Geboren als Klon einer lebenden Legende ist Boba Fett später selbst zu einer solchen geworden. Doch vom 10jährigen Jungen zum gefürchtetsten Kopfgeldjäger der Galaxis ist es ein weiter Weg, dessen Anfänge die Boba Fett-Jugendbücher zu beleuchten versuchen, von denen die Band 1-3 erstmals als Sammelband erschienen sind.
Band 1 beginnt auf Kamino, noch bevor der Jedi-Ritter Obi-Wan Kenobi überhaupt von diesem gehört hat. Eine Mission führt Jango Fett einmal mehr von seinem Sohn fort, doch der Kopfgeldjäger der zusammen mit seiner Partnerin Zam Wessel loszog, kehrt alleine zurück. Etwas ist passiert, die Mission ist gescheitert und schon haben die Jedi die Verfolgung aufgenommen. Jangos Flucht von Kamino wird schließlich zum Auslöser der Klonkriege, den man aus Bobas spezieller Sicht erfährt.
Als erste Kriegswaise der Klonkriege sieht sich Boba in Band 2 nach kurzer Trauer damit konfrontiert von Geonosis fliehen zu müssen und trifft dabei auf die Kopfgeldjägerin Aurra Sing. Sing bringt Boba nach Raxus Prime, wo er von Count Dooku zumindest Nahrung und eine Unterkunft erhält. Aus einem Buch dass Jango seinem Sohn als Vermächtnis hinterlassen hat, weiß der Junge dass Dooku der Schlüssel zu seinem Erbe ist. Doch wie Jango kennt Boba das Geheimnis Count Dookus Identität als Darth Tyranus und ist somit eine potentielle Bedrohung für die Pläne der Separatisten.
Um in die Fußstapfen seines Vaters treten zu können hat sich Boba Fett vorübergehend mit der Jedi-Killerin Aurra Sing verbündet. Doch die Allianz hat ihren Preis, Sing will 50% vom Erbe das Jango seinem Klonsohn hinterlassen hat. Auf dem Bankenplaneten Aargau gelingt es Boba jedoch, sie abzuhängen, nur um von jemand anderem bestohlen zu werden.
Terry Bissons und Elizabeth Hands "Boba Fett"-Bände stehen eindeutig in der Tradition der Star Wars-Jugendbücher einer Jude Watson. Die Bücher bedienen sich einer einfachen Sprache und sind für sich genommen sehr kurz, was in Sammelbänden natürlich weniger störend auffällt. Ähnlich wie Watsons drei Jugendbuchreihen fängt auch Boba Fett mit Terry Bissons "Der Kampf ums Überleben" gut an. Der Plot liest sich flott und erzählt aus Bobas Sicht den Verlauf von Episode 2. Doch als der Junge am Ende den Tod seines Vaters miterleben muss und in Band 2 völlig alleine dasteht, wird einem spätestens klar, was der Reihe fehlt. Anstatt verbittert und hasserfüllt zu sein, ja vielleicht als Kriegswaise eine gewisse Abgebrühtheit und Härte zu entwickeln tollt sich ein netter kleiner Junge mit einem Buch voller Anweisungen und dem Helm seines Vaters im Gepäck durch die Galaxis, um Geld, Wissen und Unabhängigkeit zu erlangen, was Jango ihm als Patentformel für eine erfolgreiche Karriere als Kopfgeldjäger genannt hat.
Ausgeprägte Charakterzeichnung, inhaltliche Tiefe, moralische Fragen sind kaum vorhanden. Dass man trotzdem auf einige hundert Seiten kommt liegt dabei mehr an der ungewöhnlich groß gewählten Schriftart, die zusammen mit ihrer Schlichtheit und Kurzdialogen nur verschleiert, dass hier sehr wenig Substanz vorhanden ist. Selbst Spannung und Action auf die man sich sonst ausreden könnte, lassen Band 2 und 3 vermissen. Angesichtsdessen dass eine Karen Traviss mit ihren Büchern über die Mandalorianer anscheinend auch die Deutungshoheit auf Boba Fetts Werdegang gepachtet hat, wäre es vielleicht besser gewesen, ihr diesen Aspekt des Star Wars Universums überlassen und anstatt von 6 "Jugendbüchern" die real wohl nur einen kürzeren "Star Wars Roman" ergeben würden lieber auf ein etwas längeres Buch zu setzen, das im Stile von James Lucenos "Millenium Falcon", vielleicht mit einigen kleinen Zeitsprüngen von Monaten, Bobas verlorene Jugend zwischen Krieg und imperialer Revolution nachzuzeichnen. Dass Traviss ein solches vielleicht irgendwann vorlegen wird, ist nicht ganz auszuschließen und lässt hoffen.
Fazit:
Enttäuschend und eindeutig nicht empfehlenswert.