Nach dem Erfolg der Mission auf Muunilinst steuert der Millenium Falcon nun Leias eigentliches Ziel an, Delaya, den Schwesterplaneten Alderaans, auf dem sich die Mehrheit der Überlebenden Alderaaner als Flüchtlinge eingefunden hat. Offiziell kommt Leia zwar um ihrem Volk Mut zuzusprechen, doch insgeheim soll ihre Mission dazu dienen Rekruten für die Rebellen-Allianz anzuwerben. Doch die offizielle Tour mit Delayas Premier und seinem Stellvertreter verbirgt die wahre Situation der Flüchtlinge, wie Luke leidvoll erfahren muss, als er anstatt Leias von diesen entführt wird. Delayas Regierung sackt die Spendengelder ein und pfercht das Gros der ohne Vermögen zurückgebliebener Alderaaner in aufgelassene Fabriken. Die Schuld daran geben Lukes Entführer Leia und ihrem Vater, die Alderaan ihrer Ansicht nach gegen den Willen des Volkes in einen Krieg gestürzt haben, anstatt der Tradition entsprechend friedlich und neutral zu bleiben...
Mit "Die Geisel" führt Alex Wheeler die Handlung ihres Star Wars-Debütromans "Im Fadenkreuz" direkt fort, indem die großen Drei (Luke, Leia und Han) nun auf Leias eigentlichen Bestimmungsort Delaya ankommen. Anders als in "Im Fadenkreuz" bleibt die Handlung diesmal jedoch bis auf wenige Rückblenden in Leias Kindheit mit der Welt in Alderaans Schatten verbunden. Doch die in Rebel Force 1 etablierte Nebenhandlung um den Attentäter X-7 tritt zunächst deutlich in den Hintergrund, denn auf Delaya steht ganz klar Leia Organa im Mittelpunkt. Zwar ist durchaus eine Spannungskurve vorhanden, doch flacht diese gerade im kritischen Mittelteil eher ab und lässt zeitweise kein Gefühl gegenwärtiger Bedrohung aufkommen, obwohl Verrat und damit das Imperium hinter jeder Ecke lauern könnte. Dafür darf man sich als eingefleischter Fan und Kenner der Jugendbuchserien aus Jude Watsons Feder auf eine lockere Unterhaltung freuen, die nicht ganz uninteressante Entwicklungen aus Der letzte Jedi aufgreift und mit Rebel Force vereint.
Zwar ist Rebel Force 2 eindeutig ein Jugendbuch und damit nicht gerade besonders anspruchsvoll, doch Alex Wheeler gelingt es dennoch im Vergleich zu Jude Watsons Werken besser abzuschneiden, vollbringt sie doch das Kunstwerk Atmosphäre zu schaffen und obgleich vielleicht etwas ignorant gegenüber den Imperium-Comics einen ähnlichen Weg einzuschlagen wie er im Zweiteiler "A little piece of home" (enthalten im Sonderband 25 Herz der Rebellion) beschritten wurde. So findet Leia unter den Hinterbliebenen ihres Volkes nicht nur Sympathisanten, sondern auch solche die ihr vorwerfen für den Untergang Alderaans verantwortlich zu sein, schließlich hatten sie und ihr Vater den Planeten erst in die Rebellion reingezogen. Zugleich verbindet Alex Wheeler diese Stimmung mit einer hintergründigen Politikverdrossenheit, die wir schon aus den Prequels kennen. Zwar wird dieser "politische" Aspekt nicht völlig ausgespielt, wohl um vermeintliche Fehler der Prequels zu vermeiden, doch in Spurenelementen ist er durchaus vorhanden. Somit bleibt die Tatsache zweitrangig, dass die Zerstörung Alderaans einen Einbruch der Exporte Delayas verursacht hat und folglich entsprechend viele Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen, während tausende Flüchtlinge zuströmen und die Regierung fast auf sich allein gestellt ist. In diesem Sinne der jugendbuchgerechten Vereinfachung werden auch die Ressentiments gegenüber Leia einer kleinen Gruppe Alderaaner zugeschrieben, die sogar bereit wären für die Ansiedlung auf einem neuen Planeten ihre Prinzessin an das Imperium zu verkaufen.
Leias intensive Porträtierung möglich wird durch Fess Ilee, der zunächst als Freund Bail Organas vorgestellt wird, dem Leia jedoch aufgrund seiner Eigenschaften als Dummschwätzer und meinungsloser Speichellecker mistraut. Hinter Fess versteckt sich jedoch ein nicht ganz unbekannter, der über Leia wachen wollte, wie Obi-Wan Kenobi über Luke Skywalker. Durch Fess der von Leias Bruder weiß, wird Luke zudem unter Rücksichtnahme auf die Prequels als nicht ohne Spuren der dunklen Seite und wütender junger Mann präsentiert, der in etwa das ist was Anakin hätte werden können, wenn er nicht Obi-Wans Padawan geworden wäre. Der verstorbene Jedi-Meister kehrt übrigens als Geist sogar mehrfach zurück und beweist dass sein Tod durch die Klinge Darth Vaders ihn tatsächlich mächtiger werden hat lassen, als es der Sith-Lord je geahnt hätte. Mit Yoda berät er im Prolog des Buchs bereits die für den weiteren Verlauf von Rebel Force sicher tragende Entwicklung die Luke machen muss, um schließlich reif für eine Jedi-Ausbildung zu werden. Scheinbar ist Obi-Wan durch die Macht zudem mit Luke verbunden und nicht selten wirkt es so als würde er anstatt der Macht die Hand Skywalkers führen.
Mit Fess Ilee schafft Alex Wheeler eine exklusive Verbindung (kommen da noch mehr?) zu vorangegangenen Jugendbuchreihen und verwebt dies mit den Prequels und der klassischen Trilogie. "Die Geisel" erklärt das Handeln der letzten Jedi durch Obi-Wans Machtgeist und führt neben der bestehenden Nebenhandlung um X-7 eine weitere ein, die sich als tragend für den Verlauf von Rebel Force erweisen dürfte.
Wie schon bei "Im Fadenkreuz" kann man auch "Die Geisel" als ein durchaus gelungenes und solides Jugendbuch bezeichnen, das von einer Autorin profitiert, die sich in ihrem Erzählstil angenehm von Jude Watson unterscheidet. Dabei ist das Buch deutlich kürzer als ein Roman, doch sollte man sich vor Augen führen dass vom Umfang her so mancher Romanhandlungsstrang nicht mehr enthält. Die Geisel hält sich zudem nicht mit aufwendigen Nebenhandlungen auf und flechtet nur gelegentlich Rückblenden ein, um die Hintergrundgeschichten von Charakteren wie Fess Ilee zu beleuchten, die der Geschichte zudem eine gewisse Würze verleihen. Zwar kommt die Action ähnlich dem ersten Band eher knapp und die Spannungskurve bleibt über längere Zeit relativ flach, doch dafür erhält man einiges an Hintergrundinformationen, die sich für den weiteren Verlauf der Reihe entscheidend erweisen dürften.
Fazit:
Im Grunde wenig spektakulär, aber dennoch eine amüsante und interessante Lektüre mit klassischem Star Wars-Flair.