Wie schon sein Vorgänger hat auch der zweite X-Wing Rogue Squadron Omnibus für Fans der X-Wing-Romane und der frühen Ära der Neuen Republik wieder viel zu bieten. So werden der dritte bis fünfte Story-arc (
Battleground Tatooine,
Warrior Princess und
Requiem for a Rogue) der Serie samt des schon früher im Battleground Tatooine-Sammelband enthaltenen "Apple Jack X-Wing Specials" zusammengefasst und führen die Geschichte der Rogue Squadron nach "The Rebel Opposition" und "The Phantom Affair" fort. Zugleich bilden die Comics die Vorgeschichte zu den X-Wing Romanen und gerade diesem Omnibus wird man auf viele Charaktere treffen die auch später noch eine bedeutende Rolle im Leben der Rogues (The Bacta War und I, Jedi etwa) spielen werden.
Idealerweise hätte das X-Wing Special an den Beginn des ersten X-Wing Omnibus gehört, doch nun eröffnet das einstmals für Kelloggs Apple Jacks geschaffene Promo-Comic den zweiten Super-Sammelband. Als Grand Moff Nivers den Planeten Tandankin unterwerfen will und dessen Bevölkerung vor die Wahl stellt entweder zu sterben oder für das Imperium zu arbeiten, sind die Rogues gerade zum richtigen Zeitpunkt zur Stelle. Doch um Nivers TIE Fighter Armada auszuschalten zerstört Wedge eine enorme Säule, die sich als Heiligtum entpuppt, weshalb die Rogues als noch schlimmer als die Imperialen hingestellt werden. Es ist jedoch Luke Skywalker der persönlich für Wedge das Wort ergreift und den aufgebrachten Bürgern von den Heldentaten des Rogues erzählt, der ihnen nun die Freiheit gebracht hat.
In
"Battleground Tatooine" verschlägt es die Rogues schließlich nach Tatooine, wo sie Gerüchten über ein sehr ergiebiges imperiales Waffenlager nachgehen sollen. Doch die Rogues sind nicht die einzigen auf der Suche nach diesem Depot, denn neben Huff Darklighter der seine persönlichen Sicherheitskräfte aus den imperialen Beständen ausgerüstet hat, haben auch der potentielle Nachfolger Jabba the Hutts, Firith Olan und nicht zuletzt Sate Pestage davon Wind bekommen. Während Olan sich seiner Söldner und des in einem Spinnendroiden gefangenen Gehirns Bib Fortunas bedient um an sein Ziel zu gelangen hat der Großwesir des Imperiums einen Sternenzerstörer samt Elitesoldat Sixtus Quin entsandt, um die Koordinaten sicher zu stellen.
Nach dem Aufbruch Tatooine bleibt den Rogues wenig Zeit für Erholung oder Training, denn in
"Warrior Princess" erfahren sie dass ihre Kollegin Plourr Ilo in Wirklichkeit Prinzessin ist und damit nicht genug, droht der Bürgerkrieg auf ihrem Heimatplaneten zu eskalieren, so dass nur noch sie das schlimmste verhindern kann.
Direkt nach den Ereignissen auf Eiattu 6 sollen die Rogues in
"Requiem for a Rogue" im Marlev System einen gestrandeten Raumkreuzer bothanischer Touristen bergen. Doch einen TIE Jäger-Angriff später ist Wedge verschollen und die "Touristen" treiben ein undurchsichtiges Spiel, während sich mitten im Dschungel ein Möchtegern-Sith anschickt die Rogues und die Bothaner zu vernichten.
Drei Geschichten aus den gerne als "goldene Zeiten" des EU bezeichneten Post-Endor-Jahren als Diadochenkriege unter Palpatines Erben es der Neuen Republik leicht machten hier und dort mit Kommandoeinheiten wie den Rogues schnell mal einen Planeten in die Freiheit zu überführen. Was diese Zeiten so spannend macht ist allerdings dass sie in übersteigerter Form die Zeiten des Bürgerkriegs fortführen, als skrupellose imperiale Kommandeure Planeten unterjochten. Nun sind dieselben Kommandeure auf eigene Rechnung unterwegs und haben als Kriegsherren ziemlich freie Hand, jedoch keine Verstärkungen mehr sollten sie in ihren Unternehmungen scheitern. Mit den X-Wing-Comics und Romanen haben Michael Stackpole und Aaron Allston im Verein mit Timothy Zahn und dessen Thrawn Trilogie (sowie den unzähligen Kurzgeschichten) Herz und Seele dieser Ära geschaffen.
Dabei zeigen die X-Wing-Comics doch immer wieder dass es nicht bloß ein Kampf Imperium gegen Rebellen ist, sondern oft auch dritte Fraktionen eingreifen oder manch einer seine eigenen Ziele zu verwirklichen versucht. Auf Tatooine ein Verbrecherlord der in Jabbas Fußstapfen treten will, auf Eiattu ein Prinz und seine leicht sowjetisch angehauchten Revolutionäre, die einem feudalistischen Adel gegenüberstehen, auf Marlev 4 schließlich ein undurchsichtiger bothantischer Commander und ein ehemaliger Imperialer der sich die Macht eines Sith-Tempels untertan gemacht hat, um über die Eingeborenen zu herrschen als wären sie willenlos Sklaven. Was hier manchmal abstrakt wirken mag steht durchaus in bester Star Wars Tradition, man denke nur an die Marvel Comics. Doch sind Stackpoles X-Wing Comics irgendwie ernsthafter und haben dem modernen Expanded Universe einst den Weg geebnet.
Freilich, verglichen mit den neueren Comicreihen wie Republic, Empire, Rebellion, Invasion, Legacy und Co. kann man die X-Wing Comics nicht vergleichen. Am ehesten zeigt noch Knights of the old Republic jene Eigensinnigkeiten und humoristischen Allüren wie Wedge und seine Truppe. Auch zeichnerisch liegen schon sichtbare Jahre zwischen X-Wing und den Comics der Prequel-Generation, man braucht nur die Werke einer Jan Duursema anzusehen. Der wohl größte Unterschied mag sein dass jene oft auch ernsten Themen die in den X-Wing Comics gestriffen wurden mittlerweile offen aufgearbeitet werden, man denke an die Darstellungen von Sklaverei in Dark Times oder die Brutalität der Sith in Legacy. Da sind die X-Wing Comics noch eine eigene Welt.
Und abgesehen von "Requiem for a Rogue" beschäftigt sich keiner der Bände wirklich mit der Macht, während sie in Requiem sogar eher als Magie dargestellt wird. Es sind einfache Piloten die sich durchschlagen müssen und mehr mit Glück und Verstand als dem Segen der Macht ihre Abenteuer überstehen. Die Rogues sind die Helden einer etwas ins Hintertreffen geratenen Fan-Generation, die sich lieber in den orangen Fliegeruniformen und am Steuer eines X-Wings gesehen hätte als in braunen Roben gehüllt mit dem Lichtschwert hantierend.
Zahlt es sich denn aus einen Omnibus anzuschaffen?
Es ist eine langlebige Diskussion, ob es sich auszahlt zum englischsprachigen Original zu greifen oder lieber auf die deutsche Lizenzübersetzung zu warten. Aber der Vorteil schon früher an neues Material zu gelangen hat etwa bei den Star Wars Romanen oft den Nachteil dass manche US-Originale zunächst als höherpreisige Hardcover erscheinen. Allerdings gibt es auch immer wieder deutlich günstigere Taschenbücher, die schon zwischen zwei und sechs Euro günstiger sein können als die deutsche Ausgabe. Im Falle der Comics sind die deutschen Sonderbände meist nur marginal teurer als die Originale bei Dark Horse, allerdings wie im Fall der Romane oft schon nach wenigen Jahren vergriffen und nur noch schwer zu bekommen. Einen Ausweg bietet da die Omnibus-Serie welche zum Preis eines Star Wars Essentials Bandes deutlich mehr Material zu einem günstigen Preis anbietet. De facto kommen die zusammengefassten einzelnen Sammelbände im Omnibus oft gerade auf den Wert eines "normalen" Panini Star Wars-Comics der nur zwei einzelne US-Comics zusammenfassen würde.
Der Vorteil eines Omnibus also auf den Punkt gebracht: Mehr Material für weniger Geld und als Draufgabe oft noch nie ins deutsche übersetzte oder auf Deutsch bereits vergriffene Comics.
Im konkreten Fall des zweiten X-Wing Omnibus erhält man mit
Battleground Tatooine (samt Apple Jacks Special),
Warrior Princess und
Requiem for a Rogue drei Sammelbände die bei Panini je fast 12,95 kosten (mit 9,95 bildet Requiem für einen Rogue die Ausnahme). Vom finanziellen Standpunkt zahlt es sich also aus das alte Schulenglisch wieder einmal auszupacken und sich anstatt des Sonderbandes den einen oder anderen Omnibus zu leisten. Als kleine Zukunftssaussicht sei nur erwähnt dass Dark Horse noch 2010 den ersten A long time ago-Omnibus auflegen und damit die alten Marvel Comics wiederveröffentlichen wird. Die alten A long time ago-Sammelbände waren zwar teurer doch manchmal auch umfangreicher als die deutschen Classics, welche sich der gleichen Aufgabe angenommen haben. Mit dem ersten A long time ago-Omnibus wird dann für den Preis eines einzigen deutschen Classics-Sammelbandes beinahe der Inhalt von dreien zu haben sein.