Zugegeben, der vorliegende Sammelband und die drei darin enthaltenen Werke "Auf Stars' End", "Han Solos Rache" und "Das verlorene Vermächtnis" sind inzwischen sehr stark in die Jahre gekommen... doch das ändert nichts daran, dass der inzwischen verstorbene Autor Brian Daley mit diesem Buch einen wichtigen Teil des damals noch im Entstehen begriffenen "Expanded Universe" geleistet hat. "Han Solos Abenteuer" ist inzwischen zu einer Art Kultbuch und somit zur Pflichtlektüre für jeden Star Wars-Fan und solche, die es werden wollen, avanciert.
Dabei ist die Handlung der drei Einzelbände eigentlich recht einfach gestrickt und in sich geschlossen und dem Leser bieten sich keine galaxisverändernden Ereignisse wie in neueren Star Wars-Buchreihen und auch nicht solch gravierende, wenn auch vom Rest-EU weitgehenst ignorierte drastische Entwicklung wie in Smiths Lando Calrissian-Trilogie. Nein, es handelt sich bei dem vorliegenden Buch lediglich um drei Abenteuergeschichten mit Han Solo, Chewbacca und der Millenium Falcon in deren Zentrum und setzt kurz vor "Eine neue Hoffnung" ein, beschreibt also, welche Abenteuer der Schmuggler Han Solo und sein Copilot Chewabacca erlebten, bevor sie in der Cantina von Mos Eisley auf Tatooine auf Luke Skywalker und Obi-Wan Kenobi trafen. Von den restlichen bekannten Figuren der Star Wars-Filme taucht also niemand auf, lediglich Jabba der Hutt wird gegen Ende hin kurz erwähnt.
Was den äußeren Rahmen angeht, so geht Brian Daley in seiner Han Solo-Trilogie den gleichen Weg wie L. Neil Smith bei seiner Trilogie über Lando Calrissian: Es wird am Rande erwähnt, dass es zu dieser Zeit das Galaktische Imperium unter Imperator Palpatine gibt, allerdings spielt es kaum eine Rolle. Stattdessen entwirft Daley eigene Raumsektoren, die zwar unter der Oberkontrolle des Imperiums stehen, sich aber größtenteils selbst verwalten und daher eigene Charakteristiken haben. So kann sich Daley zwar der Helden des Star Wars-Universums bedienen, jedoch durch die Schaffung der Tion-Hegemonie und des Kommerzsektors, in denen sich diese Helden bewegen, ein eigenes kleines Universum in der großen übergeordneten Star Wars-Galaxis schaffen. Die beiden Regionen fügen sich allerdings sehr gut in das bekannte Star Wars-Universum ein: Der Kommerz-Sektor ist ein großer Wirtschafts-Sektor, der zahlreiche unbewohnte Welten umfasst und diese ausbeutet und die Tion-Hegemonie ein abgelegenen Sektor außerhalb der imperialen Interessen, der von Schmugglern und Gaunern kontrolliert wird.
Zu den drei Geschichten kurz ein paar einleitende Worte:
AUF STARS' END: Han Solo und Chewbacca tun im Kommerzsektor das, was sie am Besten können: Schmuggel und dubiosen Geschäften nachgehen. Als ihr Raumfrachter, die Millenium Falcon, jedoch in einem Kampf mit der Sektorverwaltung beschödigt wird und zudem keine Zulassungen für ihre Modifikationen verfügt, sehen sich die beiden Freunde gezwungen, eine alte Freundin namens Jessa aufzusuchen, die eine illegale Raumwerft betreibt. Diese bietet ihnen einen Handel an: Sie wird die Millenium Falcon entsprechend ausrüsten, wenn Han und Chewie die beiden Droiden Bollux und Blue Max, einen modifizierten Arbeitsdroiden und eine Computersonde, zu einem Team bringen, dass nach von der Kommerzsektorbehörde offensichtlich entführten und daher spurlos verschwundenen Leuten fandet. Begleitet von den beiden Droiden brechen Han und Chewie auf... doch als während des Einsatzes Chewbacca ebenfalls entführt wird, muss Han sein Bestes geben, um seinen treuen Gefährten zu retten.
DIE RACHE: Han und Chewie im Pech. Durch einige verpatzte Schmuggelaktionen sind die beiden Schmuggler beinahe pleite. Dieser Umstand zwingt sie dazu ein dubioses aber gewinnversprechendes Angebot eines Mannes namens Zlarb anzunehmen. Als die beiden jedoch herausfinden, dass es sich dabei um den Schmuggel von Sklaven handelt, sehen die beiden rot, denn Sklavenhandel ist etwas, das weder Han Solo, noch der ehemalige Sklave Chewbacca sonderlich leiden können. Beim anschließenden Widerstand kommen sie nur knapp mit dem Leben davon und Han schwört finster Rache. Er plant, die Verantwortlichen hinter dem Sklavenhandel, der anscheinend von kriminellen Subjekten innerhalb der Kommerzsektorbehörde selbst ausgeht, zu finden, bloßzustellen und von ihnen die 10.000 Credits einzutreiben, die er für die Schmuggelaktion bekommen hätte. Begleitet von den Droiden Bollux und Blue Max, die dauerhaft auf der Millenium Falcon angeheuert haben, sowie der Beamtin Fiolla, die ebenfalls hinter den verantwortlichen Sklavenhändlern her ist, und dem Inkasso-Agenten Spray, der eigentlich nur bei Han und Chewie Schulden eintreiben möchte, machen unsere Helden sich auf die Jagd...
DAS VERLORENE VERMÄCHTNIS: Nach den letzten Ereignissen sind Han und Chewbacca aus dem Kommerz-Sektor geflohen und haben sich in die Tion-Hegemonie geflüchtet. Doch das Pech folgt ihnen: Die Gewinne aus dem letzten Abenteuer sind bereits verprasst oder bei gescheiterten Schmuggel-Aktionen verloren und zudem ist Han nun der Revolverheld Gallandro auf den Fersen. Doch da naht ein Hoffnungsschimmer: Hans alter Freund Badure tritt an ihn heran und behauptet, Hinweise auf den Aufenthaltsort der Queen of Ranroon zu haben, eines Schiffes, das in vorrepublikanischer Zeit gewaltige Reichtümer für Xim den Despoten transportierte. Zusammen mit Bollux und Blue Max, Badure und seiner Partnerin Hasti sowie dem Historiker Skynx beginnt die Schatzsuche... doch auch Bergwerksbesitzerin J'uoch und ihre Schergen sind hinter dem großartigen Schatz her...
Die Beschreibungen zeigen noch einmal, dass es sich bei den drei Geschichten (ähnlich wie bei Smiths Calrissian-Trilogie) lediglich um kurze Episoden aus Han Solos Leben handelt... ein biographischer Abriss seines Lebens wird nicht dargestellt und nur hier und da blitzen kleine Erwähnungen von Hans nebulöser Vergangenheit auf. Wer eine gesamtbiographische Darstellung zu Han Solo sucht und wie er zu dem aus den Filmen bekannten, rauhbeinigen Schmuggler wurde, der er in diesem Buch bereits ist, sollte sich eher A.C. Crispins "zweite" Han Solo-Trilogie vornehmen. Was dieses Buch jedoch bietet, ist Han Solo pur: Sarkastisch, geldgierig und immer eher schießend als verhandelnd wird genau das gleiche Feeling erzeugt wie einst in "Eine neue Hoffnung". Dabei spielt Brian Daley ständig mit dem Bild des harten, unmoralischen Schmugglers mit dem weichen Kern.
Auch Chewbacca wird sehr gut getroffen und die gegenseitige Freundschaft und Treue zwischen ihm und seinem menschlichen Freund, die sich öfters mal in verbalen Streiterein ergeht, ist sehr gut dargestellt. Wie in den Filmen wird deutlich, dass diese beiden schon eine Menge zusammen durchgemacht haben und sich jederzeit vertrauen können. Neben den von Geschichte zu Geschichte wechselnden Begleitern der beiden, werden ihnen für die Dauer der Trilogie auch zwei Droiden zur Seite gestellt: Bollux und Blue Max. In ihrer Beschaffenheit gänzlich unterschiedliche Droiden als Begleitung für die Hauptfiguren einzusetzen, war bereits in "Eine neue Hoffnung" ein Erfolgsrezept und so sind die beiden Figuren ein charakteristischer, wichtiger und stellenweise höchst unterhaltsamer Bestandteil dieses Buches. Sie sind es auch, die als eine Art übergreifendes Element der sonst größtenteils unabhängig voneinander stehenden Einzelbücher dienen.
Was bei Brian Daley ein wenig vernachlässigt wird sind jedoch die Schurken, die mit Ausnahme des sehr beeindruckend und übermächtig dargestellten Revolverhelden Gallandro, eher austauschbar wirken. Gallandro hingegen ist ein Star Wars-Schurke mit Format, der auch gut in einen Western gepasst hätte und mit seinen überragenden Fähigkeiten unsere Helden mehr als einmal ins Schwitzen bringt.
Auch der Stil, in dem Daley schreibt ist etwas eigen, man gewöhnt sich jedoch schnell daran. Einziger wahrer Nachteil des Buches ist, dass es stellenweise doch einige Längen hat. Der Autor hat viel Wert auf Action-Szenen gelegt und verliert sich gelegentlich im Beschreiben von Verfolgungsjagden und Kämpfen, die oft wie Lückenfüller wirken, um die Geschichte ein bisschen zu dehnen. Da der Ausgang jener Action-Sequenzen, die es fast in jedem Kapitel gibt, meist ohnehin klar ist (da Han und Chewbacca natürlich überleben müssen) wünscht man sich manchmal, Daley würde sich ein bisschen mehr auf die Handlung konzentrieren, als die Seiten mit turbulenter Action zu füllen.
Ansonsten aber ein wirklich gutes Buch, das eigentlich zur Grundlektüre des Star Wars-EU zählt. Da man keinerlei Vorkenntnisse für dieses Buch braucht, ist es auch für Einsteiger in die Bücherwelt des Star Wars-Universums sehr gut geeignet (vor allem, da die hier eingeführten (Neben-)Figuren in zahlreichen anderen Romanen anderer Autoren verwendet werden). Wegen einiger Spannungstiefs, durch die ich mich durchquälen musste, gibt es jedoch einen Punkt Abzug.
4 von 5 stark modifizierten Raumfrachtern