Hätte RIPTIDE nicht zu sehr den schalen Beigeschmack einer Fortsetzung, es hätte ein besseres Buch werden können. Doch Paul S. Kemp hat zu stark auf ein bewährtes Erzählschema und eine simple Vermehrung der Bedrohungen gesetzt, um noch innovativ dabei zu wirken. Die einem Debütanten zugestandene Schonzeit in Hinsicht auf solche Dinge ist vorbei, RIPTIDE ist Kemps dritter Star Wars-Roman und auch wenn er in vielen Bereichen immer noch besser abschneidet als andere, so komme zumindest ich nicht umhin eine verglichen mit bisherigen Leistungen Kemps geringere Wertung abzugeben. Hoffen lässt vor allem, dass Kemp mit RIPTIDE bereits bewiesen hat, sich an Feedback zu orientieren und das Fundament für einen weniger "Fortsetzung" schreienden dritten Teil bereits gelegt sein könnte.
~ Detailfassung ~
Drei Finger, Blut und seine Zweifel hat Jaden Korr auf jenem namenlosen Mond hinter den Grenzen des bekannten Raums zurückgelassen, auf dem er einem wahnsinnigen Klon Kam Solusars und einem unbekannten Anzati-Attentäter begegnet ist. Doch dafür hat er einen Schüler und neue Selbstsicherheit als Jedi gefunden, auch wenn die Zerstörung des Sith-Dreadnaughts im Orbit Meister Relin Druur das Leben gekostet hat. Doch der Klon war nicht allein. Mit dem Schiff des Agenten der One Sith sind die Klone aus ihrem eisigen Gefängnis ausgebrochen und nur ein Jedi ist in der Lage sie rechtzeitig aufzuhalten, Jaden Korr. Diesmal ist er nicht allein, konnte er Großmeister Skywalker doch davon überzeugen den machtsensitiven Navigator Marr Idi-Shael zum Jedi auszubilden. Weil er sich dazu anbietet ist auch der Pilot der Junker, Khedryn Faal, wieder mit von der Partie. Diese Unterstützung kann Jaden auch gut gebrauchen, denn neben der von ihnen gejagten Schiffsladung Jedi-Sith-Klonen haben es einmal mehr auch die One Sith auf ihn abgesehen. Neben Kell Douro hat Darth Wyyrlok nämlich noch andere Agenten mit ganz besonderen Fähigkeiten auf Lager, die nicht notwendigerweise Machtsensitive sind. Um Jaden ein für allemal auszuschalten, festzustellen ob sich unter den Klonen ein "Prime" befinden könnte und um die geheimnisvolle Iteration einzusetzen, greift Wyyrlok auf die Nenn-Geschwister zurück, Umbaraner die in der Lage sind nicht nur Machtfähigkeiten sondern sogar die Klingen von Lichtschwertkristallen zu stören...
Mit CROSSCURRENT scheint Paul S. Kemp schon mit seinem Debüt die Verantwortlichen bei Del Rey und LucasBooks so überzeugt zu haben, dass sie ihn gleich für den zweiten The Old Republic-Roman DECEIVED einspannten. Mit diesem verblüffte der Newcomer dann auch alteingesessene Fans und nun knüpft RIPTIDE dort an, wo CROSSCURRENT aufhörte, im Orbit eines unbenannten frostigen Mondes irgendwo weit hinter dem Outer Rim. Genau dort - "wo die Drachen lauern" - hat Jaden seinen Weg aus jener Sinnkrise gefunden, in die sich unzählige Jedi nach dem letzten Bürgerkrieg gestürzt sahen. Wie kann man einen solchen Helden der das Ende seiner Odyssee bereits schon erreicht noch überraschen und herausfordern? Indem man ihn auf eine andere Weise mit sich selbst konfrontiert. Sprichwörtlich. Erfahrenere Sci Fi-Konsumenten werden bereits erahnen mit welchen Elementen Kemp in diesem Zusammenhang zu hantieren beginnt und auch wo sich das Potential für eine mögliche Fortsetzung in den nächsten Jahren verbergen könnte.
- Von Zeitreisen zu Klonen -
War die in CROSSCURRENT zentrale Zeitreise ein Novum, das gerade einmal theoretisch in mancher Sekundärliteratur (etwa den uralten FactFiles) angedacht worden war, Klone und deren Neigung sich als wahnsinnig zu erweisen sind es nicht, schon seit der Geburtsstunde des Expanded Universe und dem irrlichternen Joruus C'baoth. Kemp beweist dass er auch als "Frischling" im EU seine Hausaufgaben gemacht und die ihm zur Verfügung gestellten Essential Guides studiert hat (wenngleich er manches in den Augen pedantischer Zeigenossen vielleicht wieder zu liberal interpretiert hat). Aus Großadmiral Thrawns Befehl einige Klonzylinder zu verlegen und einen mental stabileren Jedi für seine Zwecke zu klonen macht Kemp nun ein ganzes Klonprojekt und dessen Versuchssubjekte stehen dem irren Meister C'baoth in nichts nach, man meint sogar ein wenig von dessen spezifischen Wahnsinns auch in ihnen zu erkennen. Anders als C'baoth leiden Thrawns Klon-Jedi jedoch an einer degenerativen Erkrankung, die ihr Leben massiv bedroht und sie auf der Suche nach Mitteln ihr Leiden zu lindern zu blutrünstigen Mördern werden lässt. Mörder die durch Lumiyas Klon Seer in Verbindung zu einer geheimnisvollen "Mutter" zu stehen scheinen, deren Ruf sie bedingungslos folgen zu glauben müssen.
- Zur Handlung I: Der Themenmix -
Angesichts des eher bescheidenen Umfangs seines Romans hat sich Paul S. Kemp einmal einer breiten Themenvielfalt angenommen, die selbst das Autoren-Trio Allston/Denning/Golden mit ihrer Fate of the Jedi-Reihe vor Neid erblassen lassen könnte. Dabei bewegt sich Kemp jedoch eher auf den Spuren Michael Reaves oder Steve Perrys, sein Held ist einer der "kleinen Leute" dessen Schicksal nur indirekt auf die große galaktische Politik Einfluss nehmen könnte. So ist auch Luke Skywalker für ihn vor allem die ferne graue Eminenz, der Mensch mit dem er über seine Probleme, Sorgen und Nöte sprechen würde ist Kyle Katarn, der leider nur erwähnt wird. RIPTIDE ist wie CROSSCURRENT ein Roman dem Kemp je nach Sichtweise vielleicht zuviel zugemutet hat. Die Klone wurden zwar bereits im ersten Teil dieser "Jaden Korr-Duologie" eingeführt, doch nun stehen sie im Mittelpunkt, wie zuvor der Sith-Dreadnaught. Dazu gesellt sich einmal mehr ein sinistrer Plot der One Sith, die Jaden nicht bloß nach dem Leben trachten, sondern lebend benötigen, um sich so einen Spion im Jedi Orden zu verschaffen. Nach dem Fast-Machtbegabten Anzati-Attentäter sind es zwei Meuchelmörder die genau dessen Gegenteil darstellen und Machtkräfte unterdrücken können, ganz ohne Ysalamiri. Nebenbei erfährt man einiges über Jadens eigene Hintergrundgeschichte, aber auch mehr über die in den Schatten agierenden One Sith. In Summe ein interessanter Mix, aber im Detail oft doch wieder zu wenig. Kemp reißt interessante Themen an, kann diese dann aber oft nicht mehr weiter ausbauen. Sogar die "Klon-Thematik" käme zur Sprache, nämlich inwieweit ein unter völlig anderen Umständen aufgewachsener Klon dennoch Charaktereigenschaften seines Vorbilds teilen würde. Einige Fragen bleiben außerdem offen.
- Jaden Korr: The lost years -
Ein Ärgernis in CROSSCURRENT war es, dass der damalige Neuling Paul S. Kemp für manchen Geschmack zu wenig von Jaden Korrs doch sehr bedeutender Vorgeschichte eingebracht hat. Immerhin hat dieser als Jedi Schüler schon den Geist und die Anhänger eines antiken Sith-Lords bezwungen, dieser, Marka Ragnos, war zudem ja nicht irgendwer. Davon ist in RIPTIDE zumindest bereits die Rede. Kemp scheint sich die Kritik bzw. das Feedback nach CROSSCURRENT zu Herzen genommen zu haben. So lobenswert das auch ist, auch in RIPTIDE ist er für seine Möglichkeiten nicht weit genug gegangen. Aus Jadens Konflikt mit den Jüngern von Ragnos, eventuelle Verbindungen zu den One Sith (die immerhin auch auf Korriban residieren) und dergleichen wird nicht eingangen. Dass Darth Wyyrlok, der nun auch erstmals beim Namen genannt wird, aber ein besonderes Interesse an Jaden entwickelt hat durchaus mit dessen Vergangenheit zu tun und einer erschütternden Wahrheit. Von Jaden erfährt man nebenbei auch dass ihm schon vor Jahren ein Meistertitel angeboten worden wäre, er aber die Verantwortung eines so hohen Amtes scheute. Nun da er sich mit Marr eines Schülers angenommen hat, deutet Großmeister Skywalker in ihrem Gespräch jedoch an, dass sich das ja ändern könnte. Dass Jaden das Zeug dazu hätte ein Jedi Meister zu sein (und immerhin ist er zu diesem Zeitpunkt ja auch schon deutlich über 40) beweist er mehrfach, ohne dabei zum Übermenschen zu mutieren. Kemp zeichnet Jaden, geklont wie auch als Original, sehr sympatisch, wobei er seine Stärke nicht in Machtkräften sondern einer Art höheren Moral bzw. bestimmender Ethik manifestiert. Von soldatisch anmutender Treue zum Orden und seiner Mission geprägt, sowie jenen Skrupeln, die ihn schon in CROSSCURRENT an Kyle Katarns Lehre von der Macht als Werkzeug zweifeln ließen, ist Jaden dem mönchischen Jedi-Ideal früherer Zeiten sehr nahe. Jadens Auftreten als Wiedergänger eines typischen enthaltsamen Kriegermönches ist jedoch nicht ganz freiwillig, wie Kemp explizit festhält. Vielmehr hat es sich einfach so ergeben, dass er seine Eltern bei einem Unfall früh verloren hat und Onkel Orn bei dem er aufgewachsen ist, im Zuge der Yuuzhan Vong Invasion auch ums Leben kam. So lebt er nun quasi in den Baracken des Jedi-Tempels und auch nicht als Meister sondern devoter Ritter, der sich dem Willen der Macht und den Idealen des Ordens fügt. Exzellentes Heldenmaterial, weil ihn dabei auch nicht viel in Versuchung führen kann, für "persönliche Ziele" oder den Schutz einer Familie skrupellos auf die dunkle Seite zurückzugreifen.
- Marr, der neue Schüler -
Einen der interessantesten Charaktere mit denen Paul S. Kemp das EU bereichert hat ist natürlich Marr Idi-Shael, mit dem man die Hoffnung zu verbinden wagen könnte einen neuen Ki-Adi Mundi (immerhin haben sie die gleiche Spezies) heranwachsen zu erleben.
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