Kurzbeschreibung
Obi-Wan Kenobi und dessen Padawan Anakin Skywalker in einem neuen, atemberaubenden Abenteuer! Der Meister und sein Schüler befinden sich auf Raggon-6 und sollen einen vertrauten Jedi aufspüren. Die Spur des Freundes führt sie in brandgefährliche Situationen und schon bald müssen sie erkennen, dass sie selbst die Beute skrupelloser Kopfgeldjäger sind...
Über den Autor
Jude Watson heißt eigentlich Judy Bundell und ist eine preisgekrönte Autorin für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Berühmt wurde sie unter ihrem Pseudonym für ihre Star-Wars-Romane. Sie lebt mit ihrem Mann in Katonah, USA, in der Nähe von New York.
Auszug aus Star Wars, Jedi Quest, Bd.4 : Tödliche Spiele von Jude Watson. Copyright © 2003. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Die Raumfahrtstraßen um den Planeten Euceron waren geradezu verstopft mit Fahrzeugen. Große Transporter und wendige Passagierschiffe krochen im Orbit dahin. Trotz der allgegenwärtigen Raumstraßen-Offiziere auf ihren Raum-Swoops ging vielen Piloten das Temperament durch, wenn Raumkreuzer und Shuttles bei den Landeplattformen um die besten Positionen rangen. Der vierzehnjährige Anakin Skywalker riss seinen Galan- Raumjäger herum, als er einem Kreuzer ausweichen musste, der sich in der Warteschlange vordrängeln wollte. "Pass doch auf, du Kiesmade!", bellte er, obwohl er genau wusste, dass der andere Pilot ihn nicht hören konnte. Sein Meister, Obi-Wan Kenobi, räusperte sich neben ihm. "Ich weiß, ich weiß", sagte Anakin. "Meinen Zorn spüren und ihn loslassen. Aber muss ich denn immer ein Jedi sein, sogar im Raumverkehr?" Er grinste seinen Meister an, denn die Antwort kannte er schon. "Du bist in jedem Moment deines Lebens ein Jedi", sagte Obi-Wan. "Auch wenn von rechts ein anderer Raumkreuzer hereindrängt." "Was?" Anakin wandte seine Aufmerksamkeit sofort wieder dem Fliegen zu. Ein silberner Raumkreuzer versuchte, sich mit der Nase in die Flugbahn zu drängen - Anakin zog seinen Jäger nach links und ließ ihn dann sauber wieder in den freien Raum vor sich gleiten. Obi-Wan lehnte sich in seinem Sitz zurück. "Wenn du es zulassen würdest, dass sich jemand vor uns einreiht, würde uns das gerade einmal fünf Minuten kosten. Wäre das denn so schlimm?" Sein Meister fand immer eine Gelegenheit, eine Lektion zu erteilen, selbst wenn sie in einer verstopften Raumfahrtstraße auf die Landung warteten. "Ich glaube nicht", sagte Anakin. "Wir haben es ja nicht eilig. Aber es ist einfach nicht in Ordnung, sich vorzudrängeln." "Nein", gab Obi-Wan zurück. "Aber das ist Sache des anderen Piloten. Indem du ihn davon abzuhalten versuchst, nährst du nur deinen eigenen Zorn und deine Ungeduld. Vielleicht ist das viel schlimmer." Anakin erkannte die Wahrheit in Obi-Wans Worten. Das war ja das Schlimme. Obi-Wan sagte immer Dinge, die stimmten. Das einzige Problem war, dass Obi-Wan nicht verstand, welch ein gutes Gefühl es für Anakin war, wenn er den Raumjäger nach vorn gebracht und den anderen Kreuzer davon abgehalten hatte, sich einzureihen. Die Raumstraßen-Offiziere gaben Anakin ein Zeichen. Es war eine neue Straße für Landungen freigegeben worden. Anakin ließ den Jäger hineingleiten. Jetzt, da er der Erste in der Warteschlange war, konnte er sich umsehen und all die anderen Raumkreuzer bewundern, die sich in der Atmosphäre befanden. "Ich wusste, dass auf Euceron viel los ist, aber das hatte ich nicht erwartet", sagte Anakin. "Auf Coruscant wird der Raumverkehr wenigstens strikt kontrolliert. Das hier ist ein einziges Durcheinander." "Auf Euceron gibt es normalerweise nicht so viel Verkehr", stimmte Obi-Wan ihm zu. "Aus allen Teilen der Galaxis kommen Wesen zu den Galaktischen Spielen." "Mir war nicht klar, dass sie alle gleichzeitig ankommen würden." Anakin war nicht wirklich mürrisch. Eigentlich machte ihm das Chaos Spaß - all das Gerangel um die Raumfahrtstraßen und die Gelegenheit, so viele verschiedene Arten von Raumkreuzern auf einmal zu sehen. Als er über diese Mission informiert worden war, hatte Anakin sein Glück beinahe nicht fassen können. Sein Meister und er hatten nichts weiter zu tun, als während der Galaktischen Spiele zu patrouillieren und auf Anzeichen von Schwierigkeiten Acht zu geben. Die Galaktischen Spiele fanden alle sieben Jahre statt und Planeten der ganzen Galaxis bewarben sich dafür, Gastgeber sein zu dürfen. Die Spiele waren aufregend und manchmal gefährlich; die schnellsten und geschicktesten Wesen nahmen an Wettkämpfen und Rennen teil. Anakin konnte es kaum erwarten, die zahlreichen Veranstaltungen zu sehen. Die Regierung von Euceron hatte die Jedi um Hilfe gebeten, den Frieden zu wahren. In den letzten sieben Jahren hatte sich die Galaxis sehr verändert. Allzu oft gab es neue Krisenherde. Einige Systeme hegten einen Groll gegen den Senat; ein paar Planeten waren in Handelskonflikte mit anderen Planeten verwickelt. Während der Spiele würden Wesen von den verschiedensten Welten auf engstem Raum zusammen sein und manche von ihnen waren einander feindlich gesinnt. Das konnte leicht zu Konflikten führen. Andererseits kamen alle, um ein wenig Spaß zu haben. Anakin wusste, dass zumindest er Spaß haben würde. Die Galaktischen Spiele waren vor über acht Jahrzehnten zum ersten Mal ausgetragen worden, um den Frieden mit Hilfe des Sports zu wahren. Die Gewinner wurden oft berühmt; sowohl auf ihren eigenen Planeten als auch an Orten, die sie niemals bereist hatten. Sogar als Sklave auf Tatooine hatte Anakin Geschichten über ihre Waghalsigkeit und ihre enormen Fähigkeiten gehört. "Euceron tut alles, um die Lage unter Kontrolle zu halten", sagte Obi-Wan. "Die Regierung möchte unter allen Umständen vermeiden, dass irgendetwas schief geht. Sie versuchen zurzeit, im Senat mehr Macht zu bekommen und in bedeutende Komitees geladen zu werden. Die Spiele sind daher wichtig, um die Stabilität des Planeten zu demonstrieren." Anakin nickte, obwohl ihn die Senatspolitik langweilte. Er wurde jetzt benachrichtigt, dass er auf der Plattform von Eusebus landen konnte. Eine Reihe von Lasersignalen zeigte ihm, welche Bucht er ansteuern musste. Er flog schnell und tief heran und führte eine geschickte Wende durch, die den Raumjäger geradezu perfekt in Position brachte. Er warf seinem Meister einen Blick zu, weil ihm bewusst war, dass er ein wenig angegeben hatte, doch Obi-Wan war bereits mit den Landeformalitäten beschäftigt. Anakin griff nach ihren Survival-Packs und aktivierte die Landerampe, die zu einem Empfangszentrum hoch über der Hauptstadt des Planeten, Eusebus, führte. Anakin konnte es kaum erwarten auszusteigen. "Dies wird dir eine gute Gelegenheit geben, über eine weitere Jedi-Lektion nachzudenken", sagte Obi-Wan. "Die Verbindung mit der lebendigen Macht. Hier gibt es Wesen von überall aus der Galaxis. Du wirst die verschiedensten Energieformen aufnehmen können. Man kann viel lernen, wenn sich so viele Wesen auf einem Planeten tummeln." "Ja, Meister." Anakin stand ungeduldig am Eingang zum Terminal, während sich Obi-Wan noch einmal versicherte, dass die Kabine ihres Raumers gesichert war. Anakin hielt natürlich still; obwohl er seine Aufregung nicht besiegen konnte, hatte er doch gelernt, sie zu verbergen.