Das Star Wars Universum ist ein Science-Fiction-Fantasy-Konstrukt, das jedem Autor eine Unmenge an Möglichkeiten, Figurkonstellationen und Handlungssträngen bietet. Er kann viel machen. Und es gibt nur ein paar wenige Dinge, die ich persönlich in einem Band nicht haben will: 1. Wirrer Schreibstil. 2. Ben Skywalker versucht, Han Solo zu verhaften und sich generell so unglaubwürdig wie möglich zu verhalten. 3. Langgezogene Szenen. 4. Troy Denning als Autor.
Und der Autor von "LotF:Tempest" hat sich diese Liste wohl angesehen und dann gesagt: "Okay. Punkt 4 ist einfach, das bin ich ja selbst. Punkt 3 und 1 sind meine Markenzeichen, Punkt 2 ... Wird schwer. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich das nicht trotzdem machen würde."
Fangen wir von vorn an. Willkommen beim dritten Band der Buchreihe "Star Wars: Legacy of the Force", gesegnet mit dem weder passenden noch unpassenden Namen "Tempest". Die Reihe lässt sich als "Trilogy of Trilogies" bezeichnen: Band 1,2,3 bilden die erste, Band 4,5,6 die zweite, usw. Ich mag die Idee. Passt zu Star Wars. Was ich schon nach dem Lesen des Vorgängerwerkes vermutete: Die Aufteilung in Trilogien funktioniert auch vertikal. Somit bilden die drei Aaron Allston Bücher eine Trilogie (1,4,7), die sich vermutlich auf Wedge Antilles als Nebencharakter konzentriert, Karen Traviss wird viel mit Boba Fett arbeiten ... Und Troy Denning - Lob dafür - bringt sehr geschickt Charaktere und Handlungen aus seiner "Dark Nest" Reihe ein. Somit lässt LotF immer wieder Handlungsstränge offen, bis der entsprechende Autor wieder am Zug ist. Das ist nicht zwangsläufig schlecht, man sollte es nur wissen.
Zurück zu "Tempest". Troy Denning hat schon fünf (?) Bücher im Star Wars Universum geschrieben und weiß deshalb, wie diese Welt funktioniert. Er ist Kollegin Karen Traviss in wenigstens dieser Hinsicht deutlich voraus. Denning kann außerdem gute Plots konstruieren: Die Handlungsstränge in Tempest trennen sich, kreuzen sich, laufen schließlich in einer Schlacht zusammen. Die Informationsübergabe zwischen Charakteren, die Frage, wer wie viel weiß... Alles gut gemacht in diesem Buch.
Das "Auftauen" alter Feinde finde ich persönlich nicht allzu schlecht, da es die Post-Endor Zeit mit der Zeit vor dem Fall der Republik verknüpft - man sollte allerdings nicht übertreiben.
Ansonsten ist noch positiv zu erwähnen, dass Denning einmal mehr - das kann er, keine Frage - alles bietet, was auch die Filme ausmacht: Raumschlachten, eine verträgliche Dosis Gefühl und vor allem bietet Tempest überraschend viele Lichtschwertkämpfe. Gute Sache.
Warum jetzt meine agressive Einleitung? Nun, dass Ben Skywalker in diesem Buch beeindruckend schlecht dargestellt wird, haben meine Vorredner schon warnend erklärt. Vermutlich sehen wir hier eine Folge des parallelen Schreibens: "Bloodlines", das eine wunderbare Charakterisierung Bens bietet, wurde gleichzeitig mit "Tempest" geschrieben, anders ist die hohe Veröffentlichungsfrequenz nicht zu halten. Es bleibt also die Hoffnung, dass die anderen zwei Autoren Denning bis zu seinem nächsten Band darauf aufmerksam gemacht haben.
Der Schreibstil und die langgezogenen Szenen ... Mehr kann man hierzu schon nicht mehr sagen. Denning ist ganz einfach nicht gut darin, dem Leser zu beschreiben, was in einer Szene passiert. Wenn diese dann auch noch derart lang sind, man aber schon den Einstieg nur halb begriffen hat, dann ... Ja. Ich merke an, dass ich nicht brillant Englisch verstehe. Aber mit den Vorgängerwerken hatte ich keine Probleme.
Fazit: Ich mag noch immer das Grundkonzept der Reihe ("Weg mit Gut gegen Böse, her mit dem Krieg unter Guten"), das aber extrem schwierig zu erzählen ist. Und da halte ich zum einen das parallele Schreiben, wie auch die Wahl von Denning als Autor für bedenklich. Denning ist ganz bestimmt nicht schlecht, ebenso wenig, wie dieses Buch. Aber die Vorgänger, gerade "Bloodlines" sind auf einem verdammt hohen Niveau. Und da hätte ich mir anstelle von Denning lieber James Luceno (auf komplexe Plots und Erklärungen der Welt abonniert) oder Matthew Stover (auf Genialität abonniert, zu Recht) gewünscht.
Man sollte "Tempest" lesen, keine Frage. Das Ganze verspricht eine Reihe erstklassiger Bücher zu werden und sie kann ein nur "gutes" Buch verkraften.