Während in der Galaxis der Krieg zwischen Republik und Mandalorianern weiterhin unerbittlich tobt und ganze Systeme versehrt werden, sucht man auf Coruscant Ablenkung bei einem riesigen Schauprozess, dessen Abschluss nicht nur bei Jedi-Ritter Malak für Genugtuung sorgen soll. Stellvertretend für alle Mandalorianer wird Demagol für seine Experimente an den Jedi angeklagt. Malak, selbst einst Versuchskaninchen in der geheimen Station 'Flashpoint', kann es gar nicht erwarten, seine Rache zu bekommen und hört deswegen auch nicht auf Zayne Carrick und dessen Partner Gryph, welche, als Zeugen nach Coruscant gereist, Zweifel an der Identität von Demagol hegen. Zweifel, die durch den Droiden Elbeh bald zur Gewissheit werden. Bevor schließlich das Urteil über Demagol vollstreckt werden kann, wird dieser vor dem Gerichtsgebäude von Zayne und Gryph entführt. Verflucht von einer wütenden Zuschauermasse und einem vor Zorn kochenden Malak.
Zur gleichen Zeit leidet Jarael auf der Welt Wor Tandell unter ihrem Zerwürfnis mit Zayne. Beide waren im Anschluss an ihre Begegnung bei der Sklavenhändlerorganisation 'Feuertaufe', auch dank den geschickten Einflüsterungen der diabolischen Chantique, getrennte Wege gegangen. Nun will Rohlan sie mit einem neuen Abenteuer auf andere Gedanken bringen. Doch sind seine Absichten wirklich so gut, wie sie scheinen? Oder benutzt er Jarael für seine eigenen Zwecke? Schon bald wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt ' und diese hat einige tödliche Gefahren im Gepäck. Wie gut, dass Zayne, dem der Gryph in Sachen Doppelspiel und Täuschungsmanöver ein guter Lehrer war, zur Rettung eilt ' aber wird er es rechtzeitig schaffen?
Mein Kompliment an Autor John Jackson Miller, der, trotz der sehr kurzfristigen Ankündigung des Endes der 'Knights of the Old Republic'-Serie, aus dem knapp bemessenen Handlungsspielraum noch ein derart überzeugendes Finale gezimmert hat. Dieses fällt zwar (zwangsweise) nicht so episch aus wie der Abschluss des ersten großen Storybogens in 'Wiedergutmachung', hat dafür aber eine umso persönlichere Note, da sich Miller mehr auf die Figuren, allen voran auf Jarael und ihre Vergangenheit, konzentriert und lieber in ruhigen Tönen Akzente setzt. Meiner Ansicht nach eine gute Entscheidung, da das für mich immer den Charme dieser Reihe ausgemacht hat. Wie in 'Das Imperium schlägt zurück' stehen statt dem großen galaxisweiten und weitverzweigten Konflikt hier die Einzelsschicksale im Mittelpunkt. Und wie dort, so sind es auch in 'Dämon' die geschickt platzierten Enthüllungen, welche die Geschichte so lesenswert machen.
Viele der offenen Fragen, die sich in den letzten Sonderbänden gestellt haben (Woher hat Jarael ihre Machtfähigkeiten? Wozu dienten Demagols Experimente mit den Jedi? Was sind die wahren Absichten Rohlans? Und warum machte Zayne Carrick aus seinen Taten während seines Urlaubs ein Geheimnis?), werden nun endlich beantwortet. Und das in einer Art und Weise, dass auch der schlaueste EU-Kenner noch die ein oder andere Überraschung erlebt. Sicherlich ist das an einigen Stellen etwas auf Effekt getrimmt, kommen manche Auflösungen etwas konstruiert daher. Insbesondere im Fall Demagol hatte ich so eine oder zumindest eine ähnliche Tarnung erwartet. Das Lesevergnügen hat das jedoch nicht getrübt. Ganz im Gegenteil: Wie immer ist Miller darauf bedacht, dem Mythos Star Wars gerecht zu werden und den Rest der Saga nicht aus den Augen zu verlieren. Sei es der Einbau von Exar Kuns Doppellichtschwert und die Erwähnung dessen Kampfes gegen Vodo-Siosk Baas oder Arca Jeths bisher ungelüftete wahre Herkunft. Mit äußerst feinem Gespür verbindet der Autor die Geschehnisse hier mit dem Gesamtkontext und sorgt somit für dieses bestimmte Flair, das vielen anderen EU-Projekten heute einfach gänzlich fehlt. Ein Comic aus der Feder Millers bedeutet stets mehr als nur Lichtschwerter, Sith und Jedi. Es ist halt Star Wars. So wie man es Mitte der 70er zum ersten Mal das Licht der Leinwandwelt erblickt hat.
Dazu tragen natürlich auch wieder die Illustrationen von Brian Ching bei, der (wie eigentlich bei jedem Star Wars Comic) erneut Großes auf Papier gebracht hat und allein schon deswegen die Anschaffung dieses Sonderbands lohnenswert macht. Und es mag sicherlich im Auge des Betrachters liegen, aber meiner Ansicht nach gibt es keinen, der ein Lichtschwert derart grandios in Szene setzen kann. Wenn Jarael mit gezündeter Doppelklinge über ihren besiegten Gegnern steht, stiehlt sich bei mir unwillkürlich ein Lächeln ins Gesicht. Selbiges gilt für die Mimik der Figuren, an der die meisten Zeichner in schöner Regelmäßigkeit scheitern. Diese passt einfach perfekt zu Millers schrillem Humor, mit dem sich der Autor in 'Dämon' auffällig zurückgehalten hat. Gut so, hätte es doch wenig zu dem düsteren Unterton der Story gepasst.
Bei all dem Lob, es gibt auch Kritikpunkte. Eben gerade wegen der schon oben erwähnten Entscheidung 'Knights of the Old Republic' früher zu beenden, musste Miller einige Nebenhandlungen mit Potenzial (weiteres Schicksal der 'Feuertaufe', das Treiben der 'Revanchisten', Malaks Reaktion auf Demagols Flucht etc.) ins Leere laufen lassen, um auf den gerade mal verbliebenen 88 Seiten die Reihe glaubhaft und nachvollziehbar zu Ende zu bringen. Das er das bemerkenswert gut gemeistert hat, täuscht natürlich nicht über manch logischen Bruch oder die oftmals zu kurzen Einzelbilder und schnellen Szenenwechsel hinweg. Vielleicht kehrt Miller ja irgendwann nochmal in diese Epoche zurück, um diesen (nicht von ihm begangenen) Fehler auszumerzen.
Abschließend ist zu sagen: Wer seine Erwartungen an ein großes Feuerwerk und noch größere Action gekoppelt hat, der wird sich bei der Lektüre von 'Dämon' unweigerlich enttäuscht sehen. Meiner Ansicht nach ist Miller ein würdiges Finale einer grandiosen Reihe gelungen, welche mich wie keine andere (sei es 'Dark Times', 'Legacy', 'Rebellion' oder 'Invasion') in ihren Bann gezogen und teilweise sogar (und das passiert bei Comics so gut wie nie) sehr bewegt hat. Ungern nehme ich Abschied von Zayne und seinen Freunden, in der Hoffnung in naher Zukunft, welche bekanntlich stets in Bewegung ist, ein Wiedersehen mit ihnen zu feiern.