Weder der Zorn Cade Skywalkers, das Opfer der antiken Jedi-Ritterin Celeste Morne, noch der Verrat seiner rechten Hand Darth Wyyrlok konnten Darth Krayt vernichten. Und so ist der dunkle Lord in seiner Grabkammer einfach wiederauferstanden und hat sich mittlerweile von einem Jahrhundert Gefangenschaft in einem Voduum Krabben-Panzer, kräftezehrenden Gebrauch der dunklen Seite und natürlichem Altern bestens erholt. Darth Krayt ist wieder da und was wäre ein wiedergeborener Sith-Imperator ohne eine Geheimwaffe, in diesem Fall einer Armee bedingungslos loyaler Sith-Soldaten mit der die abtrünnigen Anhänger Darth Wyyrloks in ihre Schranken zu weisen weiß. Doch Krayt will nicht nur seinen Thron zurückerobern, er will auch die Rebellion der Fel-Loyalisten, der Reste der Galaktischen Allianz und des Jedi Ordens ein für allemal zerschlagen. Wäre da nicht Cade Skywalker, der es nach langem Hin und Her auf die Sith abgesehen hat und als einziger Jedi (weil er der dunklen Seite fast verfallen war) auch an Krayts Wiederauferstehung glaubt, weil er wie alle Sith dessen Ruf in der Macht wahrnehmen konnte. Es kommt wie es kommen muss und die Fronten klären sich ein für allemal, wer bisher Zweifel an seinen Loyalitäten hatte entscheidet sich und wechselt für das letzte Gefecht vielleicht noch einmal die Seiten...
Man sollte annehmen das große Finale Legacys wäre kein Comic für zwischendurch, kein Stück Dutzendware aus dem daran nicht armen Erweiterten Universum. Und doch hat John Ostrander es soweit kommen lassen, dass der Abschluss seiner kultigen und populären (sonst wäre sie nie solange gelaufen und hätte diese Wirkung entfalten können) Reihe derart tief fallen konnte. Nur die Zeichnungen Jan Duursemas beweisen einmal mehr, dass die Künstlerin nicht nur zum besten gehört was das Star Wars-Universum vorzuweisen hat, sondern dass sie auch mit den Größen Marvels oder DCs mithalten kann.
Die Kritik an KRIEG speist sich aus zweierlei Faktoren, dem unzufriedenstellenden Verlauf der Reihe selbst, mit der Wandlung im Finale und dem was John Ostrander und Co-Autorin Jan Duursema für Darth Krayts letztes Gefecht mit Cade Skywalker noch so aus dem Hut gezaubert haben. Grundsätzlich muss man sagen, dass vieles so kommt wie es in KRIEG geschieht war absehbar und doch ist das Finale Legacys insofern unvollständig weil der ganze Mandalorianer-Handlungsbogen welcher in sehr wenigen Heften etabliert wurde völlig unter den Tisch fällt. Das von Ostrander und Duursema geschaffene Universum im Jahrhundert nach Luke Skywalker ist schlichtweg zu groß geraten, um es nach 50 Ausgaben in einer nur 6 Hefte umfassenden Miniserie mit einem großen Endspiel abzuschließen.
- Klischees und vergebene Chancen -
Was auch ins Auge sticht ist, dass sich ein im SW Universum tätiges Kreativteam zum dritten Mal innerhalb der letzten Jahre einer Anleihe bei Stargate bedient hat, nach Replikatoren im The Old Republic-Roman Sean Williams und Symbionten in der zweiten Staffel von The Clone Wars nun also Supersoldaten in Legacy - Krieg. Und Klischee folgt auf Klischee. Der wiedergeborene Krayt erinnert nun auch nicht mehr an "Die Mumie" bevor sie ihre menschliche Form zurückerhalten konnte (wie noch im letzten Legacy-Sonderband) sondern sieht erschreckend verjüngt aus, auch ohne sich wie einst Imperator Palpatine eines jüngeren Klonkörpers bedient zu haben. Auch die Rückkehr von Sith Lords hat 2011 Hochkonjunktur, auch wenn Darth Bane 2010 in Drew Karpyshyn beim Versuch es anderen großen Vertretern seiner Zunft gleichzutun noch gescheitert ist. Warum man Krayt ausgerechnet zurückholen musste lässt sich wohl nur noch dadurch erklären dass man eben doch keine bessere Alternative gefunden hat bzw. aufzubauen vermochte. Zwar bewegt man sich mit diesem Klischee durchaus in der Star Wars-Tradition (Palpatine, Simus, Marka Ragnos, Naga Sadow, Freedon Nadd, Exar Kun, Karness Muur, beinahe Darth Bane, Darth Andeddu und Darth Maul) aber ohne Klontechnologie ist Krayts verjüngtes Auftreten kaum erklärbar und bisher war es ja auch immer so dass die Überwindung des Todes nicht selten zu einem Auftreten als Geist oder wenigstens an die Mumie Krayt erinnernde (oder man denke an Simus Kopf in den Jedi-Chroniken) zombieähnliche Gestalt gebunden war. Wie Krayt allerdings vom fast 200-jährigen zum durchtrainierten Mittfünfziger avancieren konnte darf man sich selbst zusammenreimen, Ostrander lässt einen in Krayts Flashbacks nur damit spekulieren dass ihm die Lehren Darth Andeddus und Karness Muurs Geist ein wertvolles Geheimnis mit auf den Weg ins Grab gegeben haben dürften.
- Cade und die ewige Sinnsuche -
Mal abgesehen vom unsterblichen Oberschurken der mal so nebenbei eine Legion des Bösen aus dem Hut zaubert und plötzlich auch die Verräterin im Moff-Rat enttarnen kann, auch an Cade Skywalker hat sich John Ostrander am Ende noch einmal versündigt. Steht doch der letzte Spross des Skywalker-Geschlechts zu Beginn wieder einmal deutlich auf Seiten der Jedi, kehrt diesen wieder den Rücken zu, kämpft doch wieder an ihrer Seite bei der Verteidigung des geheimen Tempels und setzt ungeachtet aller bisherigen persönlichen Fortschritte immer wieder mal auf die dunkle Seite. Cade ist ein Beispiel dafür wie man einen Satz höchst interessant konstruierter Charaktere im Verlauf dieser Reihe durch inkonsequente Weiterentwicklung (und das obwohl nur Ostrander die Feder führen durfte) praktisch ruiniert hat. Das ganze "Ich will kein Skywalker sein! Ich bin kein Jedi! Ich will die Sith tot sehen!" wurde schlussendlich katastrophal überstrapaziert. Jedes mal wenn sich Cade vom Davonlaufen, dem Gebrauch der dunklen Seite ab- und seinem Erbe zuwandte sah es ein Heft später schon wieder anders aus. Dabei verkam Cade immer wieder zu einem Abbild von Ostranders und Duursemas Eigenkreation Quinlan Vos, der auch einen langen Weg hinter sich bringen musste, um sein Gedächtnis zurückzuerlangen und sich von der dunklen Seite abzuwenden. So wie Vos mehrmals der dunklen Seite verfiel, sich Count Dookus dunklen Jedi anschloß und in seinen Loyalitäten zeitweise undurchschaubar wurde, so musste Cade immer wieder von sich als Pirat Reden machen (eine zunehmend lächerlich hohle Phrase wie sie von Syn und Blue in KRIEG auch aufs Korn genommen wird), seine Affinität für die dunkle Seite betonen und sogar kurz auf die Seite der Sith wechseln.
- Die Dimension hinter den Bildern -
Dabei war Cade durchaus als interessanter Charakter geschaffen worden, nur vielleicht etwas zu "amerikanisch". Was für europäisches Publikum zeitweilig etwas irritierend, in den USA aber längst Teil der Populärkultur (man braucht sich nur Kriminalserien wie CSI Miama ansehen) und eben durch Ostrander und Duursema auch Teil des EU ist das Spiel mit dem Konzept von Gangs und Gangkriminalität. Wenn Darth Krayts Sith also als tätowierte meistens rotlackierte und in schwarz gekleidete Bande auftreten sind sie durchaus Vorbildern der realen Welt nachempfunden, eben halbwegs unkultivierte, auf Gewalt getrimmte, doch in einem sozialen Umfeld (der Sith-Gesellschaft) wenigstens integrierte und geschätzte Mitglieder. Vor diesem Hintergrund erhält auch Krayts Ideologie von der Einheit der Sith ein wenig Tiefe, geht es darin ja auch um die Schaffung einer Gemeinschaft, die sich über 100 Jahre gut gehalten hat, aber im darin enthaltenen Führungsanspruch des einen dunklen Lords (der ja auch ein rituell tätowierter ehemaliger Stammeskrieger von Tatooine ist) lässt sich auch ableiten wie Krayts Sith von diesem Vorbild (einem Ex-Tusken-Räuber, verratenen Jedi und Kopfgeldjäger) geprägt zu dem werden konnten was sie sind. Cade hingegen ist der Sohn aus gutem Hause, dessen Familie von dieser Bande ermordet und er zum Sterben zurückgelassen wurde. Um zu überleben blieb dem Teenager nur seine Herkunft und alles was damit verbunden war zu verleugnen, um selbst zu einem jener Piraten zu werden, die ihm das Leben retteten und so verwundert es nicht wenn er sich der Position Krayts und seiner Sith über die Jahre durchaus angenähert hat.
Freilich man kann jene Dimension die hinter den Bildern steckt mit beliebigen Argumenten relativieren, etwa dass ein Comicautor wie John Ostrander und eine Zeichnerin wie Jan Duursema nie in eine solche Richtung denken würden, weil solche Überlegungen ja viel zu sehr in die Tiefe gehen würden. Aber dass Legacy eine trotz aller Schwächen durchaus von solchen Überlegungen und ihren erzählerischen Konsequenzen geprägte Ära war lässt sich wohl dennoch nicht verschweigen. Man mag die Reihe im Nachhinein auf Schlagwörter wie "Ein Krieg der Sterne in Grauzonen" oder "Raue Helden, bekehrbare Imperiale und immer noch tumbe Böse" reduzieren, die Ideen hinter diesen ausgedehnten Grauzonen, der verrohten Darstellung der letzten Helden oder einem reformierten Imperium waren etwas höchst interessantes, weil sie eben mutig und innovativ waren. Wer die Reihe genau aus diesen Gründen bewunderte wird daher vielleicht bei ihrem Ausklang einige Verbitterung empfinden, wenn sie genau wegen dieser Ambitionen pauschal in die Tonne getreten wird. Der Mut Ostranders bei der Gestaltung seiner Geschichte wurde jedoch immer wieder von anderen Dingen überschattet, wie im Finale eben von sehr klischeehaften Wendungen. Man hoffte ja doch "Legacy ist anders, also sollte auch das Finale neue Wege beschreiten".
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