versetzen und so weitet sich die Schlacht immer mehr zu einem Guerillakrieg aus, indem die republikanischen Truppen von ihrer Verstärkung durch elektromagnetische Stürme in der Atmosphäre des Planeten abgeschnitten sind.
Was danach im Einzelnen geschieht möchte ich noch nicht vorwegnehmen - doch Jabiim wird in die Geschichte eingehen, soviel ist sicher - als wohl größte Niederlage der Republik. Und das nicht nur in militärischer Hinsicht, vielmehr ist es eine moralische Schlappe, von der sich die Republik nur schwer erholen wird - und die die Betroffenen - allen voran natürlich Anakin - für immer prägen wird. Neben "Last Stand on Jabiim" ist auch "The Storm After the Storm" Teil dieses Bandes; nach dem Desaster von Jabiim steht die Republik unter Druck, als der Planet Aargonar ebenfalls an die Separatisten zu fallen droht. In dieser heiklen Lage strandet Anakin mit dem Tusken-Jedi-Meister A'Sharad Hett in der lebensfeindlichen Wüste von Aargonar und wird mit unangenehmen Erinnerungen und Vorurteilen konfrontiert.
Von der ersten Seite an lief vor meinem inneren Auge eine Visualisierung der Ereignisse auf Jabiim ab, sodass ich mich teilweise ein bisschen fühlte wie im Film; die Illustrationen sind hervorragend, die Story ist fesselnd und die Charaktere gut getroffen.
Knackpunkt in diesem spannenden Action-Feuerwerk war für mich der Plot. Mitreißend ist er ja, aber im Nachhinein musste ich mich fragen ob es überhaupt so etwas wie eine Handlung im engeren Sinne gegeben hat. Wie dem auch sei, ein toller und sehr unterhaltsamer dritter Klonkriegs-Sonderband bleibt "Last Stand on Jabiim" trotzdem, spürt man die Klonkriege hier doch so hautnah wie selten zuvor. Die moralische Komponente die hier die epischen Ballereien ergänzt, tut dem Ganzen gut, regt zum Nachdenken an und macht den Konflikt ein Stück weit auch authentischer. An einer entscheidenden Stelle des Comics richtet Aubrie, eine der vielen Padawane, die ihren Meister während der Schlacht verloren haben, ihre letzten Worte an Anakin: "...live a good life - for those of us who are soon to die - Anakin Skywalker." - wir wissen es inzwischen (tragischerweise) besser und wir wissen, dass Jabiim nachhaltigen Einfluss auf "den Auserwählten" haben wird. Auch werden wir A'Sharad Hett wiedersehen - Bezüge (vor allem natürlich zum fünften Sonderband, "The Best Blades", indem Obi-Wans Schicksal geklärt wird) gibt es also auch.
Fazit:
Neben Action-Sequenzen in Serie, einem erfreulich guten Zeichenstil und gelungenen Charakterisierungen glänzt dieser dritte Klonkriegs-Sonderband durch eine dichte und düstere Atmosphäre. Trotz einiger kleiner Schwächen ein unbedingt zu empfehlender Comic.