Wie die meisten Comicumsetzungen leidet auch "The Force Unleashed" daran, möglichst viel Inhalt auf möglichst wenigen Seiten unterbringen zu müssen. Daher wirkt der gesamte Comicsonderband in seinen Zeichnungen sehr gehetzt. Zudem sind nur schlaglichtartige Einblicke in die Charaktere möglich und viele Details der Gesamtgeschichte gehen verloren. Beispielsweise fehlen die erste Mission nach Raxus Prime und der Lichtschwert-Kampf mit Kazdan Paratus im Comic vollständig, ebenso Darth Vaders Invasion von Kashyyyk. Die anderen Ereignisse sind oftmals stark verkürzt wiedergegeben. Genauso ist es um das Innenleben der Handelnden bestellt. Während Captain Juno Eclipse im Roman als Sympathieträger und geheime Hauptfigur durchaus punkten kann, ist sie im Comic kaum mehr als ein Blickfang für die Männer - was mich gleich zum nächsten Aspekt führt.
Das Zeichnerische schwächelt an vielen Stellen. Die Qualität schwankt zwischen den ursprünglichen Einzelheften extrem. Ich möchte dies am Beispiel von Juno verdeutlichen: Neben den unterschiedlichen Zeichenstilen der Künstler, die Junos Gesicht und ihrem Körper jedes Mal eine andere Form verpassen, trägt sie zu Beginn eine Standarduniform des Imperiums mit ledernen Fliegerhandschuhen. Später verschwinden die Handschuhe. Kurz darauf trägt sie eine Uniform mit Dekolleté und wenig später ein fast bauchfreies Top und geradezu auf den Körper gemalte Kleidung. Kurz darauf sehen wir sie - jetzt mit Wuschelfrisur - wieder in etwas längerer Kleidung. Diese Inkonsistenzen ziehen sich nur so durch den Comic. Auch Starkillers bekannte Trainingsrobe sieht im Comic gänzlich anders aus.
Man könnte die Inkonsistenzen der Kleidung womöglich damit erklären, dass den Zeichnen kein genaueres Material vorlag, doch das ist eine schwache Ausrede. "The Force Unleashed" war für Ende 2007 angekündigt, aber wurde schließlich fast ein Jahr verschoben. In jener Zeit hätten die Künstler ohne Probleme die kleinen Ungenauigkeiten in der Garderobe korrigieren können. Doch ich vermute, dass man den Roman und den Comic in der Zeit auf Halde legte und daran nichts veränderte. Hätte ja zusätzliche Kosten bedeutet fürs Unternehmen.
Zusammenfassend kränkelt die "The Force Unleashed"-Comicversion an den gleichen Sympthomen wie die Romanumsetzung und das Spiel selbst: Die Grundidee ist gut, doch die Umsetzung mehr als nur bemüht.
Der Comic sollte keinesfalls allein gelesen werden. Als ergänzendes Material zum Videospiel selbst oder zum Roman erfüllt der Band durchaus seine Pflichten, doch als eigenständiges Werk versagt er. Zu viele Unklarheiten und erzählerische Lücken werden offensichtlich ohne auch nur annähernd erklärt zu werden.
Auswirkung auf den Kanon
Die Umstände der Gründung der Rebellen-Allianz werden detailliert beleuchtet. Es stellt sich heraus, dass die Allianz nicht organisch zusammengewachsen ist sondern als pures Instrument Palpatines gedacht war, um seine versammelten Feinde mit einem brutalen Schlag zu vernichten.
Palpatine weiß, dass Bail Organa ein Rebell ist. Dies - sowie die Umstände der Gründung der Rebellen-Allianz - widersprechen mehreren unterschiedlichen Quellen. Von Mon Mothma und Garm Bel Iblis ist bekannt, dass sie sich bereits früh gegen den Imperator aussprachen und daher verfolgt wurden, doch von Bail war dies bislang nicht bekannt. Immerhin wird Leias Präsenz beim Vertrag von Corellia geschickt kaschiert und verschleiert, so dass sie sich noch in relativer Sicherheit wägen darf (und mit ihr der Kanon, denn ansonsten hätte TFU u.a. sogar Episode IV widersprochen!).