RED HARVEST scheitert an fehlender Sith-Atmosphäre, einer Unzahl unnützer Handlungsstränge und einem Mangel an Charakteren mit denen man sich identifizieren könnte. Die zunächst als Protagonisten angedeuteten Sith-Schüler entpuppen sich als billiges Frischfleisch und selbst jene die sich zunächst etwas von der Masse abzuheben scheinen sind nur Opfer, einen blutigen Macht- und Überlebenskampf um Shuttle, Verstecke oder dergleichen wollen sich die Teenager jedenfalls nicht liefern. Man würde es auch kaum bemerken wenn die Sith-Akademie eine Militärschule oder eine Art Hogwarts wäre, man müsste nur die Kulisse umändern. Wenigstens die tragische Romanze bleibt einem erspart. Und der "Jedi-Heldin", die im Grunde kaum Heldenmut beweist, hilft der wohl von Joe Schreiber als Wille der Macht konstruierte Zufall oft genug aus, dass die unbewaffnete und nur unzureichend für Kampfeinsätze Ausgebildete lange genug überleben kann. Einige Spannungsmomente sind zwar vorhanden, aber viel zu selten und Schreiber unternimmt wenig, um diese Spannung weiter auszubauen und aufrecht zu erhalten. Wie denn auch, wenn er zunächst einmal von Charakter zu Charakter springt. Beim eher bescheidenen Umfang des Werks hätte es sich vielleicht bezahlt gemacht die Zahl der Protagonisten wie in DEATH TROOPERS möglichst nach unten zu schrauben.
~~~ Detailfassung ~~~
3654 Jahre vor der Schlacht um Yavin. Odacer-Austin. Als Sith-Schüler Wim Nickter nach einer erniedrigenden Niederlage gegen Star-Student Rance Lussk spurlos verschwunden ist brodelt die Gerüchteküche. Treibt Akademieleiter Darth Scabrous in seinem Turm dunkle Sith Alchemie-Experimente mit den verschwundenen Studenten? Jura Ostrogoth soll es herausfinden, doch der Sith-Schüler handelt nicht ganz aus freien Stücken. Sein Kollege Scopique zwingt ihn einfach dazu, schließlich hat er ein sehr belastendes Video gegen Jura in der Hand. Das erste was Jura erfährt, die letzten beiden Besucher Darth Scabrous Labors sind wie vom Erdboden verschluckt und nun bringt ein weiterer Kopfgeldjäger eine Jedi in das Laboratorium des Sith Lords...
Es gibt im Star Wars-Universum wohl kaum einen düstereren und von Gewalt wie allen Spielarten der dunklen Seite geprägten Ort wie eine Sith-Akademie. Die fast perfekte Kulisse für einen Horrorroman über einen größenwahnsinnigen Sith Lord und dessen skrupelloser Experimente. Fehlte in DEATH TROOPERS eine Erklärung dafür welchen Zweck das Virus erfüllen sollte und woher es stammt, während zugleich keine Spur von Machtsensitivität zu finden war, versucht RED HARVEST nun mit all dem aufzutrumpfen.
Sith, Jedi und Zombies - ein vielversprechender Mix?
Theoretisch auf jeden Fall. Doch Schreiber weiß auch in seinem DEATH TROOPERS-Prequel das zahlreiche Fragen ausräumen sollte nicht mit den "Star Wars"-Elementen seiner Geschichte umzugehen. Was in DEATH TROOPERS an Kritikpunkten nicht so schwer ins Gewicht fiel, wirkt sich nun katastrophal auf das Prequel aus, auch weil man vielleicht wegen des Anfängercharakters seines Star Wars Erstlings Milde walten ließ. Schon in DEATH TROOPERS erwies es sich als etwas störend dass Schreiber den rauhen Gefängnisalltag an Bord der Purge auf einige narrative Anmerkungen und Aur Myss beschränkte. Nun scheitert Schreiber daran das Umfeld der Sith-Akademie glaubhaft zu inszenieren. Anstatt eines Haufens mordlüsterner, machtbewusster und entsprechend gefährlicher backstabber findet man eine Gruppe Teenager vor, unter denen sich nicht mehr unsympathische Brutalos finden als in einem beliebigen anderen Internat. Dass diese Jugendlichen Sith sein sollen erfährt man zunächst nur durch Erzähler Joe Schreiber der ihnen dieses Prädikat samt dunkler Gewänder eben umgehängt hat. Bei allem Respekt gegenüber Vermenschlichung der Bösen, etwas mehr Sith und weniger Teenager Horrortrip hätte dem Roman gut getan. So hätte Schreiber nur wenig ändern müssen um aus der Sith-Akademie eine Art härteres Hogwarts zu machen oder ähnliches. Ein Vorbild hätten die Darth Bane-Romane sein können, um der dunklen Seite in RED HARVEST mehr Kontur zu geben, der erste Sith-mäßige Verrat findet sich erst lange nachdem die Seuche wirklich ausgebrochen ist.
--- Die Charakterzeichnung ---
Eine andere nun deutlicher zu Tage tretende Schwäche des Prequels gegenüber seinem Vorgänger ist auch Schreibers mangelnde Bereitschaft seinen Charakteren so etwas wie Tiefe zu verleihen, denn auch RED HARVEST hat wieder eine unterdurchschnittliche Seitenzahl und nutzt diese zunächst um eine Menge Nebenhandlungen zu eröffnen und Charaktere einzuführen, die dann alle relativ schnell über die Klinge springen müssen und nur mit bestimmten Prädikaten wie "Top-Student" Rance Lussk, Underdog Wim Nickter, Streberin Kindra oder der ehrgeizige doch aufgrund seiner Körpergröße stets unterschätze Mnah Ra'at versehen werden. Vergleichsweise hat sich Schreiber mit der naiv-jugendlichen Ärztin Zahara Cody, dem brutalen Wärter Jareth Sartoris und den Gebrüdern Longo noch für jeden seiner Protagonisten eine Hintergrundgeschichte ausgedacht. Dem stehen die Sith-Schüler völlig farblos gegenüber. Sie erhalten nur rudimentäre Charakterzüge und auch Sith Lord Darth Scabrous bleibt zunächst eine mehr schattenhafte Gestalt. Gerade die für Red Harvests Verhältnisse besser ausgearbeiteten Sith-Charaktere müssen allerdings viel zu früh von der Bühne abtreten.
--- Die Helden ---
Unklarheit herrscht zunächst wer denn die Protagonisten des Romans sein sollen. Die Sith-Schüler? Oder doch das entführte Jedi-Mädchen und sein etwas später eingeführte ihr heldenhaft zu Hilfe eilender Jedi-Bruder? Die Entscheidung fällt schlussendlich für die Jedi aus, als diese völlig unverhoffte Hilfe von einem starken Alien-Beschützer erhält. Doch auch Mechaniker Pergus Frode soll schlussendlich als so etwas wie ein Held hervortreten. Während sich Hestizo Trace, die Jedi mit dem grünen Daumen, aufgrund ihrer Machtbindung zur für Darth Scabrous Pläne unersetzlichen Murakami Orchidee in der Gewalt eines Kopfgeldjägers wiederfindet und nachdem Ausbruch der Seuche auf Odacer-Faustin zunächst durch Telepathie mit der Orchidee in Kontakt steht, auch wenn diese zum Teil jenes Serums geworden ist, durch das sich die Plage verbreitet, und so die ersten Schwierigkeiten überlebt dient ihr Bruder rein dazu den Part des selbstlosen Retters zu erfüllen, ein Horrorfilmklischee wird wahr. Überraschungen sollte man keine großen erwarten, denn RED HARVEST folgt sogar noch mehr als DEATH TROOPERS klischeehaften Entwicklungen.
--- Das Böse ---
Bliebe noch das Mastermind Darth Scabrous, um Joe Schreibers Ehre in Hinsicht auf die Charakterzeichnung zu retten. Doch so sehr man sich danach sehnt und immer wieder ein Fitzelchen Spannung hingeworfen bekommt, die Enthüllung von Scabrous Plänen und Taten erweisen sich dann doch als unbefriedigend. Das liegt zunächst einmal daran dass Schreiber diese Enthüllungen sehr konstruiert ständig hinauszieht und sie dann doch nicht so aufregend zu vermitteln vermag. Scabrous selbst reduziert er auf die Rolle des Alchemisten der Unsterblichkeit erlangen wollte und sich mit Hilfe einer Blutpumpe zunächst davor bewahrt der Infektion zu erliegen. Dieses Element eines "Halbzombies" der dank seiner Machtfähigkeiten ein überlegenes Wesen darstellt wäre durchaus spannend gewesen, wie auch in dem Moment als Rance Lussk entdeckt dass die Infektion ihm sogar für einen Sith noch übermenschliche Fähigkeiten und vor allem Möglichkeiten eröffnet hat und er nur dann zum hirnlosen Zombie degeneriert wenn er wirklich stirbt. Doch solche Moment wo wirklich diese Bösartigkeit und Machtgier eines wahren Sith durchscheint sind viel zu selten. Schreibers Sith sind einfach zu brav und wer erwartet, dass der Ausbruch der Krise zu manch ehrgeizigen Plänen führt sich lästiger Konkurrenten zu entledigen und die Gelegenheit wie auch immer für sich zu nutzen, wird weitgehend enttäuscht. Entsprechende Vorfälle konzentrieren sich vor allem auf den Hauptteil und sind sehr selten.
Zwar ist Scabrous noch am ehesten "der Böse" doch die Rolle der dunklen Bedrohung geht eindeutig an den von der schwarzen Orchidee geschaffenen Zombie-Virus. RED HARVEST enthüllt nun endlich dass dieser nämlich durch eine Korrumpierung der Midichlorianer funktioniert und die Zombies durch so etwas wie ein gemeinsames Hive-Bewusstsein nicht länger auf ihre natürlichen Sinne angewiesen sind. Gewisse Widersprüche zu DEATH TROOPERS wie in Hinsicht auf das Vorhandensein von Lebenszeichen und wie diese Kreaturen zu töten sind haben sich wohl auch ergeben (einmal reichen Sith-Blitze dann erweisen sich auch abgetrennte Köpfe noch als wehrhaft). RED HARVEST ist sogar in sich widersprüchlich wenn infizierte wie Lussk oder Darth Scabrous zunächst bei vollem Bewusstsein sind und erkennen dass nur der Tod sie in willenlose Zombies verwandelt, während manche ihre Sith-Kollegen schon durch einen einfachen Biss zu degenerieren beginnen.
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