Schon komisch. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen an diesem Punkt der Wächter der Macht-Reihe mal eine Art Exempel zu statuieren, mal so richtig über die dem Grundkonstrukt innewohnenden Schwächen herzuziehen... freilich, ich werde es trotzdem tun, doch an Aaron Allstons "Zorn" sind die Bemühungen eigentlich verschwendet. "Zorn" ist nämlich ein gutes Buch, ein spannendes und temporeiches, eines das uns dem schon jetzt ersehnten Ende wieder einen Schritt näher bringt... aber was soll's:
Der Wächter der Macht-Plot ist, das wurde schnell deutlich, ein am Reißbrett entstandener, schon in seiner stumpfsinnig starren Einteilung unter den drei Autoren der Reihe, Allston, Traviss und Denning, missglückter Versuch, die Prequels und damit die Sith wieder auferstehen zu lassen, sie aber in den sehr von NJO (New Jedi Order = Erbe der Jedi-Ritter) geprägten Zeitgeist und die Nachwirkungen der Ereignisse rund ums Dunkle Nest mit einzuweben. Das Problem ist: Jacen, alias Caedus, ist weder Sidious noch Vader, bzw. Anakin, der zweite Galatische Bürgerkrieg ist qualitativ nicht das gleiche wie die Klonkriege, der neue Jedi-Orden hat nicht das Format des alten usw. usw. Der Krieg wird aus reiner Zweckmäßigkeit vom Zaun gebrochen, Jacen wendet sich der dunklen Seite zu, weil es eben so sein muss; aber glaubhafte Erklärungen sind rar. Die Next Generation der Jedi bleibt blass, Hauptprotagonisten des EU werden lieblos dahinge"Opfer"t, politische Zusammenhänge bleiben, wenn überhaupt, blass. Dem Konflikt fehlt jegliche Epik, sein Ende ist ohne Belang, denn wer gewinnt ist letztlich gehopst wie gesprungen: keine der beiden Kriegsparteien ist besser als die andere, denn die Konföderation (warum nicht gleich KUS nennen?) ist nicht wirklich "böse", eher gesichtslos und Senat der GA lässt sich aushebeln wie ein endorianisches Dorfparlament. Damit nicht genug, denn auch die Autoren bekleckern sich nicht mit Ruhm:
-bislang sind wenigstens 4 von 7 Büchern zu lang...
-...und dementsprechend zäh;
-jeder muss unbedingt seinen eigenen Nebenplot durchboxen, weil...
-..., ja warum eigentlich? Diese sind bestenfalls nebensächlich, schlimmstenfalls extrem nervig;
-sie gehen nicht aufeinander ein...
Das ganze ließe sich noch eine ganze Zeit fortsetzten, aber das spare ich mir für mein Abschlussfazit, wenn der "Sieg", von Troy Denning endlich in trockene Tücher gebracht wurde. Die Erinnerung mag nostalgisch verfärbt sein, aber mir scheint, man habe bei NJO so ziemlich alles besser gemacht.
Allston gelingt es hier mit seinem Buch allerdings erstaunlich gut diese Klippen zu umschiffen. Teil 7 setzt da an, wo Denning aufgehört hat, "Inferno" klingt ab, Kashyyyk leckt seine Wunden. Während die Solos bei den Löscharbeiten helfen, erscheint im Falke plötzlich Alema wie aus dem Nichts. Zu allem Überfluss scheint sie ihre Deformationen losgeworden zu sein und verschwindet nach einem kurzen Kampf spurlos. Nachdem sich die Jedi nun endlich von der GA abgewandt haben, beziehen sie auf Endor Quartier. Luke hängt seinem Kampf mit Jacen und Bens Beharren diesen töten zu wollen nach, während Jacen, noch vom beinahe tödlichen Kampf geschwächt, neue - heimtückische - Pläne ersinnt, um die aus der GA ausgetretenen Hapaner ins Boot zurückzuholen. Unterdessen wird der Krieg immer erbitterter und schließlich entsinnen die Jedi einen Plan um Jacen, jetzt Caedus, aufzuhalten.
Auch seinen Handlungsstrang um Wedge Antilles und die Corellianer setzt der Altmeister fort nachdem er ihn in "Exil" hatte ruhen lassen; er lässt Jaina auftauen, führt Troy Dennings Alema-Plot zu Ende... kurz: "Zorn" ist ein echter Allston.
Zwar wird der Gesamtplot qualitativ nicht wirklich weiterentwickelt - es geschieht nichts, oder nicht viel Entscheidendes - , aber intensiv und ereignisreich, stellenweise fast atemlos, ist der siebte Wächter der Macht dennoch. Das Erzähltempo ist hoch, die Sprünge zwischen den diversen, wie immer gut miteinander verknüpften, Handlungssträngen häufig, die sprachliche Gestaltung zwar nicht spektakulär, aber handwerklich solide. Mit seinen für ein LotF-Buch recht durchschnittlichen 440 Seiten kommt "Zorn" zudem der gähnenden Langeweile eines typischen Traviss zuvor und bietet Allston dennoch genug Raum um wenigstens vier echte Spannungshöhepunkte zu konstruieren. Das es ihm gelingt diese Spannung zu erzeugen liegt nicht zuletzt daran, dass er sich hier wieder etwas mehr auf seine Stärken - heißt: augenzwinkernder Humor, epische Schlachten, jede Menge Sternjäger-Action etc. - besinnt und etwas mehr Abstand von den Spielereien mit Machtphilosophien etc. nimmt, von denen er, die Erfahrung hat's gezeigt, ebenso wenig versteht wie seine beiden Mitstreiter. Erwähnenswert - und lobenswert - ist außerdem sein Versuch auf die teils harsche Kritik vieler Fans scheinbar beiläufig einzugehen - so geschehen auf Seite 15: "Er hatte konspiriert, gefoltert, betrogen, gemordet, und das alles mit einer Überzeugung von der Richtigkeit seiner Sache, die der eines Geisteskranken gleichkam."
Mein Reden! Eine bessere Beschreibung der Persönlichkeit Darth Caedus habe ich in dieser Reihe noch nicht gelesen. Auch sonst gelingt es Allston stellenweise ganz ordentlich die Blutleere vieler Protagonisten zumindest zu übertünchen oder diese sogar - wie im Fall der Jaina-Zekk-Jag-Konstellation geschehen - ein Stück weit zu beseitigen. "Stellenweise" und "ein Stück weit" wohl gemerkt, denn der Knackpunkt bleiben die Charakterisationen dennoch. Eben schon erwähnter Caedus kommt dabei in meinen Augen noch recht gut weg, lässt er doch die dämlichen Selbstzweifel und unglaubwürdigen Gewissenskonflikte endlich hinter sich und wird nunmehr zu einem zwar eindimensionalen aber immerhin nicht störenden Bösewicht wie es sie schon oft genug gab und immer wieder geben wird. Beliebiges Gequassel über das Wohl der Galaxis konnte man sich der Kontinuität innerhalb der Reihe zu liebe zwar wieder nicht vollends verkneifen, doch haben die meisten Charaktere jetzt scheinbar ihren Platz gefunden um nun endlich das Finale einläuten zu können: Die Jedi zeigen immerhin ein solides Grundmaß an Initiative, Luke und Ben knüpfen in etwa dort an wo wir sie in "Inferno" zurückgelassen hatten, Wedge und seine Tochter Syal werden wieder an Bord geholt und die Solos bleiben uns als nostalgische Dekoration erhalten. Nur die Alt-Rebellen fallen teilweise etwas aus der Rolle. Mir sprang da besonders Tycho ins Auge, der wie ein pflichtfanatischer Mitläufer seine besten Freunde ohne zu zögern und als hätte man ihm mit einer Gehirnwäsche die Erinnerung an seinen eigenen Kampf gegen den letzten Diktator ausgetrieben, dem Palpatine-Gedächtnis-Diktator ausliefert.
Schlussendlich bleibt aber auch - vielleicht sogar vor allem - die beruhigende Erkenntnis: zwei Bücher noch, dann ist es geschafft und wir können auf die nächsten Projekte hoffen... und wer weiß, vielleicht bescheren uns Karen und /oder Troy ja auch noch eine positive Überraschung.
Fazit:
Eines der besseren, weil tempo -und actionreichereren Bücher der Reihe.