"Im Fadenkreuz" ist der erste Band der neuen "Rebel Force"-Reihe und spielt wenige Wochen nach der Zerstörung des ersten Todesterns - nicht nach der des zweiten, wie man aufgrund des Klappentextes fälschlicherweise vermuten könnte. Das 170-seitige Büchlein ist eine harmlose, mäßig spannende Abenteuergeschichte mit eher wenig Action, überwiegend bekannten Charakteren und Han Solos gewohntem Slapstick-Humor.
Die Handlung ist simpel und wird im Stil von Episode IV präsentiert. Kurz nach der Zerstörung des ersten Todessterns in der legendären Schlacht von Yavin fangen die Rebellen eine Botschaft des Imperiums ab, die für den Piloten, der den Todesstern zerstörte, einem Todesurteil gleichkommt, da nun alle Imperialen Kräfte fieberhaft nach ihm suchen. Doch das sind nicht die einzigen schlechten Nachrichten für Luke und seine Freunde von der Rebellion. Die Allianz befindet sich auch finanziell in einer Notlage, weil sie einen Großteil ihrer Geldmittel auf Alderaan gelagert hatten. Nach der Zerstörung des Planeten durch den Todesstern brechen Luke, Han und Leia samt ihrer obligatorischen Begleiter, den Droiden C-3PO und R2-D2 und dem Wookie Chewbacca nach Muunilinst auf. Der Planet ist auch nach der Auflösung des Intergalaktischen Bankenclans, der in den Klonkriegen die Separatisten unterstützte, noch das Finanzzentrum der Galaxis. Doch schon bevor sie den Planeten erreichen geraten sie in Probleme und treffen den seelenlosen, imperialen Killer X-7, der sich als Rebel ausgibt. In Wahrheit dient er einem ehrgeizigen imperialen Offizier und soll den gesuchten Piloten töten und die Allianz infiltrieren...
Für die amerikanische Autorin Alex Wheeler (mit wahrem Namen heißt sie Robin Wasserman (?)) ist "Im Fadenkreuz" das erste Buch, das sie dem Star Wars Universum beisteuerte. Die 1978 in den USA geborene Wheeler fiel bisher eher als Autorin von Jugendbüchern auf. Auf Englisch sind inzwischen auch Band zwei und drei ("Hostage", "Renegade") der Reihe - ebenfalls von ihr - erschienen. Der vierte Band, "Firelight" wird auf Englisch am 1. September erscheinen.
Obwohl die Handlung als mehr oder weniger abgeschlossen betrachtet werden kann, lässt sie dennoch einiges offen - klingt paradox, ist aber so - und hebt den großen Showdown wohl für den letzten Band auf (?). Der Handlung fehlen zwar jegliche tragische oder epische Aspekte, trotzdem ist sie mäßig spannend. Die Atmosphäre kommt, insbesondere was das Zusammenspiel der Charaktere angeht, der von Episode IV am nächsten: Eher ein (in diesem Fall ziemlich kleines) Weltraummärchen als ein Epos. Zudem sind im Finale eindeutige Bezüge und Anlehnungen an Episode I zu erkennen. Manch einem wird die Handlung allerdings wahrscheinlich relativ belanglos vorkommen - insbesondere denen, denen die Abenteuer von Han, Leia und Luke nach dem gefühlt Tausendsten Buch zum Halse raushängen (das ist nicht meine persönliche Meinung).
Die etwas oberflächliche Charakterzeichnung ist aber durchaus gelungen. Die Autorin hat die Helden, wie sie in Episode IV dargestellt werden, gut erfasst und punktet mit Dialogen ganz im Stile von "Eine neue Hoffnung": nicht alzu tiefsinnig, dafür aber zweckdienlich und noch etwas naiv. Han hat immer einen Spruch auf den Lippen und sorgt so für den ein oder anderen Schmunzler/Lacher. Auch die ständigen Streitereien zwischen ihm und Leia errinnern stark an die Kinofilme. Ansonsten hält sich die Autorin allerdings an die bekannten Charaktere - mit Ausnahme von X-7, der noch sehr oberflächlich bleibt - und zeigt wenig Initiative zur Weiterentwicklung. Außerdem ist das Buch zwar äußerst actionarm, aber dafür meistens schlüssig.
Fazit:
Ganz bestimmt kein Meisterwerk, aber eine nette Ergänzung für jeden, der noch nicht genug von der Rebellenzeit hat. Dabei ist "Im Fadenkreuz" kaum mehr als eine Zwischenlektüre (in zwei bis drei Tagen locker durchzulesen) und lässt eher selten echte Star Wars-Atmosphäre aufkommen. Wer nicht alzu viel erwartet könnte halbwegs zufrieden sein; allen Anderen rate ich vom Kauf ab. Mit Ach und Krach drei Sterne.