Als der schwer verwundete Jedi Meister Jai Maruk auf Coruscant eintrifft, ahnt noch niemand welch Geheimnis er aufgedeckt hat, als er einem Separatistenkonvoi bis nach Vjun gefolgt ist und sich dort einem Duell mit Asajj Ventress stellen musste. Auf Dookus Wunsch wurde Maruk verschont, um Meister Yoda höchstpersönlich eine Botschaft zu übermitteln, die das Ende der Klonkriege besiegeln könnte. Zusammen mit den Jedi Meistern Jai Maruk und Maks Leem, den Padawanen Tallisibeth Enwandung-Esterhazy, genannt Scout und Whie Malreaux begibt sich Yoda als Astromech-Droide verkleidet auf die Reise nach Vjun, wo ihn sein ehemaliger Schüler erwartet...
Ursprünglich als Ersatz für das gecancelte "Escape from Dagu" gedacht wurde "Yoda: Dark Rendezvous" zu einem der Geheimtipps in Sachen Klonkriege. Ein klug inszeniertes Wechselspiel zwischen den sehr gegensätzlichen Charakteren und eine nähere Betrachtung Yodas und Dookus zeichnen das Werk aus. Währenddessen wird am Beispiel der beiden Padawane Whie und Scout indirekt das Wesen Anakin Skywalkers durch zwei völlig unterschiedliche Persönlichkeiten und Jedi-Typen beleuchtet. Fast nebenher nimmt die Reise Yodas und seiner Begleiter auch fast die epischen Ausmaße einer Odyssee an, wodurch der Roman noch zusätzlich an Tiefe gewinnt. Durch den von Visionen geplagten Whie wird zudem ein Vorschau auf Episode 3 erlaubt, was durch die Endzeit-Atmosphäre mancher Passagen noch verstärkt wird, wenn Stewart etwa bereits anfangs schreibt "The long day of the Republic had come to an end. Dusk on Coruscant."
Im großen und ganzen sehr gelungen, auch wenn sich der Autor mehr an der klassischen Trilogie orientiert zu haben scheint, als an den Prequels. So ist der konkret als Großmeister benannte Yoda nicht so sehr der fast schon zögerliche ernsthafte alte Weise sondern wieder das kauzige irgendwie schrullige und vor allem humorvolle Wesen, dass in den Sümpfen Dagobahs sein Unwesen treiben wird. Das Cover verspricht nicht zuviel denn im Zentrum des Romans stehen der wohl mächtigste Jedi Meister des alten Ordens und sein gefallener Schüler.
Obi-Wan Kenobi und Anakin Skywalker kommen erst viel später und eher als Nebencharaktere vor, ohne jedoch die in Büchern mit ihnen immer wieder zum Tragen kommende Thematik zu vernachlässigen. Auf sehr ungewohnte Weise verwirklicht Sean Stewart diese durch zwei andere Padawan. Auf der einen Seite der seit seiner Kindheit von Visionen geplagte, hoch talentierte Whie, der neben Anakin einer der talentiertesten jungen Jedi ist, allerdings mit seinen Gaben weit besser zu Recht kommt und viel mehr den Jedi-Idealen entspricht. Auf der anderen Seite Scout, die ihren Mangel an Macht-Talent und eine nur gelegentlich funktionierende Fähigkeit zur Vorahnung durch hartes Training und Einfallsreichtum ausgleichen muss. Den Scouts des Ordens regelrecht augedrängt, hegt sie Zweifel vielleicht nur deshalb als Jedi angenommen worden zu sein, weil ihre bitterarmen Eltern sich somit eine bessere Zukunft für ihr Kind erhofften. Gegenwärtig muss sie deshalb mit Ängsten fertig werden, nach dem Tod ihres Meisters ins AgriKorps gesteckt zu werden. Auf gewisse Weise stellen beide Aspekte Anakin Skywalkers dar, ohne ihm jedoch spürbar ähnlich zu sein.
Mit der Fokussierung auf Dooku hat Sean Stewart allerdings ein bemerkenswertes Werk vollbracht. Der dunkle Lord und Graf von Serenno, der den Orden verlassen und sich von der korrupten Republik abgewandt hat, gehört mitunter zu den faszinierendsten Persönlichkeiten des Erweiterten Star Wars-Universums, obwohl er wie Darth Maul in den Filmen auf schlichte Attribute reduziert zum Bösen gemacht wurde. "Dark Rendezvous" verschafft dem Grafen erstmals mehr Kontur und lässt obwohl es eine Falle ist, wie Yoda sagt, mehr in seiner Botschaft erkennen, als er beabsichtigt hat. So erfahren wir von einer gewissen Sentimentalität des einstigen Jedi Meisters als er das Lichtschwert einer gefallenen Kameradin von Ventress ausgehändigt bekommt und fühlt sich in jene Szene zurückversetzt, wo er in Open Seasons 10 Jahre vor Kriegsbeginn der Gefallenen von Galidraan gedenkt. Innerlich ist selbst Darth Tyranus noch nicht völlig korrumpiert, was auch zu seiner Unfähigkeit beiträgt den womöglich gleich altrigen oder sogar jüngeren Darth Sidious zu stürzen. Dazu müsste er sich jedoch Asajj Ventress bedienen, die darauf brennt sich als Dookus Sith-Schülerin zu beweisen, jedoch wegen der Regel der Zwei und aufgrund von Dookus Vorbehalten gegenüber ihrer jugendlichen Ungestümtheit als dunkle Jedi ihr Dasein fristen muss.
Bei all den wundervollen Charakterisierungen und Dialogen ist die Handlung fast schon zweitrangig und doch ist sie nicht ganz uninteressant, vor allem was das ein wenig an die Jugendbuchreihe Jedi Apprentice erinnernde Turnier der Schüler betrifft.
Fazit:
Trotz kleiner Mängel eine klare Empfehlung für erzählerisch anspruchsvolle Star Wars-Fans.