Was tun, wenn man in letzter Zeit sowohl mit dem Lesen im Allgemeinen als auch dem der EU-Literatur im speziellen etwas nachlässig war? Was, wenn man, nachdem man sich ein mal aufgerafft, einen 'nur?!- zufriedenstellenden dritten Bane und einen anstrengenden NJO-Band in sich hineinstopfte ' um es mal salopp auszudrücken. Nun, man nimmt selbstverständlich ein Buch zur Hand, von dem man weiß, dass es einem gefällt. Eines das einen mitreißt, mit auf den höchsten Gipfel und in die tiefste Schlucht führt.
Gesagt, getan ' und mein Gedächtnis täuschte mich nicht. 'Labyrinth des Bösen' ist auch Jahre nach seinem Erscheinen ein Roman mit außergewöhnlich starker Sog-Wirkung. Ein mal aufgeschlagen lässt einen die atemlose Hetzjagd durch eine noch ein mal Luft holende weit entfernte Galaxis nicht mehr los, reißt einen immer tiefer mit sich in die Wirren eines gigantischen Krieges, entführt einen durch die Strudel der Macht selbst zu einem dunkleren Ort und seziert nach und nach den Plan hinter dem Konflikt, der schon1977 unter dem Namen Klonkriege bekannt wurde. Die Galaxis holt noch einmal Luft. Drei Jahre nach Ausbruch der Klonkriege zeichnet sich eine entgültige Wende im Krieg der Republik gegen die Separatisten ab. Aus dem Kern vertrieben scheuchen die Jedi und Klone General Grievous und den Rest der Konföderation vor sich her, binden sich in immer mehr kämpfen. Mit jedem Streich ihrer Lichtschwerter kommen Anakin, Obi-Wan und die anderen dem Ende dieses epochalen Konflikts näher ' das denken sie zumindest. Doch im Hintergrund sind größere Mächte am Wirken und so beginnt in den unterirdischen Pilzfarmen Cato Neimoidias eine Jagd, die eine Parce ist und Odysee, die eine Tragödie werden wird. Die Galaxis holt noch ein mal Luft und viele spüren, dass etwas in der Luft liegt. Nur was, fragen sich Yoda und der Rest des Ordens - 'zwar ist das Ende des Zeitalters der Helden, doch es hat sich seine Besten bis zum Schluss aufgespart.
Und hier, auf Cato Neimoidia, schon in der Dämmerung einer langen Nacht, beginnt auch James Lucenos Buch. Ein Buch, das viel mehr Sinnbild ist, als es zumindest die ersten beiden Prequel-Episoden je werden konnten. Ein Abbild des Chaos, des monumentalen Konflikts und des 'Nebels', der alles umgibt. Mitten hineingeworfen in die Schlacht um eine der reichsten Kolonien der Neimoidianer zischen dem Leser sogleich Blasterstrahlen um die Ohren, Lichtschwerter surren, Nute Gunray wird verfolgt. Und dank Lucenos wundervollem Stil sind wir, die Star Wars-Fans, in der Tat keine externen Beobachter, sondern selbst rastlos, auf der Suche nach der Wahrheit. Wir leiden mit, auch unsere Augen weiten sich ein ums andere Mal vor Überraschung. Das Gefühl des Autors für winzige, unschätzbar wertvolle Details, für grandios abstrakte und doch so naheliegende Vergleiche und Metaphern und das nicht minder große Geschick der Übersetzerin Regina Winter, heben dieses Werk aus der Masse der (mehrheitlich guten (alten)) Klonkriegsromane heraus.
Fast unheimlich ist die Dichte dieses Buches, dass die Atmosphäre der Prequels im positivsten Sinne einfängt und ganz und gar verinnerlicht. Da sind diese wundervollen, wie aus einer alten Eiche geschnitzten Dialoge voller Witz und Aberwitz, simpel und doch enorm wirkungsvoll. So herrlich ironisch die Gespräche hier sind, so zu tiefst ernst, so unglaublich authentisch sind sie dort. Da sind diese lebendigen, so starwars-typischen Charaktere, die einen sympathisch, die anderen verabscheuungs ' und liebenswürdig genial. Die bekannten unter ihnen sind wie den Filmen entsprungen, in ihren markanten Eigenheiten, kleinen Gesten und großen Taten schon fast fotografiert und nicht mehr gezeichnet - und doch glaubwürdiger, echter als wir sie aus den Filmen kennen. Der grimmige Mace Windu, die sinistre Count Dooku, Obi-Wan, der in sich ruhende und doch im Dunkeln tappende, der vielleicht interessanteste, geschliffenste Charakter dieses Zeitalters ' und natürlich Anakin, der tragische Held. Seine Zerrissenheit und seine Zweifel werden angedeutet, sanft an die Oberfläche gebracht, aber nicht darüber hinaus. Genau im richtigen Maße erschafft Luceno Anhaltspunkte für seinen folgenden Fall, erklärt ihn nicht und macht ihn dennoch irgendwie unausweichlich. Wie Padme sieht er das gute in ihm und lässt ihm doch keine Pause, lässt ihn die Galaxis durchstreifen, ohne Möglichkeit zu sich selbst zu finden. Und hier ist nun also der Plot - der elektrisiert, von der ersten zur 350. Seite. Ein Spannungsbogen der seines gleichen sucht, eine Fülle von Enthüllungen, die er auf seinem Weg durch stinkende und duftende, fremde Welten und gigantische Schlachten für den Leser zurücklässt und eine butterweiche Überleitung in die Anfangssequenz von Episode III machen 'Labyrinth des Bösen' zu einem Höhepunkt des EU ' einem kurzweiligen zwar, aber einem strahlenden, bis zur Schmerzhaftigkeit verdichteten.
Was bleibt? Das Fazit: die bessere Episode II!