Cade Skywalker mag Darth Krayt einmal mehr entkommen sein, doch der letzte Skywalker ist nicht das einzige Problem mit dem der neue Imperator fertig werden muss. Admiral Gar Stazi, seines Zeichens Oberbefehlshaber jenes Trümmerhaufens der von der Flotte der Galaktischen Allianz geblieben ist, leistet mit seinen Truppen nach wie vor Widerstand gegen alle Versuche des Imperiums seine Rebellion niederzuschlagen. Nun hat Krayt Darth Azard damit beauftragt den Druck auf die Kommandeure zu verstärken, um Stazis Widerstand ein Ende zu bereiten. Doch mit der Hilfe eines angesehenen ehemaligen Mon Calamari Senators könnten die Rebellen in den Besitz eines der neuesten Sternenzerstörer des Imperiums gelangen, wenn es sich nicht um eine Falle handeln würde...
Im zweiten Teil des Sonderbandes ist es Darth Wyyrlok III. der sich auf eine Mission in den Tiefkern begibt, um ein Geheimnis zu lüften, dass Darth Krayt das Leben retten könnte. Erst kürzlich hat Cade Skywalker im Sith-Tempel beide "Hände" von Imperator Krayt besiegt und diesen in die Schranken gewiesen. Sich Cades einzigartiger Heilkräfte zu bemächtigen ist daher vorerst zumindest nicht möglich. Stattdessen konsultiert der engste Vertraute des einzigen Sith-Lords das Holocron Darth Andeddus, der angeblich Macht über Leben und Tod erlangt hangt...
Der vierte Legacy-Sonderband umfasst die US-Comics Legacy 20-22 und 27, also den wichtigsten Teil des Settings zum nächsten großen Showdown der Reihe. Während Legacy 23-26 die Geschichte um Cade Skywalker vorantreiben, bringen Legacy 20-22 eine neue Handlung ein, nämlich die der Galaktischen Allianz, welche wie in den Zeiten des galaktischen Bürgerkriegs mit einer maroden Flotte auf der Flucht vor dem Imperium ist. Allerdings könnte eine Allianz zwischen dem entthronten Roan Fel und Gar Stazi zur Bildung einer weit stärkeren "Rebellen-Allianz" führen. Man darf sich also wahrscheinlich noch auf interessante Konflikte freuen, denn im Gegensatz zur Zeit des Galaktischen Bürgerkrieges läuft in Legacy die Zusammenarbeit zwischen Verbündeten nicht so sauber ab. Legacy 27 bringt die Reihe schließlich der Begegnung mit "Vektor", dem größten Crossover des Star Wars Universums, näher. Der Muur-Talisman wird nämlich noch eine sehr bedeutende Rolle in Legacy spielen und insgesamt 4 Legacy-Comics, also den ganzen Sonderband Legacy VI in Anspruch nehmen.
Bei den Zeichnungen von Omar Francia und Alan Robinson fühlt man sich zwar Stellenweise fast an die Koryphäe Jan Duursema erinnert, aber ganz rund läuft es nicht, inwiefern der bekannte Autor John Ostrander daran Schuld sein mag, dass das Design der "Rebellen-Schiffe" oft eher an die der Republik aus Knights of the Old Republic erinnert und ein über 200 Jahre alter YT-2400-Frachter wie die Scarlett Star noch im Dienst stehen kann, während selbst der Millenium Falcon im gleichnamigen Buch von James Luceno bereits Alterserscheinungen erkennen lässt, bleibt rätselhaft. Legacy verwirrt ein wenig, die Story ist zwar über 100 Jahre nach den letzten Büchern angesetzt, hätte aber vielleicht besser einige Jahrtausende vor den Filmen platziert werden sollen, diverse Parallelen zum Konzept des Star Wars-MMOs "The old Republic" geben zumindest jenen Kritikern recht, die meinen dieser Plot hätte weit besser in die Zeit der alten Republik gepasst.
Es sei allerdings auf keinen Fall verschwiegen, das mitunter dank John Ostrander auch eine neue Qualität in die Star Wars-Comics gekommen ist, wie man schon an den Klonkriegscomics erkennen konnte. Dieses "neue" Star Wars benimmt sich bereits erwachsener, was an den oft sehr düsteren Wendungen zu erkennen ist. Längst fehlt die klare Trennung zwischen gut und böse, es ist oft nur noch, wie im Falle Cade Skywalkers, eine Frage, für welche Seite er sich am Ende, im Finale entscheiden wird. Auch in Hinsicht auf die Bündnispolitik der Legacy-Ära muss man sich eingestehen, so einfach läuft es nicht, selbst wenn sich ehemalige Feinde oder sogar einstige Freunde verbünden, spießt es sich oft und sieht alles andere als gut für alle Beteiligten aus. Das "used universe" von dem George Lucas beim Drehen der Filme schwärmte, hier ist es verwirklicht, hier stehen die Charaktere im Dreck, sind oft wenig sympathisch, kämpfen um ihr Leben und müssen nicht selten feststellen, dass Vertrauen für viele nur eine leere Worthülse ist.
Besonders die Entwicklungen in Legacy IV lassen erwarten, dass Darth Krayts Herrschaft schon bald mit den ersten Feuern der Rebellion zu rechnen hat. Wie Darth Vader und der Imperator in den meisten Darstellungen neigt er zu übermäßiger Gewaltanwendung, jedoch keimt dabei immer eine etwas unkonventionelle Einstellung auf. Krayts Anhänger exekutieren und wüten wie Wahnsinnige, der Sith-Lord selbst jedoch, ist mehr eine Mischung aus Palpatine und Vader, er hat durchaus Taktgefühl, trotz seiner enormen rohen Macht. Allerdings hat er mit der Regel der Zwei gebrochen, weshalb ihm die Geister und Holocrone der alten Sith-Lords ihr Wissen verweigern, dass er umso dringender braucht weil sein Yuuzhan Vong Körperpanzer ihn langsam aber sicher tötet. Daraus resultiert seinen Besessenheit, jemanden zu finden, der ihn "heilen" kann. Hat er das geschafft, kann er sich mit seinem Wissen um die dunklen Künste der Sith selbst Unsterblichkeit verschaffen, aber so lange er "krank" ist, fehlt ihm die Weitsicht, er ist zu abgelenkt um die Konsequenzen seines Handelns zu erkennen. Die Regel des Einen, die besagt, dass es nur einen Lord geben kann, dem sich alle anderen Sith unterordnen, könnte jedoch schon bald auf die Probe gestellt werden, wenn manche von Krayts Anhängern vielleicht Ambitionen entwickeln, sich ihres Herrn zu entledigen, besonders wenn seine Schwäche bekannt wird.
Fazit:
Spannungsgeladen und verheißungsvoll, ein Band, der, obwohl er eigentlich nur ein Lückenfüller ist, bereits jetzt hohe Erwartungen an Legacy VI stellt. Alles bleibt offen, nichts ist sicher und die Sith scheinen "Unbezwingbar".