Die Frage was ich, 19, eigentlich im Jahre 2012 von einem Star Wars-Roman erwarte verdient mehr Beachtung als ich ihr an dieser Stelle einräumen kann, lässt sich aber verkürzt so beantworten: ich erwarte unterhalten zu werden. Das ist eine gerne bemühte Floskel, viel steckt aber nicht dahinter. Nicht die Neuerfindung des Rades, nur die weitgehende Abwesenheit von Längen und Ödnis, nicht der stilistische Höhenflug, nur ein Mindestmaß an Kreativität und Präzision, kein Feuerwerk, sondern ein oder zwei Schmunzler, oder vielleicht ein spannendes Finale oder eine tolle Hauptfigur. Wie ein Autor oder eine Autorin dies bewerkstelligt, sei ihm oder ihr selbst überlassen' - es führen viele, oft sehr gegensätzliche Wege nach Rom.
Auch auf die Frage was ich von diesem Werk, mit Namen 'Knight Errant', erwartet habe gibt es eine bis zur Bedeutungslosigkeit simple Antwort: mehr. Vom besten Roman der letzten Jahre und der Rückkehr zum Essenz des Kriegs der Sterne war die Rede. Leider konnte John Jackson Millers Roman-Erstling weder das eine noch das andere für mich werden ' wenngleich ich wirklich versucht habe, ihn zu mögen. Wie viel mehr ich zu hoffen wagte ist indes schwer zu sagen'
Die Geschichte der fahrenden Ritterin Kerra Holt ist schnell erzählt: 1032 VSY, im dunklen Zeitalter der Republik, strandet die junge Jedi im Daimanat, einem von vielen kleinen Reichen im Sith-Raum - auf sich allein gestellt, aber entschlossen den Sith die Stirn zu bieten. Eben das tut sie nun auch, während die Ereignisse sie von einem durchgeknallten Sith-Reich ins nächste spülen. Dieser Spülgang hat eine Dauer von nicht weniger als 505 Seiten, ist aber zerhackstückelt in drei weitgehend autonome Abschnitte und ohne echten Spannungsbogen. Der Plot ist zudem, so viel sei verraten, ohne Pointe, eher ein Aufhänger denn tragendes Element. Tragende Elemente sind vielmehr die handelnden Figuren selbst und die mit viel Hingabe entworfene düstere Welt der narzisstischen Sith-Lords. Zunächst geht dieses Konzept auch auf: sowohl die Ära und das Setting als solche, als auch die zunächst eingeführten Protagonisten ' der bothanische Spion Narsk und unsere Heldin Kerra ' punkten mit ihrer Unverbrauchtheit, profitieren vom Reiz des Unbekannten, zumal der Bothaner auch im weiteren Verlauf ein undurchschaubarer Aktivposten bleibt. Doch auch die unkonventionelle, stoische Kerra erfrischt anfangs mit ihrer etwas unterkühlten, wortkargen, aber entschlossenen Art ' und eine ordentliche Speeder-Verfolgungsjagd hat schließlich auch noch nie geschadet. Doch von hier an ' wir sind gerade erst auf Seite 50 - verpufft die Wirkung mehr und mehr, bis aus Höhepunkten sanfte Hügel werden, während sich die Helden ' zu ihnen gesellte sich zwischenzeitlich der sensationell vorhersehbare, freischaffende Brigadier Rusher ' in sich endlos im Kreis drehenden quasi-Monologen verbrauchen und die verrückten, aber wenigstens nachvollziehbar-verabscheuungswürdigen Sith durch sabbernde Kinder ersetzt werden, deren Funktion für die Geschichte rätselhaft bleibt. Die Dilemmata der holden Kerra und ihrer Mitstreiter(?) werden erkannt, aber Miller kommt einfach nicht auf den Punkt ' und das ist sein Dilemma. Den Dialogen, den inneren Monologen, dem ganzen Erzählen fehlen ' leider auch stilistisch ' die Schärfe und der Witz eines Matthew Stover oder Sean Stewart (zugegeben hohe Maßstäbe) und so werden die Seiten länger und länger und die Zahl 505 fällt plötzlich ins Gewicht. Nur zum Ende hin beschleunigt sich noch einmal der Herzschlag der Ereignisse.
Die Moral von der Geschicht': ich bin eigentlich ein sehr langsamer Leser, habe diesen Schinken aber in gut 4 Tagen weggelesen, weil ich wirklich auf der Suche nach etwas war, das viele andere in 'Knight Errant' gesehen haben ' allein der Erfolg blieb aus. Spätestens nach dem ansehnlichen ersten Abschnitt flacht das Buch mit seinen austauschbaren Abenteuern und seiner Gruppe recht ähnlicher (pragmatischer) Figuren mehr und mehr ab. Es fehlen Höhepunkte, es fehlt ein roter Faden und so sprang der Funke leider nicht auf mich über (welchen Anteil hieran die Übersetzung hatte kann ich derweil nicht beurteilen ;).