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Cinema
Über den Autor
Andreas Brandhorst, 1956 im norddeutschen Sielhorst geboren, schrieb bereits in jungen Jahren phantastische Erzählungen für deutsche Verlage. Es folgten zahlreiche Heftromane - unter anderem für die legendäre Terranauten-Serie - sowie Fantasy- und Science-Fiction-Taschenbücher. Im Kantaki-Zyklus, zu dem "Feuerstürme" gehört, sind bereits die Romane "Diamant", "Der Metamorph" sowie "Der Zeitkrieg" erschienen. Andreas Brandhorst lebt als freier Autor und Übersetzer in Norditalien.
Auszug aus Star Wars, Anakin und die Yuuzhan Vong von Greg Keyes, Andreas Brandhorst. Copyright © 2003. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Doch Anakin Solo erkannte es als Lüge. Zorn und Furcht erfüllten den Raum wie mit hundert Atmosphären Überdruck, und unter diesem Gewicht zerbrach etwas in Meister Skywalker. Er schien die Hoffnung zu verlieren. Anakin glaubte, nie etwas Schlimmeres empfunden zu haben, und in den sechzehn Jahren seines Lebens hatte er viele schlimme Dinge erlebt.
Der Eindruck dauerte nicht lange. Nichts war gebrochen - nur verbogen, und was auch immer es sein mochte: Es wurde wieder gerade, und Meister Skywalker war erneut stark und zuversichtlich, in der Macht ebenso wie für das Auge. Anakin bezweifelte, dass außer ihm jemand etwas bemerkt hatte.
Aber ihm war es nicht entgangen. Etwas hatte das Unerschütterliche erschüttert. Und das würde Anakin nie vergessen. Wieder hatte er etwas verloren, das ihm unveränderlich erschienen war. Ein weiterer Gleiter sauste unter seinen Füßen fort, und er blieb flach auf dem Rücken liegen und fragte sich, was geschehen war. Lernte er es denn nie?
Er zwang sich, den Blick seiner eisblauen Augen auf Meister Skywalker zu fokussieren, auf sein vertrautes, vom Alter und von Narben gezeichnetes Gesicht. Hinter ihm, jenseits des großen Fensters aus Transparistahl, wogten das endlose Licht und Leben von Coruscant. Vor dem Hintergrund gewaltiger Gebäude und dahingleitender Lichtspuren wirkte der Meister irgendwie schwach oder abgelenkt.
Anakin gewann Abstand vom Kummer, indem er sich auf die Worte seines Onkels konzentrierte.
"Ich verstehe, wie du dich fühlst, Kyp", sagte Meister Skywalker.
Kyp Durron war in gewisser Weise ehrlicher als Meister Skywalker. Der Zorn in seinem Herzen spiegelte sich auch in seinem Gesicht wider. Wenn die Jedi ein Planet gewesen wären, hätte Meister Skywalker an einem Pol gestanden, Ruhe ausstrahlend, und Kyp Durron am anderen, voller Wut die Fäuste geballt.
Irgendwo in der Nähe des Äquators begann der Planet auseinander zu brechen.
Kyp trat einen Schritt vor und strich sich mit der einen Hand durchs dunkle, von silbergrauen Strähnen durchzogene Haar. "Meister Skywalker", sagte er, "ich behaupte, dass du nicht weißt, wie ich mich fühle. Wenn das der Fall wäre, würde ich es in der Macht spüren. Wir alle könnten das. Aber du verbirgst deine Gefühle vor uns."
"Ich habe nicht gesagt, dass ich so fühle wie du", erwiderte Skywalker ruhig. "Ich habe nur darauf hingewiesen, dass ich verstehe."
"Ah. " Kyp nickte, hob den Zeigefinger und richtete ihn auf Skywalker, als würde ihm plötzlich klar, was er meinte. "Du meinst, du verstehst in intellektueller Hinsicht, aber nicht mit dem Herzen! Die von dir ausgebildeten und inspirierten Jedi werden überall in der Galaxis gejagt und getötet, und du >verstehst< das so, wie man eine Gleichung versteht?"
"Natürlich möchte ich etwas unternehmen", sagte Luke. "Deshalb habe ich diese Versammlung einberufen. Aber Zorn ist nicht die richtige Antwort. Auch Angriff ist keine Antwort, und Vergeltung erst recht nicht. Wir sind Jedi. Wir verteidigen und helfen."
"Wen verteidigen wir? Und wo leisten wir Hilfe? Verteidigen wir die Wesen, die wir vor Palpatines Grausamkeit gerettet haben? Helfen wir der Neuen Republik und ihren Bürgern? Beschützen wir jene, für die wir immer wieder unser Blut vergossen haben, für die Sache des Friedens und des Allgemeinwohls? Die gleichen feigen Wesen verleumden und verhöhnen uns jetzt, opfern uns ihren neuen Yuuzhan-Vong-Herren. Niemand will unsere Hilfe. Man will uns tot und vergessen. Es wird Zeit, dass wir uns selbst verteidigen. Jedi für die Jedi!"
Applaus erklang im Saal, nicht ohrenbetäubend laut, aber auch nicht unbedeutend. Anakin musste einräumen, dass Kyps Ausführungen durchaus einen Sinn ergaben. Wem konnten die Jedi jetzt noch vertrauen? Offenbar nur anderen Jedi.
"Was sollten wir deiner Meinung nach tun, Kyp?", fragte Luke sanft.
"Das habe ich bereits gesagt. Wir sollten uns verteidigen und gegen das Böse kämpfen, wie auch immer es sich tarnt. Und wir dürfen den Kampf nicht zu uns kommen lassen, auf dass er uns zu Hause überrascht, im Schlaf, bei unseren Kindern. Lasst uns aufbrechen und nach dem Feind suchen. Eine Offensive gegen das Böse ist Verteidigung."
"Mit anderen Worten: Du möchtest, dass wir uns alle so verhalten wie du und deine Gruppe."
"Ich möchte, dass wir uns ein Beispiel an dir nehmen, Meister Skywalker - als du gegen das Imperium gekämpft hast."
Luke seufzte. "Damals war ich jung", sagte er. "Es gab viele Dinge, die ich nicht verstand. Aggression ist der Weg der dunklen Seite."
Kyp rieb sich das Kinn und lächelte kurz. "Und wer, Meister Skywalker, sollte das besser wissen als jemand, der den Weg der dunklen Seite beschritten hat?"
"Genau", bestätigte Luke. "Ich fiel, obwohl ich es besser wusste. Wie du, Kyp. Wir beide glaubten, jeder auf seine Weise, wir wären klug und gewandt genug, um auf einem Laserstrahl zu gehen, ohne uns zu verbrennen. Wir irrten uns beide."
"Aber wir kehrten zurück. "
"Mit Mühe und Not. Mit viel Hilfe und Liebe. "
"Zugegeben. Aber es gab andere. Kam Solusar, zum Beispiel, nicht zu vergessen dein eigener Vater ... "
"Worauf willst du hinaus, Kyp? Dass es leicht ist, von der dunklen Seite zurückzukehren? Dass man deshalb ruhig ein Risiko eingehen kann?" (...)