Keine Ahnung, warum ausgerechnet dieses Buch so schlecht wegkommt. Es ist klasse! Während eher Durchschnittswerke und besonders solche, die das Star-Wars-Universum mit nichts wirklich bereichern, wie etwa "Rebellion der Verlorenen" und die zweite Thrawn-Trilogie, aus unerfindlichen Gründen hochgejubelt werden, gehen Meisterwerke wie "Die mandalorianische Rüstung" (oder auch die "Die schwarze Flotte"-Trilogie) geradezu unter. Warum?
Mit diesem Buch ist geschehen, was mit der geplatzten Regie-Vergabe von "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" an David Lynch einst gescheitert ist: Ein echter Künstler und Querdenker im Positivsinn hat die Chance erhalten, in der Galaxis zu wildern und der ganzen Sache einmal seinen ganz eigenen Stempel aufzudrücken - mit berauschendem, erfrischendem Ergebnis.
Zunächst einmal: K. W. Jeter war ein enger Freund Philip K. Dicks und gilt zudem als dessen geistiger Erbe und legitimer Nachfolger. Klar doch, daß ein SW-Roman aus seiner Feder etwas anders daherkommt, als der überwiegende Rest dieser unispirierten, profitorientierten Massenware, die sich anschickt, die Saga weiterzuspinnen. Jeter ist ein origineller Autor, ein Visionär, ein echter Literat - und sein Beitrag ist genau das: speziell, aussichtsreich und - man höre und staune, auch das gibts bei SW: anspruchsvoll.
Die Dialoge etwa sind nicht langatmig und aussageleer (wie in manch anderer Rezension angemerkt), sondern die wohl geschliffensten und authentischten aller SW-Romane (ausgenommen vielleicht nur Zahns ersten Thrawn-Dreiteiler) und schaffen mit ihrem zugegeben zuweilen recht ausschweifenden Auftreten nur eines: nämlich Atmosphäre. Alle handelnden Figuren wurden vom Autor vorab perfekt ausgeleuchtet und deren Handlungsweisen danach auch konsequent durchgezogen. Wie bei Dengar. Oder Bossk. Deren greifbare Charaktere sind eine wahre Wohltat angesichts der leider oft praktizierten Oberflächlichkeit anderer SW-Romane wie "Darskaber" und der "Der Kristallstern". Mehr noch: Das seitenlange Dreier-Gespräch zwischen Palpatine, Vader und Prinz Xizor (!) ist einfach nur genial und absolut Star-War pur!
Womit ich zur Handlung selbst komme. Ich möchte an dieser Stelle keine Inhaltsangabe anbringen, worum es im Großen und Ganzen geht erklärt schon allein der Titel: Boba Fett, auferstanden von den Toten und in Bestform, alte Bekannte und neue Bewohner der Galaxis, Liebe und Haß sowie eine alles überragende Intrige, die im Herzen des Imperiums beginnt. Der Plot spielt nicht einfach nur im SW-Kosmos, er IST Star Wars, bewegt sich stilsicher innerhalb des vorgegebenen Rahmens und treibt die große, alles umspannende Story auch wirklich ein Stück weiter. Beispiel: Jemand ganz Spezielles war zugegen, als imperiale Sturmtruppen Onkel Owens Feuchtfarm in Schutt und Asche legten und fertigte eine Holo-Aufnahme all dessen an, und worüber Protagonisten wie Leser während der Lektüre von "Rüstung" und der Nachfolgebände stolpern, ist wirklich grandios. Zur Zeit des galaktischen Bürgerkrieges hat sich eben eine ganze Menge mehr abgespielt, als die uns inzwischen vertrauten Abenteuer eines Luke Skywalker, Han Solo, oder einer Prinzessin Leia Organa. Und genau darum geht es doch: Um mehr Input aus der guten alten Zeit - und warum nicht aus einer neuen, bereichernden Perspektive? Nicht nur, daß die Haupthandlung während Episode VI, unmittelbar nach Jabbas Tod, angesiedelt ist. Ausführliche Rückblenden in die Zeit nach Yavin IV und noch weiter zurück gewähren einen rundum gelungen, spannenden und informativen Einblick in das erweiterte Universum.
Fazit: Subtil geschrieben und stilsicher ausgearbeiteter Plot über ein wichtiges Kapitel innerhalb der Geschichte, tolle Rückblenden und ansprechende Ausblicke.
Dieses Werk ist gleichzusetzen mit "Schatten des Imperiums", James Lucenos "Dark-Lord" und den Geschichten um Großadmiral Thrawn, bevor Timothy Zahn ein Langweiler wurde. "Der Kopfgeldjägerkrieg 1" ATMET, LEBT förmlich Star-Wars, die Richtigen werden es erkennen (der Rest lese weiterhin Sachen wie "Die Schatten von Mindor").
Also: Zugreifen, lesen, freuen!
MDMMES