Über 30 Jahre sind seit dem Veröffentlichung von Episode IV vergangen, doch erst jetzt wurde mit "Macht des Todessterns" (im Original Death Star) das erste Buch über die Geburt dieser Kampfstation vorgelegt. Diese Aufgabe wurde jedoch nicht irgendwem anvertraut sondern dem Autoren-Duo Michael Reaves (Darth Maul - Schattenjärger) und Steve Perry (Schatten des Imperiums), die zuletzt mit der kultigen und irgendwie an die Serie MASH erinnernden Medstar-Duologie für Begeisterung unter den Fans des Expanded Universe gesorgt haben.
Die Handlung von Death Star beginnt noch während der Bauarbeiten, also einige Jahre vor Episode IV, als die Rebellion zu einem galaxisweiten Problem heranwuchs. Um die lokalen Aufstände möglichst einzugrenzen und die Rebellen ein für allemal auszumerzen hat der Imperator Grand Moff Tarkin damit beauftragt das gigantische Bauprojekt umzusetzen. Basierend auf Technologien des geheimen "Schlund-Zentrums" und modifizierten Plänen Raith Sienars sowie der Geonosianer, entsteht im Orbit des Gefängnisplaneten das was später einmal der Todesstern werden sollte. Doch immer wieder stören Anschläge und logistische Probleme die Bauarbeiten, so dass der Imperator bereits Lord Vader entsandt hat, um Tarkin unter Druck zu setzen.
Doch neben den hohen Tieren und fanatischen Anhängern der Tarkin-Doktrin (Herrschaft durch Furcht) sind auch zahlreiche Opportunisten, Strafgefangene, Zwangsrekrutierte und Karriereoffiziere an dem gigantischen Projekt beteiligt. So trifft man auch wieder auf den Chirurgen Kornell "Uli" Divini, der nach den Klonkriegen immer noch im Dienste des Imperiums steht und sich eigentlich nichts sehnlicher wünscht als in ein ziviles Leben zurückzukehren, während etwa der TIE-Jäger-Pilot Lieutenant-Commander Villian "Vil" Dance hofft als Staffelführer auf die Kampfstation versetzt zu werden. Viele sehr unterschiedliche Personen und ihre Schicksale sehen sich in den ersten und letzten Tagen des Todessterns durch das Schicksal oder die Macht plötzlich miteinander verbunden...
Dass spätestens die Vernichtung Alderaans auch viele "überzeugte" Imperiale dazu bringt ihren Standpunkt zu überdenken, ist nicht verwunderlich, trotzdem darf man davon ausgehen, dass das Finale grande von "Macht des Todessterns" alles andere als vorhersehbar ist, sind es doch vor allem die Schicksale dieser kleinen Leute die beleuchtet werden. Zusammen ergibt dieses Mosaik von Einzelschicksalen ein Bild, das größer ist als seine Teile und die Möglichkeit eröffnet, dass einige offene Enden der Geschichte eines Tages wohl wieder aufgegriffen werden.
Das wirklich faszinierende an Macht des Todessterns ist jedoch nicht alleine die Darstellung der imperialen Sichtweise, wie durch Grand Moff Tarkin, sondern die sehr unterschiedlichen Standpunkte jener Leute die auf dem Todesstern ihren Dienst versehen sollten. Wie schon in der Medstar-Duologie gelingt es dem Autorenduo da trotz des markanten Mangels an Actionszenen sehr viel wieder gut zu machen, da der Erzählstil trotzdem sehr flüssig und spannend bleibt. Mit einer gehörigen Portion Ironie versehen sind die Charaktere von Macht des Todessterns alles andere als flach und "typisch".
Ganz wie schon bei Medstar vermitteln die Autoren einen anderen Zugang zu Star Wars und enthüllen endlich neue Einsichten in Bau und Gestaltung der ultimativen Superwaffe, wie auch einer premierenhaften erstmaligen Darstellung von Grand Moff Tarkin, der ja bisher sogar ziemlich unbeleuchtet geblieben ist.
Fazit:
Eine erfrischende Abwechslung zu den Skywalkerschen Heldendramen und geradezu ein Muss für Fans der Medstar-Duologie.