"Hast du jemals von der Tragödie von Darth Plagueis dem Weisen gehört?"
Nachdem der Roman, der sich mit genau dieser Tragödie befassen sollte, erstmalig 2006 angekündigt, dann gestrichen und letztendlich doch wieder bestätigt wurde, nun erschienen ist, hat sich mir die Geschichte um diesen mächtigsten aller Sith, der in der Lage war, den Tod von allen zu verhindern, nur nicht von sich selbst, endlich offenbart. Innerhalb von vier Tagen war ich mit ihr fertig, was für mich recht ungewöhnlich ist, da ich doch eher langsamer lese und für so ein Buch normalerweise gut zwei Wochen einplane. Dass es diesmal aber anders lief, lag einfach daran, dass mich die Geschichte total gefesselt hat und ich unbedingt wissen wollte, wie es denn nun weitergeht, auch wenn einem das Ende mehr oder weniger im Prolog verraten wird.
-kleine Spoiler können auftreten-
Die gut 370 Seiten (plus viereinhalb Seiten Auszug aus Shadow Games) sind in hauptsächlich drei Abschnitte plus Pro- und Epilog aufgeteilt.
Der erste spielt dabei ca. 35 Jahre vor Episode 1 und behandelt Plagueis' erste Schritte als Meister und gipfelt mit der Aufnahme Palpatines in den Orden. Letzterer wird dabei als jugendlicher Mensch eingeführt, der einem anfangs nicht unbedingt wie der Mann vorkommt, der Jahre später einmal Sith Lord und Imperator sein wird.
Der mittlere Abschnitt, welcher gut ein Jahrzehnt später spielt, bezieht sich auf Plagueis' Versuche mit den Midi-Chlorianern, den Einstieg von Palpatine in die große Politik, das Treffen auf Maul sowie das Hinarbeiten auf gewisse Ereignisse, die in den Filmen schließlich eintreten. Diese anspielend werden dabei auch Fragen geklärt, welche so in den Filmen offen blieben.
Der letzte Abschnitt läuft dann innerhalb von zwei Jahren direkt auf Episode 1 zu und bringt alle anderen Geschichten, die direkt davor spielen, unter einen Hut. Zum Beispiel werden die Ereignisse von 'Darth Maul: Saboteur', 'Darth Maul: Shadow Hunter' und auch diversen Comics aufgegriffen und in das große Ganz eingefügt.
Sowieso werden -soweit ich das beurteilen kann- alle relevanten Geschichten, die in der Zeit vor den Filmen spielen, erwähnt, sodass keine Kontinuitätsprobleme auftreten (wobei die Kontinuität in letzter Zeit in den Augen mancher wohl sowieso etwas gelitten hat). Desweiteren schafft Luceno es, die Bemühungen und die Philosophie dieser (in der lange Folge nach Bane finalen) Sith sehr gut darzustellen. Plagueis' Absichten für die Galaxie und seinen Orden werden glaubhaft dargestellt und auch die Regel der Zwei ist nicht unantastbar.
Überhaupt schaffte es der Sith Lord, mich soweit als Charakter in diesem Roman zu begeistern, dass mich der Verrat von Sidious am Ende eher auf die Seite von Plagueis brachte. In der Bane Reihe sah das noch anders aus. Dort stand ich eher auf Zannahs Seite als auf Banes.
Aber auch Palpatines Charakterentwicklung fand ich positiv. Vom wissensbegierigen und dennoch unterwürfigen Schüler zum eigentlich Akteur, Zuflüsterer und letztendlich Meister machte es Spaß seine Entwicklung zu verfolgen, selbst wenn man weiß, dass sie in der ultimativen Autorität gipfelt.
Leider kann ich nichts Greifbares aus literaturkritischer Sicht zum Roman sagen, da ich davon nur wenig Ahnung habe, vor allem wenn er auch noch auf Englisch ist. Was ich aber sagen kann, ist, dass ich ungewöhnlich oft zum Wörterbuch greifen musste, da mir doch viele Begriffe unbekannt (oder nicht präsent) waren (und das ist nicht das erste englische Buch, das ich gelesen hab). Da ich Lucenos Werke bisher nur übersetzt zu mir nahm, war mir die (in meinen Augen) Schwierigkeit seiner Sprache nicht bewusst. Mit Denning, Allston oder Karpyshyn hatte ich bisher, was das anbelangt, eher weniger "Probleme".
Dennoch bin ich der Meinung, dass der Roman gut zu lesen ist. Die Kapitel (30 Stück) haben eine angenehme Länge und es gibt immer wieder Szenenwechsel. Wenn ich nicht ganz verkehrt liege, werden die Geschehnisse auch immer nur aus Sicht der Sith, also entweder von Plagueis, Sidious oder Maul dargestellt.
Generell waren die Meinungen nach der Ankündigung des Romans ja gespalten. Neben denen, die sich auf den Roman freuten, gab es auch negative Meinungen. Manche waren und sind zum Beispiel mit so einem Buch überhaupt nicht zufrieden, da es Mysterien aufzudecken droht, die ihrer Meinung nach Mysterien hätten bleiben sollen. Andere dachten ähnlich, hofften aber, dass Luceno es schon schaffen würde, die ganze Sache gut über die Bühne zu bringen; nach dem Motto: Wenn so ein Buch schon geschrieben wird, dann nur von ihm.
Wie ich ja schon schrieb, wird die Kontinuität soweit eingehalten (es wird sogar auf die Serie 'The Clone Wars' Bezug genommen). Dennoch gab es aber auch andere, grundsätzliche Punkte, die eine gewisse Relevanz haben weit ab von der Frage, ob der Stark-Hyperraum-Krieg jetzt ein oder zwei Jahre früher stattgefunden hat oder nicht. Dazu gehört zum einen die Frage nach Anakins "Zeugung", die natürlich in dem Roman aufgegriffen wird. Es wurde ja lange zuvor (eigentlich seit der Szene von Palpatine und Anakin in der Oper) spekuliert, dass Anakin möglicherweise durch die Sith, genauer durch Darth Plagueis gezeugt worden war. Auch wenn ich dazu weiter nichts sagen möchte, möchte ich doch anmerken, dass ich das Ergebnis für gelungen halte.
Auch wurde durch gewisse Romanauszüge schon im Vorfeld deutlich gemacht, dass das Buch an die Ereignisse von Episode 1 heranreicht und sogar während des Films spielt. Da dieser ja in nächster Zeit noch einmal in die Kinos kommt, sage ich dazu auch nur, dass man den Film mit dem Wissen aus dem Roman anfangs vielleicht etwas anders sieht, der Film in seinen Grundfesten aber nicht erschüttert wird (nein, auch im Roman gehört Jar Jar Binks weiterhin zur Gruppe um Qui-Gon).
Alles in allem gehört 'Darth Plagueis' meiner Meinung nach zu den guten bis sehr guten Romanen des EUs, den man gelesen haben sollte. Nicht nur das, auch gehört er zu derselben Kategorie wie 'Labyrinth des Bösen', 'Schatten des Imperiums' oder 'Schleier der Täuschung', also zu den Büchern, die einem versuchen die Filme und gewisse Umstände näher zu bringen. Und da 'Darth Plagueis' dies gelingt, bekommt er von mir dafür auch fünf Sterne.