Ein Jahr ist seit dem Tod des Imperators und seiner rechten Hand Darth Vader vergangen und aus der Rebellen-Allianz ist längst eine Neue Republik hervorgegangen, der sich immer mehr Welten anschließen, während zahllose Imperiale begonnen haben, sich ihre eigenen Imperien aufzubauen und immer wieder auch gegenseitig bekriegen. Doch obwohl die Rebellen das Imperium besiegt haben, ist der Galaktische Bürgerkrieg noch nicht vorbei, denn hinter jeder Ecke scheinen neue mächtige Feinde zu lauern.
Einer, der der neuen Republik besondere Probleme beschert, ist der Kriegsherr Shadowspawn, dessen Truppen mit Guerillataktiken und Überraschungsangriffen den Rebellen immer wieder zusetzen und einfach nicht zu fassen sind, da sich die Fanatiker lieber das Leben nehmen anstatt sich zu ergeben. Doch der Rogue Squadron gelingt es Shadowspawns Schergen eine Falle zu stellen und den Standpunkt seines Hauptquartiers in Erfahrung zu bringen, dass sich auf dem Planeten Mindor befinden soll. Mindor gleicht allerdings einer Festung, denn der Planet ist von Asteroiden umgeben, die nicht nur einen direkten Angriff unmöglich machen, sondern auch fiese Überraschungen bereit halten könnten. Mit einer eigenen Task Force die nach der Schlacht um Bakura ins Leben gerufen wurde, macht sich der frischgebackene General Luke Skywalker auf, um Shadowspawns Treiben ein Ende zu setzen, ohne zu ahnen, was die wahren Absichten des sinistren Kriegsherrn sind...
Die Geschichte der Schlacht um Mindor und ihre Auswirkungen sind Star Wars Insidern eigentlich längst bekannt. Das verlustreiche Massaker auf beiden Seiten gilt in einigen Star Wars Enzyklopädien nicht umsonst als Grund warum Luke schließlich seinen Abschied vom Militär genommen hat und mit seiner Suche nach Artefakten des Jedi-Ordens begann. Die Erwartungen an dieses Werk sind daher sehr hoch, auch weil der Autor eben Matthew Woodring Stover ist, der mit Shatterpoint, Revenge of the Sith und Traitor bereits 3 Star Wars-Romane vorgelegt hat, die eindeutig zu den besseren Werken des Expanded Universe zu zählen sind. Und so beginnt die Handlung eigentlich damit, dass Luke den nun für die Rebellen arbeitenden ehemaligen Informationsmakler Lorz Geptun zu sich kommen lässt und mit der Ermittlung wegen Kriegsverbrechen in der Schlacht um Mindor beauftragt, der Hauptverdächtige, kein geringerer als er selbst, General Luke Skywalker.
Ein vielversprechendes Staging, denn die gesamte Crew der klassischen Trilogie ist wieder mit dabei und auch auf die Rogue Squadron wird nicht verzichtet, genauso wie mit Fenn Shysa den Mandalorianern eine wichtige Rolle eingeräumt wird. Aber auch ein Matthew Stover ist nicht gegen die Gefahren des Expanded Universe gefeit, der wie vor ihm schon etliche andere Autoren, es sich diesmal nicht nehmen lässt, eine Brücke zu seinen früheren Werken zu schlagen und mit Lorz Geptun, wie Nick Rostu an Shatterpoint anzuknüpfen versucht. Was Michael Stackpole sein Corran Horn scheint Matthew Stovers Nick Rostu zu sein, der jedoch kein übermenschliche Selfmade-Jedi ist, sondern lediglich ein Machtsensitiver der als einstiger Offizier der Großen Armee der Republik nun anscheinend seine ganz persönliche Jagd auf die Darksider Palpatines eröffnet hat.
Doch Shatterpoint ist nicht das einzige Werk zu dem sich Parallelen finden lassen, denn wie sein Vater sieht sich auch Luke gezwungen ein zerbrochenes Schiffswrack allein durch seine überlegenen Talente als Pilot zu landen und in der Gestalt des größenwahnsinnigen Schurken Lord Cronal findet man schließlich auch eine neue Machtphilosophie, nämlich die der Zauberer von Rhand, welche sich als Nihilisten bezeichnen lassen, die allein in der Zerstörung den Willen der Macht verwirklicht sehen und glauben die Zukunft nicht bloß grob vorhersehen, sondern direkt bestimmen zu können.
Die Story von Shadows of Mindor hat gewisse Besonderheiten. Anders als die meisten anderen Autoren schafft es Stover allen Charakteren Leben einzuhauchen und versteht es sogar R2 gekonnt in Szene zu setzen, während selbst ein Timothy Zahn, wie in Allegiance auf ihn und C-3PO gänzlich verzichtet hat. Das wirkliche Highlight sind dabei eindeutig die humorvollen Auftritte Lando Calrissians. Doch auch wenn Stover den Cast anfangs noch im Griff zu haben scheint, gegen Ende hin entgleitet ihm immer mehr die Kontrolle und das Werk verliert klar an jener Dramatik, die notwendig gewesen wäre, um zu verstehen, warum Luke emotional so von den Ereignissen mitgenommen wird, dass er den Dienst als General quittieren wird. Einem Vergleich mit Shatterpoint hält Shadows of Mindor nicht stand. So gut das Werk auch beginnt, schon vor der Halbzeit verliert es jene Ernsthaftigkeit und Tiefe, die zu Stovers guten Ruf beigetragen hat. Und das obwohl die Spannungskurve von zahlreichen Wendungen profitieren kann.
Die seichten, da meist ungefährlichen Teilabenteuer in die die Handlung von Shadows of Mindor nach den ersten hundert Seiten langsam zerfällt schaffen es nicht zu überzeugen und das obwohl der Plot insgesamt doch noch zu den besseren Star Wars-Romanen zählt. Matthew Stovers Problem scheint dabei gerade die Zahl der Charaktere und damit der Handlungsebenen zu sein, die sich nur schwer zusammenhalten lässt. Die meiste Zeit über ist General Skywalker nämlich gar nicht Kommandeur, sondern zu Fuß auf Mindor unterwegs und gelangt dabei direkt in die Festung Shadowspawns. Man hätte mehr draus machen können, der Plot, wie man ihn aus den Enzyklopädien kennt hätte nämlich mehr Potential als das was Matt Stover daraus gemacht hat.
Viele interessante Ansätze, wie Lukes Verklärung durch die imperiale Propaganda, als legitimen Nachfolger des Imperators oder Shadowspawns Kenntnisse der Sith-Alchemie werden nicht weiter verfolgt und was bleibt sind viele halbe Sachen. Wer The New Jedi Order oder die X-Wing-Reihe kennt, weiß, welche epischen Schlachten möglich sind, Shadows of Mindor bietet keine solchen, auch wenn es ansatzweise versucht wird. Auch die Charakterzeichnung bleibt irgendwie unvollständig und schwer zu begreifen. Lukes Hader mit seiner Verantwortung als General ist plötzlich wie weggefegt, sein Gegenspieler mutiert vom genialen Strategen zum größenwahnsinnigen bigger than life-Schurken, der sich völlig illusorische Ziele gesetzt hat. Shadowspawn, die ehemalige Hand des Imperators, die mit ihrem Wissen um geheime Codes, das Kommando über Elitetruppen diverser Kriegsherren übernehmen konnte und als Meister der Sith-Alchemie imstande wäre, Bestien zu erschaffen, die ganze Armeen in Stücke reißen können, während er sich auf einem Planeten verschanzt hat, der nur unter hohem Blutzoll erobert werden kann ' schade, dass es nicht so gekommen ist.
Luke Skywalker and the Shadows of Mindor hätte ein Meisterwerk werden können, doch aus unerfindlichen Gründen hat Star-Autor Matthew Stover, der mir zunächst als Idealbesetzung für diesen Job erschien, diesmal völlig danebengegriffen. Shadows of Mindor beweist jedoch eindrücklich das Potential einer Ära, die in neuerer Zeit kaum aufgegriffen wird, nämlich die Jahre zwischen Return of the Jedi und Dark Empire, als Palpatines Feinde aus ihrem Exil zurückkehrten und noch zahlreiche seiner Schergen, vor allem die machtsensitiven unter ihnen, am Leben waren. Anstatt jedoch zu zeigen, wie das Imperium nach Endor implodierte und vielleicht diesen Abschnitt des EU etwas besser an Dark Empire anzupassen, setzt man lieber auf Karen Traviss Mandalorianer-Zyklen und endlose Fortsetzungen von The New Jedi Order, die sich gegenseitig relativieren und das Happy End klauen.
In Shadows of Mindor unternimmt Matthew Stover einen wichtigen Schritt zur Versöhnung des teils widersprüchlichen Expanded Universe und zeigt in einer Vision Shadowspawns sogar, wie sich Luke dem Imperator unterwirft und damit den frei gewordenen Platz seines Vaters einnimmt. Der Versuch die Widersprüche im EU auszuräumen treibt jedoch auch kuriose Blüten und so sind Shadowspawn alias Blackhole und Lord Cronal wie die dunkle Lady Lumiya einmal mehr den wilden Zeiten der Star Wars Marvel Comics entsprungen, als von einem Kanon noch längst nicht die Rede war. Zugleich bezieht sich Shadows of Mindor auch auf die stark unkanonischen Star Wars Junior Novells (in denen Han Solo und Leia Organa ganze Jahre früher heiraten als in "The Courtship of Princess Leia"), in denen erstmals von den Propheten der dunklen Seite die Rede war.
Nach der Lektüre von Shadows of Mindor bleibt der Leser mit gemischten Gefühlen zurück. Einerseits hat Matthew Stover einen brauchbaren Roman vorgelegt, doch den Erwartungen wird es auf keinen Fall gerecht. Dem ganzen fehlt es an Drama und Epik, stattdessen macht Stover ein sehr einfaches Abenteuer mit einem größenwahnsinnigen Schurken und so manchen Jokes daraus, dass ganz der gegenwärtigen Politik LucasBooks zu entsprechen scheint, auch einen Bezug zu den längst und manchmal aus gutem Grund vergessenen Comicstrips und Büchern der 80er und 90er-Jahre herzustellen. Dass Stover die Gelegenheit nutzt, um Charaktere aus Shatterpoint wiederzuverwenden stellt ihn in eine Reihe mit Karen Traviss oder Michael Stackpole, doch auch wenn er "seine" Helden mit bedeutenden Nebenrollen bedenkt, lässt er sie wenigstens nicht den Protagonisten die Show stehlen.
Fazit:
Eine herbe Enttäuschung, ein vielversprechender Plot von einem der besseren Star Wars-Autoren in den Sand gesetzt.