Schönes Buch. Wirklich. Ich verzichte auf Wiederholungen des Inhalts, zum einen, weil dieser hier schon detailliert genug wiedergegeben wurde, zum anderen, weil das Buch sehr davon lebt, dass der Leser weder Zukunft noch Vergangenheit kennt. Ich würde fast empfehlen, sich das Buch zu kaufen, ohne auch nur den Text auf der Rückseite zu lesen. Der Grund dafür führt direkt zu den großen Stärken des Romans:
Survivor's Quest ist die Geschichte einer Expedition. Ungefähr das erste Drittel handelt davon, wie sich Luke und Mara zusammen mit interessanten, undurchschaubaren Vertretern anderer Völker oder Gruppierungen auf den Weg in die Tiefen der Unbekannten Regionen machen. Und diese Idee gibt dem Buch ein wunderbares Flair, das sich fast mit dem Star Trek (!) Slogan "Wo noch nie zuvor ein Mensch gewesen ist" beschreiben lässt. Die Unbekannten Regionen werden ihrem Namen mehr als gerecht und wie schon in der "Hand von Thrawn"-Duologie versteht es Timothy Zahn, sie zu einer zweiten Galaxis zu machen, in deren Tiefe verdammt große Fische schwimmen.
Zweiter Pluspunkt ist etwas, das sich vielleicht am besten als "Zahn-Realismus" beschreiben lässt. Seine Bücher fühlen sich anders an, als andere Star Wars Werke. Es ist schwer zu beschreiben, aber sie sind auf eine sehr spezielle Weise durchdacht und folgen einer sehr speziellen Logik. Survivor's Quest strotzt vor Passagen, in welchen Luke und Mara eine Situation verstehen und trotz offener Fragen eine Entscheidung treffen müssen.
Schließlich wären da noch ein paar nette Story-Twists und Wendungen zu nennen. Obgleich manche Fragen erst mit "Outbound Flight" beantwortet werden, wenn man auf das Buch zurückblickt, dann denkt man: Schöne Idee, schön umgesetzt. Denn Zahn-typisch steckt einiges hinter dem Ganzen, das man am Ende mit einem anerkennenden Nicken quittieren muss.
Wo die Schwachstellen des Buches liegen, hängt davon ab, was man von ihm erwartet. Die Handlung ist zwar durchdacht und recht raffiniert, besitzt aber nicht die galaxisweiten Ausmaße der Vorgänger-Werke. Han Solo, Leia, Chewie und viele andere EU-Charaktere fehlen - selbst Zahns Schöpfung Talon Karrde hat nur einen Nebenauftritt. Thrawn ist und bleibt tot (hm... Nein, ich sag's nicht ;) ), schönerweise nimmt die Handlung aber immer wieder Bezug auf seine vergangenen Taten. Das wird dann zu einer kleinen Schwäche des Ganzen, wenn der alte Detektiv-Stratege fast ein wenig übertrieben genial dargestellt wird. Hey: Er war der Beste, aber auch er hatte Fehler.
Fazit: Ein kleiner aber raffinierter Expeditionsroman, der die galaktische Handlung nicht so sehr voranbringen mag wie Zahns bisherige Bücher, aber seinen Platz in der Roman-Zeitlinie mehr als verdient hat.