Viele bezeichnen "The Approaching Storm" wie der Roman im Originaltitel heißt als Lückenfüller und unnötigen Teil des Erweiterten Universums der Star Wars Saga. Unter diesem Voreindruck griff ich nach dem Buch und schon nach den ersten Kapiteln legte ich es wenig beeindruckt wieder zur Seite, um mich anderen Büchern zu widmen. Als diese mir ausgingen, griff ich wieder zu "Ein Sturm zieht auf", las erneut und war dann doch sehr überrascht, was Foster aus Mace Windus beiläufiger Bemerkung aus Episode 2, dass Obi-Wan und Anakin gerade von einem Grenzkonflikt auf Ansion zurückgekehrt seien, gemacht hat
Kurz zur Handlung: Wir befinden uns unmittelbar vor den Geschehnissen aus Episode 2: Angriff der Klonkrieger und die Schatten der Separatistenbewegung sind bereits deutlich zu spüren, obwohl deren Führer und Verbündete sich weiterhin im Verborgenen halten. Shu Mai, Präsidentin der Handelsgilde, die durch ein paar kurze Auftritte in Episode 2 und 3 bekannt ist, schmiedet mit mehreren verschwörern einen Plan, um die Republik weiter auf den Weg des Zerfalls vorzubereiten. Dreh- und Angelpunkt ist der Planet Ansion, der an sich vollkommen unbedeutend ist, jedoch durch mehrere Bündnisse mit unzähligen anderen Planeten verbunden ist. Ein Austritt Ansions aus der Republik würde bedeuten, dass all diese anderen Planeten folgen und die Regierung des Planeten, auch Einheit der Städter genannt, ist aufgrund ihrer andauernden Konflikte mit den wilden Alwari-Nomaden ihrer Prärie und dem Mangel an Unterstützung der Republik auch durchaus gewillt diesen Austritt zu wagen. Shu Mai bedient sich des Hutt-Geschäftsmannes Soerg und dessen Diener Ogomoor, um diese Entwicklung voranzutreiben. Doch auch die Jedi haben von der Bedeutsamkeit Ansions erfahren und entsenden Obi-Wan Kenobi und Luminara Unduli zusammen mit ihren Padawan-Schülern Bariss Offee und Anakin Skywalker, um den Konflikt zwischen Städtern und Alwari beizulegen und so den Austritt Ansions aus der republik zu verhindern...
Sicher, Alan Dean Foster, der in Star Wars-Kreisen für das umstrittene Werk "Skywalkers Rückkehr" bekannt ist, geht sehr sparsam mit dem Gebrauch von Action um, Kampfhandlungen größerer Natur werden meistens sehr schnell abgearbeitet und in vielerlei Hinsicht unterscheidet sich "Ein Sturm zieht auf" daher von anderen Star Wars Romanen. Doch gerade das ist das Bemerkenswerte. Fosters Geschichte und sein Schreibstil lassen den Leser vergessen, dass es sich hier um ein Science-Fiction-Werk handelt, stattdessen fühlt man sich eher wie in einer antiken Heldensage, in der der Held eine lange Reise auf sich nimmt, auf der er gegen Ungeheuer, feindliche Stämme und das Wetter anzukämpfen hat.
Denn um wenig anderes geht es im Roman: Die Jedi kommen an, erhalten ihre Aufgabe und machen sich auf den Weg, um sich mit dem Alwari-Hauptstamm Borokii zu treffen. Der größte Teil des Buches handelt so von den Widrigkeiten, die ihnen auf der Reise dorthin begegnen. Das scheint tatsächlich ziemlich trivial zu sein, hat mir aber dennoch Freude bereitet, denn anders als viele andere Star wars-Autoren hat sich Foster sehr viel Mühe gegeben, den Planeten Ansion und alles Leben darin auszuarbeiten. Die Lebensweise der Städter und der Alwari-Nomaden, die unterschiede innerhalb der Alwari-Stämme wie die Lebensweise der Qulun, der Yiwa, der Borokii und der Gwurran, Flora und fauna... man findet sich in einer Welt wieder, die man detailliert und schlüssig erklärt bekommt und die vor dem Auge des Lesers wunderbar lebendig und realistisch wirkt.
Zusätzlich dazu kommen wunderbare Momente, wie die Prüfung der Yiwa, die darin besteht, dass die Jedi ihre Gastgeber für einen Abend unterhalten müssen. Dieses lange Kapitel erinnert an große Helden-Epen wie "Herr der Ringe" oder Homers Odyssee. Einfach herrlich für jemanden, der so etwas mag.
Mal abgesehen davon gibt es auch einige für eingefleischte Star Wars-Fans sehr interessante Aspekte. So wird mehr Licht auf die bis dato eher unbekannten Charaktere Bariss Offee und Luminara Unduli gelegt, die beide in Fosters Erzählung eine etwas dominantere Rolle einnehmen als die allseits bekannten Helden Obi-Wan und Anakin. Und dennoch gelingt es Foster meisterhaft, Anakins innere Konflikte immer wieder an die Oberfläche zu bringen und enthüllt vieles über Anakins Getriebensein, seine Sehnsucht nach seiner Mutter und sein Konflikt zwischen unglaublichem Potenzial und innerer Zerissenheit. Genauso werden die Zweifel und Hoffnungen der anderen Jedi Anakin betreffend deutlich und auch einige Grundsatzdiskussionen über die bürokraitsche Natur der Republik finden sich hier. Augenzwinkernde Andeutungen über Zweifel an Yodas Schwertkunst finden sich ebenfalls ;) Und nebenbei handelt der Roman noch viel von der Kraft der Heilung, der Vergebung und der Toleranz.
Mit Shu Mai wurde auch ein eher unbeladener Star Wars-Bösewicht mehr beleuchtet und ihre Rolle im Geflecht der Separatisten deutlich. Die Darstellung des untergebenen Bösewichts (der wie so oft mal wieder ein Hutt ist), gefiel mir auch sehr. Und natürlich hockt im Hintergrund mindestens ein dunkler Lord, der die Ereignisse so lenkt, wie er sie gerne hätte.
Natürlci hgibt es auch durchaus Kritikpunkte (so einfach ists ja dann doch nicht ;)) Auch ich muss gestehen, dass ich nach der zehnten neu eingeführten auf Ansion einheimischen Lebensform auch irgendwann die geduld mit Mr.Foster verlor, der schon in "Skywalkers Rückkehr" dazu neigte, die Helden mit einer Vielzahl tierischen Lebens zu konfrontieren. Und während er sich während der langen Reise der Jedi durch die Prärie von Ansion unendlich viel Zeit lässt und alles genau und detailliert ausarbeitet, wirkt das lang erwartete Ende so als wären Foster plötzlich die seiten ausgegangen und binnen 50 Seiten ist alles gelaufen, wofür man 200 Seiten lang durch die Pampa gependelt ist. Ein paar mehr Erläuterungen am Ende und ein Tierangriff weniger in der Mitte wären sicherlich nicht das schlechteste gewesen ;)
Ich kann verstehen, dass viele Fans "Ein Sturm zieht auf" eher belächeln, denn die Action ist nicht so ausgeprägt wie in einem der Bane-Romane, die Story nicht so verzweigt wie in Timothy Zahns Werken, doch für mich steht Fosters Beitrag zum Star Wars-Universum mehr in der Tradition von alten Fantasy- und Heldensagen, die durchaus einen Platz im Star Wars Bücherregal verdient haben.
3,5 bis 4 Prärie-Tiere gibt es von mir.