Vorabinfo: Diese Rezension enthält Spoiler über die Spiele "Knights of the Old Republic" und "Knights of the Old Republic II - The Sith Lords". Wer die Spiele also noch nicht gespielt hat und noch spielen will, nicht weiterlesen!
Ich schreibe diese Rezension, weil es mir ein dringendes Bedürfnis und eine Art "Herzensangelegenheit" ist.
Meine Vorfreude auf dieses Buch war riesig. Jahrelang musste ich rätseln, was denn nun aus Revan, Bastila, der Verbannten und all ihren Gefährten geworden ist. Das Buch sollte die Antwort darauf geben. Zumindest ist es das, was ich mir erhofft hatte.
Was einem "The Old Republic: Revan" aber letzlich gibt ist eine lieblose, viel zu kurze und langweilige Überleitung zu dem bald erscheinenden MMO "The Old Republic". Sie wirkt irgendwie zusammengezimmert, als ob es jemandem kurzfristig eingefallen wäre, das man vor der Veröffentlichung des Spieles noch ein paar Erklärungen benötigt.
Ich war nach dem Lesen des Buches zutiefst enttäuscht und wünsche mir mittlerweile, sämtliche Erinnerungen darüber löschen zu können.
Das Desaster fängt schon mit dem Titel an. Es heißt zwar "Revan", allerdings steht der gute Mann nur etwa ein Drittel des Buches im Vordergrund. Ein zumindest gefühlt weit größerer Teil wird auf eine neue Figur, den Sith-Lord Scourge, verwendet. Ein reinrassiger Sith, der über Umwege an den Hof des unsterblichen Imperators des Sith-Imperiums gelangt und dessen Weg sich mit dem Revans kreuzt. An sich könnte sich daraus eine interessante Geschichte entwickeln, nur tut sie das nicht. Fast alles was auf dem Weg dorthin passiert war zumindest für mich vorhersehbar und viel zu knapp erzählt. Überhaupt erscheint mir die Geschichte das ganze Buch über sehr abgehackt und sprunghaft und Handlungsstränge enden urplötzlich ohne weitere Erklärung.
Potential hätte auch die Suche nach Mandalores Maske gehabt, auf die sich Revan gemeinsam mit Canderous begibt. Aber auch diese wird zu schnell erzählt und völlig kunstlos und unbefriedigend aufgelöst. Sie schien tatsächlich nur dazu da zu sein, eine Begründung für den Mandalore Canderous zu bringen, dem die Verbannte auf Dxun begegnet.
Apropos Canderous: Der alte Haudegen ist neben dem treuen Droiden T3-M4 der einzige von Revans alten Gefährten, die ihn begleiten. Bastila muss zu Hause bleiben, HK-47 wird für zu undiplomatisch befunden und alle anderen sind augenscheinlich unabkömmlich. Revans ältester Begleiter, der Kriegsheld Carth Onasi, wird gar nicht erst erwähnt. Die Protagonistin aus Knights of the Old Republic II, bekannt als die Verbannte, bekommt mit diesem Buch einen kanonischen Namen und ist noch immer auf der Suche nach Revan. Ihre Gefährten bleiben vollständig unerwähnt.
Die Charakterisieung der Figuren ist das nächste, was mir sauer aufgestoßen ist. Revan hat bekanntermaßen sowohl die helle als auch die dunkle Seite der Macht zur Genüge kennengelernt und auch schon bevor er zur dunklen Seite wechselte immer getan, was getan werden musste. Man sollte also meinen, er ist gefestigt genug, um mit seinen Entscheidungen leben zu können. Allerdings mimt der Revan aus dem Buch den Musterjedi und zerfließt beinahe in Reue über seine vergangenen Taten. Ich finde, dass passt so einfach nicht zu ihm. Der Revan aus Knights of the Old Republic, auch wenn er die helle Seite gewählt hat, ist doch eher ein Freidenker, der zwar den Prinzipien der Jedi folgt, aber deren Kodex eher als Auslegungssache interpretiert. Kurz: Ich finde Revan ist hier zu sehr Jedi und zu wenig Revan. Über den Charakter der Verbannten lässt sich nicht viel sagen, denn man bekommt sehr wenig Einblick in ihre Gefühlswelt. Das was man bekommt erinnert mich auch nicht gerade an die ausgestoßene Jedi, die einen unsterblichen Sith-Lord, einen machtfressenden Sith-Lord sowie eine verrückte alte Schachtel besiegt hat und dabei durch die ein oder andere Hölle gegangen ist.
Überhaupt finde ich die Darstellung der Fähigkeiten der Charaktere völlig untertrieben. Unser guter Lord Scourge wird anfangs als der beste Absolvent der Sith-Akademie seines Jahrgangs beschrieben und trotzdem gelingt es einem Paar (= zwei) Söldnern ihn vor Probleme zu stellen und ihn sogar zu verwunden. Und Revan, der als der mächtigste Jedi seiner Zeit gilt, hat tatsächlich schwer zu tun mit einem halben Dutzend nicht-machtbegabter, blasterbewehrter Kontrahenten und benötigt noch Hilfe, um sie zu besiegen. Soweit ich mich erinnern kann, schnetzeln sich beispielsweise Anakin und Obi-Wan gerne druch Dutzende von Feinden und sind dabei sogar noch zu Späßen aufelegt. Übrigens hat eine gewisse Kreia mal über Revan gesagt: "Revan war Macht. Als ob man in das Herz der Macht blickte". Davon scheint nicht viel übrig zu sein.
Zum Finale hin erwachen dann scheinbar doch noch einmal größere Kräfte in Revan und ich hatte schon fast gehofft, zum Abschluss vielleicht einen großen epischen Kampf erleben zu können alá Sidious vs Yoda, Obi-Wan vs Darth Maul oder Anakin vs Obi-Wan. Pustekuchen. Der finale Kampf ist noch schneller vorbei, als er begonnen hat, was hauptsächlich an Lord Scourge liegt, der sich die nobelste aller Sith-Traditionen zu Herzen nimmt.
"Revan" war das erste Buch von Drew Karpyshyn, das ich gelesen habe. Nach dem Lesen des Buches erfuhr ich, dass er auch für die Geschichten von Knights of the Old Republic und Mass Effect verantwortlich war. Mir ist es vollkommen unverständlich, wie jemand der solche Meisterwerke schreiben kann, plötzlich so tief fällt und mit etwas wie diesem Buch daherkommt. Zu wenig Zeit? keine Lust? Den Azubi schreiben lassen? Volltrunken? Ich kann es mir nicht erklären.
Zum Schluss gibt es noch zu sagen, dass ich dieses Buch niemandem guten Gewissens empfehlen kann. Ich selbst nehme die Ereignisse aus dem Buch nicht in meinen persöhnlichen Star Wars Kanon auf und mache mir lieber weiter meine eigenen Gedanken und Illusionen über das Schicksal von Revan, Bastila, der Verbannten, Carth, Canderous, Mission, Zaalbar, T3, HK, Jolee, Juhani, Atton, Mical, Mira, Bao Dur, Visas, Brianna, GO-TO, Atris sowie Lord Scourge und dem Imperator und wer sonst noch zu jener Zeit gelebt und gewirkt hat.
Danke fürs Lesen!
Nochwas: Alles was ich geschrieben habe ist natürlich nur meine persönliche Meinung. Wenn jemand anderer Ansicht ist und das Buch grandios findet, dann soll er das.