Kaum haben Nuru Kungurama und seine Klon-Freunde ihr erstes gemeinsames Abenteuer überstanden hält der oberste Kanzler bereits eine neue Mission für sie bereit. Eine Abgesandte der mysteriösen Spezies der Chiss hat Kontakt zur Republik aufgenommen und um ein Treffen gebeten. Obwohl Nurus Meister immer noch verschollen ist entschließen Meister Yoda und Kanzler Palpatine jedoch den jungen Jedi Padawan zu entsenden, schlicht weil er selbst ein Chiss ist. Mit der Schmugglerin Lalo Gunn und den Klonen bricht Nuru richtung Csilla auf, doch die Begegnung mit Aristocra Sev'eere'nuruodo (Veeren) gestaltet sich als kurz, denn die Chiss sind weder mit diplomatischen Beziehungen zur Republik, noch Count Dookus Separatisten interessierten, sie sprechen nur eine Warnung an beide Seiten aus, die Grenzen des Chiss-Raums nicht zu verletzen, ansonsten seien die Klonkriege ihre geringste Sorge. Doch als Nuru mit dieser Botschaft in republikanischen Raum zurückkehren will fängt sie eine Flotte der Separatisten ab, nicht zufällig unter dem Kommando Aufseher Umbrags. Bei der hastigen Flucht landen Nuru, Lalo und die Klone jedoch in noch größerer Gefahr, einem Piratennest...
Schon in BREAKOUT TEAM legte Ryder Windham das Fundament für Enthüllungen um Nuru Kungurama, die den pflichtbewussten Jedi Padawan unter seinen Altersgenossen auf einmalige Weise herausheben dürften. In Band 1 hielt Windham jedoch noch dicht, ehe er Nuru nun kurzfristig in direkten Kontakt mit seinem Volk bringt. Mit dieser Begegnung erfährt man endlich etwas mehr darüber wie Nuru einst von den Jedi entdeckt wurde, immerhin leben die Chiss fast hermetisch von allen anderen Fraktionen und Spezies abgeriegelt in einer gänzlich unbekannten Region der Galaxis. Lobenswert zu erwähnen ist dass Windham durchaus besonnen mit seiner Darstellung der Chiss umgeht und sie stark im Dunkeln, ist das doch eine Thematik die durch Timothy Zahns legendäre Thrawn Trilogie samt Folgewerken emotional derart aufgeladen ist, das auf die etablierte Kontinuität schielende Leser es nur schwer akzeptieren würden, wenn die Chiss ähnlich den Mandalorianern zu Pazifisten umgedichtet werden oder noch schlimmer, Thrawn in irgendwelcher Weise entweder als separatistischer Überläufer oder aufmupfender Nicht-so-friedlicher Vertreter seiner Spezies auftreten würde, nur um auch in The Clone Wars verewigt zu sein. Bei Windham bleiben die Chiss zumindest "noch" eher schattenhaft und fern, auch wenn Nurus Chiss-Erbe in späteren Romanen der IN GEHEIMER MISSION-Reihe noch eine wichtigere Rolle spielen wird.
Das kurze Aufeinandertreffen mit den Chiss gehört jedoch nur zu einem der die Haupthandlung endlich vorantreibenden Elemente. PIRATENFLUCH verrät schon früh dass Cad Bane etwa nicht der einzige Spion der Separatisten auf Kynachi war und Asajj Ventress einen wichtigen Gefangenen machen konnte, der sogleich dazu bestimmt ist schon bald eine wichtige Rolle in Darth Sidious und Count Dookus Doppelspiel mit den Jedi einnehmen wird. Dabei deutet Windham an dass Cad Bane ähnlich Jango Fetts zu den wenigen gehören könnte, die Dookus und Sidious Verschwörung zumindest in Ansätzen durchschaut haben. Ein Gastauftritt von Bossk, die Verbindung zu den Chiss, ein Sternentempel der Kwa, Ryder Windham gibt sich mit PIRATENFLUCH größte Mühe den zweiten Roman seiner The Clone Wars-Reihe in das Erweiterte Universum einzuweben.
Vom Stil her tritt in PIRATENFLUCH auch Ryder Windhams Erzählschema (mit seinen erzählen Biografien großer Star Wars-Charaktere hat er bisher für überragende Enttäuschungserlebnisse gesorgt) deutlicher zu Tage. Zum Anfang und zum Ende Anknüpfungen an die Rahmenhandlung, die wenn auch nicht absolut berauschend doch den Rest übertreffend spannend geraten ist und zwischendrin ein Plot, der nur der Ablenkung dienen soll. Das Problem, nach Jude Watson, Elizabeth Hand und Terry Bisson scheint auch Ryder Windham das Etikett Jugendbuch als Entschuldigung für erzähltechnische Einfallslosigkeit und Übersimplifizierung zu nutzen. Dabei haben "Jugendbücher" wie Harry Potter doch schon zur Genüge bewiesen dass eine gute Inszenierung unabhängig von der ursprünglichen Zielgruppe erfolgreich sein kann. Aber Star Wars, da scheinen sich die Verlage auch mit suboptimaler Dutzendware zufriedenzugeben. Soviel zum Frust, der sich daraus nährt dass Windham Nurus Begegnung mit den verfluchten Piraten konsequent zu einem vorhersehbaren Ende führt. Es geschieht was geschehen muss und selbst wenn sich plötzlich ein vernünftiger Gedanke bei den Protagonisten einschleicht, ob es vielleicht keine allzu brillante Idee sein könnte, einen 12jährigen als Botschafter zu einer unbekannten Spezies zu schicken, nur weil er sprichwörtlich die gleiche Hautfarbe hat, bleibt das ohne Folgen - ein tragikomischer Abklatsch Palpatines Fähigkeit immer wieder seinen Favoriten Anakin Skywalker mit wichtigen Missionen zu betrauen. Wäre Nuru ein ernsthafter musterschülerartiger Teen wie Ferus Olin in Jedi Padawan, man würde ihm seine Rolle als Anführer und unabhängiger Charakter eher abnehmen, auch seine Alien-Herkunft in Richtung früherer Reife zu deuten wäre ein Ansatz, den Ryder Windham jedoch nicht verfolgt. Charakterzeichnung, selbst solche wie sie eine Jude Watson in Jedi Quest verfolgt hat, erhält bei Windham nur sehr geringen Stellenwert beigemessen.
- Resümee -
PIRATENFLUCH ist vor allem eines - Füllmaterial, für eine bereits etablierte doch unnötig hinausgeschobene Rahmenhandlung, die mit Count Dooku, Asajj Ventress und der Involvierung Darth Sidious alles zu bieten hätte IN GEHEIMER MISSION schon bald einen Glanzpunkt zu verschaffen. Die Begegnung mit den Chiss ist kurz, auch das nur ein Vorspiel für Kommendes. Das Problem, Star Wars Jugendbuchreihen haben sich in den letzten Jahren oft nicht sehr lange gehalten und wurden des Öfteren nach wenigen Bänden mit einem überhasteten Finale bereits eingestellt, da wäre es aus Sicht der Leser bereits besser man würde auf Füllmaterial verzichten.