Allem voran, Rogue Planet bildet die inhaltliche Vorgeschichte zum "Verschwinden" Zonama Sekots und Vergeres, die Lesern von The New Jedi Order bereits ein Begriff sein werden. Bevor man sich also dem Finale dieser Buchserie, vor allem den letzten vier Bänden, widmen kann sollte man noch dieses Buch zur Hand nehmen.
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Drei Jahre nach dem Tod Qui-Gon Jinns ist Anakin Skywalker nun der Padawan Obi-Wan Kenobis, doch der Junge beteiligt sich auch entgegen den Anweisungen seines Meisters immer wieder gerne an illegalen Rennveranstaltungen und verbringt einen Großteil seiner Freizeit damit Droiden zusammenzubasteln. Allmählich sieht sich der Jedi-Rat gezwungen dem Einhalt zu gebieten und so werden Obi-Wan und Anakin endlich auf ihre erste wichtige Mission entstandt. Gemeinsam sollen sie das Verschwinden der Jedi-Ritterin Vergere untersuchen, welche auf dem für seine exklusiven Raumschiffe bekannten Planeten Zonama Sekot zuletzt gesehen wurde.
Anderenorts treffen sich derweil Commander Tarkin und sein alter Freund der Schiffsbauer Raith Siener, welchem er von seinen ambitionierten Plänen berichtet, dank denen sie beide zu großen Reichtum und Macht gelangen könnten. Unter Druck gesetzt stimmt Sienar entgegen anfänglicher Bedenken sogar zu, Tarkin bei der Ausführung zu unterstützen. Zusammen mit einem zwielichtigen Attache und einer zusammengewürfelten Flotte, die der Handelsföderation abgenommen wurde, soll Sienar ein Schiff von Zonama Sekot in seinen Besitz bringen, um die Geheimnisse seiner Herstellung ergründen zu können...
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An sich ist "Rogue Planet" eine nicht ganz unspannende Geschichte, die zwar gemessen an anderen Star Wars-Romanen nur dem Durchschnitt entspricht, aber dafür eine Menge Hintergrundinformationen zu Filmen und Ereignissen des Expanded Universe bietet. Dabei berichtet Greg Bear von Anakins und Obi-Wans erster Mission, die sie noch vor Jude Watsons Jugendbuchreihe (in welcher die Abenteuer des Padawan-Meister-Gespanns zwischen Episode 1 und 2 erzählt werden) erleben müssen. Eine der raren Gelegenheiten also den Padawan Anakin außerhalb von Watsons Jugendbücher zu erleben. Zudem ist Bears Werk nicht nur eines der wenigen das sich den turbulenten Zeiten der "Zwischenkriegszeit" zwischen der Blockade von Naboo und dem Ausbruch der Klonkriege widmet, sondern kann auch zu jener handvoll Romane gezählt werden die wie einst "Shadows of the Empire", "Cloak of Deception" oder "Approaching Storm" entweder als Vorgeschichte für die Filme herhalten können oder eben eine Brücke zwischen den Großereignissen der Filmhandlung schlagen dürfen. Das allein macht "Rogue Planet" für Fans bereits lesenwert.
Im Sinne des Plots um das Debüt des Duos Kenobi-Skywalker sind insbesonders die Einsichten in die Beziehung zwischen Meister und Padwan. Obi-Wan wird ganz offensichtlich mit Anakin nicht fertig und wünscht sich nach der Ausbildung Skywalkers ein Jahr der Isolation auf einem Wüstenplaneten, um einmal von allem wegzukommen. Für Obi-Wan hat sich das Meister-Padawan-Verhältnis das er zu Qui-Gon Jinn hatte schlicht und einfach umgekehrt und nun ist er als Ruhepol in dieser Beziehung Meister eines ungestümen unkonventionellen Padawans, dessen Fähigkeiten die seiner Altersgenossen bei weitem übertreffen. Und einmal mehr wird er daran erinnert als Kind genauso gewesen zu sein, wie Anakin, bevor er seine innere Mitte gefunden hat. Manches davon wird Kennern der Jedi-Quest-Reihe bekannt vorkommen, womit Greg Bear den Gegenbeweis antritt dass man die Geschichte des jungen Anakin Skywalkers auch in einem anderen Stil hätte erzählen können, als es Jude Watson tat. Hätte man auf die Reihe verzichtet und dafür Autoren wie Bear einige Werke in dieser Ära zugeschanzt, so mancher Fan hätte sich einen Haufen Credits für die Jugendbücher sparen können und die Story wäre zudem glaubhafter, umfangreicher und intensiver erzählt worden.
Als wissenswerte Details am Rande wird Star Wars-Fans sicher die Vorgeschichte des Todessterns ansprechen, welcher zu diesem Zeitpunkt noch ein sehr vager aber durchdachter Plan Raith Sienars (dem Inhaber von Santhe/Sienar Technologies, den späteren Entwickler der TIE-Fighter) war, der genauso wie Wilhuff Tarkin (der spätere Grand Moff, Gouverneur und Herr über den Todesstern) sein Romandebüt feiern darf. Noch gehören beide zur ehrenwerten Oberschicht der Republik, doch Commander Tarkin, der gerade im Auftrag des Senats die ehemaligen Streitkräfte der Handelsföderation übernehmen und in die Sicherheitskräfte der Republik integrieren soll, redet seinem ehemaligen Kameraden von der Militärakademie scharf ins Gewissen, dass es eine Gruppe von mächtigen und einflussreichen Individuen geben soll, die der Ansicht sind, dass den Menschen die Zukunft gehören soll. Tarkin selbst, der früher für verschiedene Parteien aktiv wurde und opportunistisch agierte, hat sich nun ganz dieser Fraktion verschrieben, was er auch Sienar rät. Nicht-Menschen hätten durchaus ihren Platz in dieser vage definierten "New Order", doch den Ton würden andere angeben. Genauso wie in Hinsicht auf die düstere Zukunft Anakin Skywalkers und des Jedi-Ordens finden sich hier Vorzeichen für die spätere Entwicklung der Protagonisten.
Dabei leistet "Rogue Planet" auch wichtige Arbeit als Überbrückungsroman, lässt sich doch in Andeutungen und Anspielungen viel von der politischen Situation der Galaxis und ihres Wandels erkennen, der in den Prequels eine so bedeutende Rolle spielt. Die Handelsföderation wird entmilitarisiert, die Republik verleibt sich ihre Streitkräfte ein, doch strammen Militaristen wie Tarkin ist das noch nicht genug, sie haben sich in einer verschwörerischen Gruppe bereits organisiert und erfüllen für Darth Sidious einen wichtigen Zweck. Tarkins Konterpart Raith Sienar glaubt ihm zunächst nicht, als von künftigen Aufträgen der Republik die Rede ist. Sienar streubt sich, weil er glaubt dann wieder einmal mit alternden Ingenieuren arbeiten zu müssen, welche das Vertrauen der Senatoren genießen, aber zu nichts zu gebrauchen sind. Stattdessen sieht Sienar seine Zukunft bei den Minengilden und Partnern der Handelsföderation, welche sich bisher als gute und loyale Kunden erwiesen haben. Mittelfristig glaubt Sienar nicht an den Niedergang seiner Auftraggeber. Und obwohl die beiden als Ehrensenatoren höchst angesehene Angehörige der republikanischen Elite sind, wird an ihrem Beispiel bereits erkennbar wie ein Keil zwischen die verschiedenen Fraktionen innerhalb der Republik getrieben wird. Ein Keil der die maßgeblichen Kreise in handliche Fraktionen spaltet, von denen die eine in der Elite des Imperiums aufgehen werden, während die anderen irgendwann Opfer einer gnadenlosen Verfolgung und Vernichtung werden. Die Spurenelemente des Imperiums sind bereits erkennbar.
Fazit:
Keine Pflichtlektüre und eher durchschnittlich, doch durchaus interessant für Fans der Prequel-Ära und natürlich The New Jedi Order.