Aus der Amazon.de-Redaktion
Kurzer Rückblick: In Die Rückkehr der Jedi-Ritter stürzt Boba Fett während der Auseinandersetzung zwischen den Rebellen und dem Hutt Jabba in den Schlund des alles fressenden Sarlacc. Doch damit ist seine Geschichte noch nicht zu Ende. Schwer verletzt entkommt er aus dem Magen des Untiers und wird von seinem Kollegen Dengar gesund gepflegt (nachzulesen in den Erzählungen "So ein Barve" in Planet der dunklen Sonne und "Payback" in Kopfgeld auf Han Solo).
An diesem Punkt knüpft der erste Band der Trilogie Der Kopfgeldjägerkrieg, Die mandalorianische Rüstung an. Dengar hat den halbtoten Boba Fett in eine schützende Höhle geschleppt und lässt ihn von zwei Droiden versorgen. Da taucht unvermittelt eine ehemalige Tänzerin aus Jabbas Palast auf. Nach einer Gehirnwäsche ist ihr Erinnerungsvermögen fast vollständig zerstört, doch glaubt sie, den mysteriösen Kopfgeldjäger aus früheren Zeiten zu kennen und hofft auf seine Genesung.
Unterdessen windet sich Boba Fett in Fieberträumen. Als würde sein Tod kurz bevorstehen, zieht seine Vergangenheit an seinem inneren Auge vorbei. Vor allem seine Auseinandersetzung mit der Gilde der Kopfgeldjäger kann und will er nicht vergessen. Und dabei spielt ein gewisser Prinz Xizor eine entscheidende Rolle -- jener Schurke, der Lesern aus Schatten des Imperiums in bleibender Erinnerung sein dürfte.
Die Trilogie Der Kopfgeldjägerkrieg gehört eindeutig zu den Highlights unter den Star Wars-Romanen. Mit großem Enthusiasmus und handwerklich souverän führt uns K.W. Jeter in die Zeit der klassischen Trilogie zurück. Und seien wir doch ehrlich: Mit dem Kampf der Rebellen gegen Darth Vader können es alle Abenteuer vorher und nacher einfach nicht aufnehmen. Ein Glück also, dass es noch solche Bücher gibt! --Felix Darwin
Kurzbeschreibung
Über den Autor
Auszug aus Star Wars, Die Mandalorianische Rüstung von K. W. Jeter. Copyright © 2001. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
ZUR ZEIT VON
"STAR WARS: DIE RÜCKKEHR DER JEDI-RITTER"
Die Lebenden sind mehr wert als die Toten.
So lautete die allgemeine Regel des digitalen Appendix für Kopfgeldjäger. Doch Dengar musste sich diese Regel nicht erst ins Gedächtnis rufen, als er die trostlose, in die Augen stechende Einöde des Dünenmeers absuchte. In diesem Augenblick sah er weit mehr tote als lebende Dinge, die sich zu einer einzigen großen Null addierten, die für die Credits auf seinem Konto stand. Ich hätte mich besser von diesem grässlichen Planeten abgesetzt, sagte er sich. Tatooine hatte ihm - oder irgendeinem anderen lebenden Wesen - noch nie Glück gebracht. Manche Welten waren eben so.
Er hatte allerdings nicht ganz so viel Pech gehabt wie manch anderer, das musste Dengar zugeben. Vor allem in dem Moment, da seine von Plastoid umhüllten Stiefel gerade einen weiteren Hang aus Sand hinaufstapften, eine in einem Handschuh steckende Faust nach seinem Knöchel gegriffen hatte und er hart auf die Schulter gefallen war.
"Was zum ...?" Sein verblüffter Ausruf verhallte ungehört zwischen den Dünen, während er sich auf den Rücken rollte und seinen Blaster aus dem Holster fummelte. Doch er drückte nicht ab, als er erkannte, was ihn festgehalten hatte. Bei seinem Sturz waren eine Hand und ein Arm aus dem rieselnden Sand befreit worden, der ein flaches Grab für einen aus der Garde von Jabbas Leibwächtern gebildet hatte. Ein elektrischer Impuls im Kampfhandschuh des toten Kriegers hatte die längst abgestorbene Hand wie eine Womprattenfalle zuschnappen lassen.
Dengar steckte den Blaster weg, setzte sich auf und machte sich daran, die Finger einen nach dem anderen von seinem Stiefel zu lösen. "Du hättest dich da raushalten sollen", sagte er laut. Der scharfe Wind über dem Dünenmeer legte allmählich die leeren Augenhöhlen des Leichnams frei. "So wie ich." Es war nie gut, wenn man sich in die Streitigkeiten anderer Leute einmischte. Bei der Zerstörung von Jabbas Segelbarke waren viele der zähsten Söldner der Galaxis, darunter zahlreiche Kopfgeldjäger, ums Leben gekommen. Wenn sie so ausgekocht gewesen wären, wie sie selbst geglaubt hatten, würde sich Dengar jetzt nicht hier draußen herumtreiben und nach ihren Waffen, ihrer militärischen Ausrüstung oder anderen verwertbaren Trümmern suchen.
Er bekam seinen Stiefel frei und stand auf. "Mehr Glück beim nächsten Mal", beschied er dem Toten.
Sein guter Rat kam indes zu spät, um diesem Mann noch etwas zu nützen. Dengar legte den Anblick der Leiche, das Bild der gekrümmten Finger und des mit Sand gefüllten Mundes als weiteren Beweis für das, was er seit langem wusste, in seinem persönlichen Gedächtnisspeicher ab: Wer erst nach dem Ende der Schlacht kommt, kann aufräumen.
Das galt in mehr als nur einem Sinn. Jetzt stand er oben auf der Düne, beschirmte seine Augen vor dem grellen Schein der Doppelsonne von Tatooine und suchte die weite, abschüssige Ebene ab, die vor ihm lag. Die Umrisse weiterer toter Krieger und Leibwächter, die auf der felsigen Einöde verstreut lagen oder halb vom Sand begraben waren wie jener, den er nur ein paar Meter hinter sich gelassen hatte, zeigten ihm, dass er das stumm erstarrte Epizentrum der tödlichen Ereignisse entdeckt hatte, aus denen er sich so klug herausgehalten hatte.
Er sah weitere Beweise: Über die entfernteren Dünen waren unterschiedlich große Trümmer verstreut, das Wrack der Repulsorbarke, die als Jabbas fliegender Thronsaal gedient hatte. Streifen des Zeltdachs, das Jabbas massigen Leib vor der Mittagssonne geschützt hatte, flatterten in den heißen Windböen; das Blasterfeuer und der harte Stoß beim Absturz hatten das kostbare sorderianische Gewebe in Fetzen gerissen. Dengar sah noch mehr Leibwächter Jabbas, die mit dem Gesicht im heißen Sand lagen und deren Waffen bereits von nach Beute wühlenden Jawas geraubt worden waren. Die Männer würden nie wieder kämpfen, um die wabbelige Schwarte ihres Arbeitgebers zu schützen. Dengar konnte in der sengenden Hitze den widerwärtigen Geruch des Todes wahrnehmen. Ein Geruch, der ihm nicht fremd war, schließlich arbeitete er schon lange genug als Kopfgeldjäger und Söldner, um sich daran gewöhnt zu haben, doch den anderen Geruch, den er aufzufangen gehofft hatte, den Geruch des Profits, vermisste er hier bis jetzt noch. Er machte sich an den Abstieg über den Dünenhang und näherte sich dem fernen Wrack.
Als er die Stelle erreichte, entdeckte er keine Spur von Jabbas Leiche. Das überraschte ihn nicht, während er weiter mit dem abgebrochenen Schaft eines Spießes in den Trümmern stocherte. Er hatte kurz nach dem Kampf gesehen, wie ein Hutt-Transporter in den Himmel stieg. Das war es auch, was ihn an diesen abgelegenen Ort geführt hatte. Das Schiff hatte ohne Zweifel Jabbas Leiche an Bord gehabt. Hutts mochten gierige, nach Credits gierende Schleimer sein - ein Zug an ihnen, den Dengar aufrichtig bewunderte -, aber sie hegten ein gewisses Mitgefühl für die Angehörigen ihrer eigenen Spezies. Wenn man einen von ihnen tötete, das wusste Dengar genau, steckte man bis zum Hals in Nerfmist. Es handelte sich bei diesem Mitgefühl jedoch weniger um Sentimentalität aufseiten der hinterbliebenen Hutts als vielmehr um die Reaktion auf eine Verletzung ihres berüchtigten Größenwahns, in die sich ein durchaus praktischer Eigennutz mischte.
So viel zu Luke Skywalker und den anderen, dachte Dengar, als die Spitze des Stabes die klebrigen und widerwärtigen Beweise für Jabbas Ableben zu Tage förderte. Als hätte diese Hand voll Rebellen nicht schon genug Ärger mit dem kompletten Imperium, das es darauf anlegte, sie zu erledigen - jetzt würde sich auch noch Jabbas weitläufiger Clan an ihre Fersen heften. Dengar schüttelte den Kopf. Er hatte geglaubt, dass Skywalker und sein Kumpel Han Solo sich wenigstens eine angemessene Vorstellung davon machten, wie nachtragend die Hutts sein konnten.
(...)