Zombies im Star Wars-Universum sind keinesfalls eine so neue Thematik, wie man vielleicht denken mag. Schon in den alten Jedi-Chroniken musste sich Exar Kun auf Korriban durch ein paar durch Sith-Macht erzeugte Untote kämpfen und auch Anakin Skywalker, Obi-Wan Kenobi und ihre Gefährten mussten sich dort bei der Jagd auf Granta Omega in Jedi Quest 11 gegen jene Sith-Zombies verteidigen. Auch die Rakghoul aus dem PC-Spiel "Knights of the Old Republic" können wohl als eine Art Zombies gesehen werden. Allerdings tauchten die erwähnten Untoten meist nur am Rand auf, ohne große Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Das sollte sich nun durch Joe Schreibers Debüt im Star Wars-Universum ändern, der dem Kampf gegen einen tödlichen Virus und untote Kreaturen einen ganzen Roman widmet, der ein bisschen wie ein Misch aus bekanntem Star Wars-Material und "Resident Evil" daherkommt. Schreiber betritt somit also Neuland, denn einen wahren Star Wars-Horrorroman hat es bislang noch nie gegeben. Nur verständlich war daher der große Hype, den die Ankündigung dieses Buches auslöste. Und tatsächlich ist Schreiber ein gutes Werk gelungen, das eine sehr düstere Atmosphäre aufkommen lässt, allerdings genretypisch mit einer sehr einfach gestrickten Handlung daherkommt.
Die Grundgerüste der Handlung sind schnell erzählt. Ein Jahr vor der Schlacht um Yavin befindet sich ein Gefangenentransporter des Imperiums - die SÜHNE - auf dem Weg zu einem Gefängnismond. An Bord: zahlreiche Schwerverbrecher, Gesetzlose und Rebellensympathisanten aus der ganzen Galaxis, streng bewacht von imperialen Wachen und Sturmtruppen. Bald erleidet das Schiff jedoch einen irreparablen Triebwerksschaden und treibt antriebslos im Raum. Die einzige Hoffnung: Ein Sternenzerstörer, der scheinbar verlassen in den Tiefen des Weltraums treibt. Schnell wird ein Suchtrupp an Bord des offenbar aufgegebenen Schlachtschiffs gesandt, um Ersatzteile zu organisieren. Diese werden auch gefunden - doch nur die Hälfte des Suchtrupps kehrt zurück Und nicht nur das: Das Team hat sich an Bord des Sternenzerstörers irgendwie mit einer tödlichen Seuche infiziert, die sie auf die Sühne mitbringen. Binnen kurzer Zeit ist der Großteil der Bevölkerung des Gefangenentransporters infiziert und erleidet einen qualvollen Tod. Nur einige wenige sind offenbar immun gegen das Virus und überleben: Schiffärztin Zahara Cody, die beiden jugendlichen Brüder Kale und Trig Longo und der gewalttätige Captain der imperialen Wachen Jareth Sartoris. Und dann sind da auch noch Han Solo und Chewbacca, die ebenfalls auf der Sühne inhaftiert waren. Doch das Grauen ist noch nicht überstanden, denn die Toten ruhen nicht... das Virus hat sie in blutgierige, untote Bestien verwandelt, die Jagd auf alles Leben machen. Es scheint kein Entkommen zu geben...
Wem bei meiner Darstellung der Handlung etwas vertraut vorgekommen wird, der sollte sich nicht wundern: Die Handlung scheint vom Grundprinzip her direkt "Resident Evil" der irgendeinem anderen x-beliebigen Zombie-Film entnommen worden zu sein. Ein Virus, der Untote erzeugt und ein paar Überlebende, die versuchen, aus deren Klauen zu entkommen - Joe Schreiber bleibt dicht bei den Klischees des Genres. Doch wer einen Zombie-Roman bestellt, bekommt auch genau das - auch wenn er im Star Wars-Universum angesiedelt ist. Und tatsächlich enthält Schreibers Werk alles, wovon der Zombie-Fan träumt: Zahlreiche, sogar intelligente Untote, eine düstere und unheimliche Atmosphäre mit nur wenig Auflockerung zwischendurch und jede Menge Blut, Gedärme und ekelhaft detaillierte Beschreibungen. Es ist ein wesentlich unappetitlicheres Star Wars-Universum, in das der Leser hier geführt wird - fließt in den Filmen und in weiten Teilen des EUs nur selten Blut, so wird es hier in Massen vergossen, von gewaltigen zerfledderten Bergen von Leichen und unglaublicher Brutalität berichtet. Nichts für schwache Nerven.
Während die Handlung nicht sonderlich innovativ ist, so wird sie doch spannend vorangetrieben. Gerade die erste Hälfte des Romans hat mir sehr gefallen, in dem zunächst die Hauptfiguren und die Lebensumstände auf der "Sühne" vorgestellt werden und dann langsam mit der Erkundung des Sternenzerstörers und dem Ausbruch der Seuche die Handlung ins Rollen gebracht wird. Hierbei lässt sich Schreiber eine Menge Zeit und überzeugt eher mit bedrohlicher Atmosphäre als mit Splatter. Tatsächlich dauert es fast bis zur Hälfte des Buches, bis der erste Untote auftaucht und das ist der Moment, an dem das Buch für mich stetig an Spannung verlor. Denn nach einigen ersten Begegnungen mit den Zombies stürzt Schreiber seine Helden nur noch von einer alptraumhaften Begegnung zur nächsten, ohne das wirklich etwas passiert. Am Ende wird es dann nochmal spannend, wobei ich den Abschluss dann doch eher enttäuschend fand...
Die Hauptfiguren in "Der Todeskreuzer" sind ebenfalls eher genretyisch: Die gutaussehende, idealistische Medizinerin, die zwar für das Imperium arbeitet, es aber nicht wirklich unterstützt und die mit den Gefangenen eher zurecht kommt als mit den Imperialen; die zwei Brüder, der ältere eher stark und selbstsicher, der jüngere ängstlich und hilflos; der gewalttätige Wachmann... und dann natürlich noch Han und Chewie, die kampferprobten Veteranen. Anfangs fand ich es ein bisschen schade, dass Schreiber darauf bestehen musste, Han und Chewie (die übrigens eher blass bleiben und auch durch zwei x-beliebige andere Figuren hätten ersetzt werden können) in die Handlung zu integrieren, denn diese beiden können als Hauptfiguren der Filme ja nicht ums Leben kommen, was ein wenig die Spannung nimmt. Schreiber untermalt lediglich einmal mehr deren Image als harte Schmuggler mit weichem Kern. Die anderen Figuren sind da schon ein wenig besser getroffen und tiefgründiger, auch wenn diese auch nicht sonderlich komplex sind. Aber dennoch gelingt es dem Autor, dass man eine gewisse Sympathie mit ihnen empfindet und die Gefahren, die sie durchleben, dem Leser nicht gleichgültig sind. Nur so kann ein solcher Roman nämlich funktionieren und das tut er in weiten Teilen durchaus.
Was allerdings die Hintergründe der ganzen Virus-Katastrophe angeht (das, was mich besonders interessierte), wird der Leser mit vagen Andeutungen und schwammigen, unzureichenden Erklärungen zurückgelassen, die zumindest mir nicht ausreichen und stellenweise auch nicht viel Sinn ergeben. Aber vielleicht wollte sich Joe Schreiber ja ein kleines Hintertürchen für eine Fortsetzung lassen - die Voraussetzungen dafür sind definitiv da. Zunächst erwartet Star Wars-Horror-Fans jedoch das Prequel "Red Harvest". Man kann gespannt sein...
Alles in allem ein atmosphärisch gelungener Roman, der die beiden Genres "Star Wars" und "Zombie-Story" relativ gut verbindet und lediglich ein paar der Genre-Schwächen der Zombie-Thematik erleidet, etwa die schwache Story. Unterhaltsam ist es aber auf jeden Fall, auch wenn die zahlreichen Abartigkeiten und die intensive Gewalt wohl eher nichts für jüngere Leser oder solche mit schwachen Nerven ist. Allerdings braucht man , um das Buch zu verstehen, keinerlei andere Star Wars-Bücher gelesen zu haben und ist daher für Neueinsteiger durchaus zu empfehlen.
3,5 von 5 untoten Wookiees.