Als ich die Abbildung zu diesem Buch sah, war ich vor Begeisterung kaum mehr zu halten. Die "dunkle" Jaina auf dem Cover schien ein für alle Mal die Frage beantworten zu wollen, warum die dunkle Seite der Macht als "verführerischer" gilt. "Wow!", dachte ich, "Sie ist jung, sie ist schön und sie ist der dunklen Seite verfallen. Was für eine Story!", bestellte das Buch und wartete hechelnd darauf, über Jaina als mächtige Dunkelseitenkriegerin zu lesen - nur um reichlich enttäuscht zu werden.
Ich will es einmal so ausdrücken: Als Luke auf die dunkle Seite geraten war, ging er mit dem Lichtschwert auf seine schwangere (!) Schwester los. Als Kyp auf die dunklen Seite geraten war, brachte er Luke beinahe um, bzw. für eine Weile ins Koma, stahl eine Superwaffe und löschte einen ganzen Planeten samt Bevölkerung aus. Als Anakin Skywalker auf die dunkle Seite geraten war - muss ich noch mehr sagen? Aber als Jaina Solo auf die dunkle Seite geraten war, passierte - nichts.
Moment mal - glaubten wir nicht immer, dass der dunklen Seite zu verfallen das schlimmste und tragischte sei, das einem Jedi zustoßen kann, ein Schicksal, schlimmer als der Tod, dass jeder, der einmal mit der dunklen Seite aneinander gerät, davon lebenslänglich gezeichnet bleiben wird ("forever will it dominate your destiny")? Und jetzt gerät Jaina Solo, die Enkelin von Darth Vader persönlich, auf die dunkle Seite und es geschieht *nichts*, dass irgendwie tragisch oder auch nur nennenswert wäre - zumindest nicht im Zusammenhang damit.
Statt dessen tritt Hapans (Ex-)Königin Ta'Chume auf und darf wieder einmal ihre bis zum Gähnen vertrauten Intrigen spinnen - meine Güte, wer *darüber* lesen will, kann doch auch "Courtship of Princess Leia" aus seinem Bücherschrank holen. Der Auftritt von Jaina "bei Hof" wird genutzt, um sie uns im Abendkleid vorzuführen - du liebes bisschen, müssen weibliche Star Wars - Autoren denn unbedingt so besessen von Kleidern und Frisuren (siehe "The Crystal Star") sein? Da könnte man ja fast zum Sexisten werden und sich wünschen, George Lucas würde endlich verbieten, dass Frauen an seiner Galaxis mitbasteln - und das sage ich als Frau.
Ich verstehe wirklich nicht, wo die Notwendigkeit besteht, über diese Dinge zu schreiben, wo es doch Fragen gibt, die uns NJO Leser viel brennender interessieren. Zum Bespiel, auf welcher Seite Vergere denn nun wirklich steht, warum ausgerechnet sie als Ex-Jedi so lange bei den Vong geblieben ist und was sie während dieser Zeit alles über sie gelernt hat. Oder ob die Yuuzhan Vong nun wirklich außerhalb der Macht stehen, oder nur außerhalb der Macht, wie wir sie kennen, und wieviel vielschichtiger die Macht möglicherweise ist (diese Frage wird hier zwar angesprochen, jedoch nicht weiter ausgeführt).
Am ehesten dürfte dieses Buch noch für Fans der YJK-Bücher zu empfehlen sein. Die werden sich auch nicht darüber aufregen, dass sich hier ein ganzes Buch nur um Jaina und ihre Teenagerprobleme dreht(denn auf diesem Level wird hier ihre "Dunkle Reise" dargestellt - die dunkle Seite, bloss eine kleine Krise auf dem Weg zum Erwachsenwerden, nicht bedeutsamer als Jaina's Verliebtheit-oder-doch-nicht gegenüber Jag Fel), obwohl es doch so viel interessantere Charaktere gibt - die obengenannte Vergere, zum Bespiel, oder Luke und Mara, die hier nur in wenigen Sätzen erwähnt werden. Anscheinend weiß Ms. Cunningham nicht, *wer* die beliebteste Gestalt aus dem gesamten EU ist. Ich empfehle ich einen Blick ins Internet. Wie viele Mara-Fansites gibt es da - und wie viele (falls überhaupt welche) Jaina-Fansites? Na?
Doch bevor hier jemand denkt, dass ich nur meckern will oder dieses Buch gar hasse (und wir wissen ja, auf *welche* Seite Hass führt...), möchte ich sagen, das es durchaus einige Highlights enthält. Die Dialoge zwischen Kyp und seinem besserwisserischen Droiden sind z.B. total witzig und erinnerten mich ein wenig an C3PO, der hier übrigens leider auch nicht vorkommt. Und wo wir gerade bei Kyp sind, wir bekommen ihn endlich einmal ein wenig aus seiner eigenen Perspektive zu sehen und bekommen einen Einblick darin, was es für ihn selbst bedeutet, so eine belastete Vergangenheit zu haben. Da wird er einem doch gleich viel sympatischer, und man erinnert sich daran, dass er ja auch ein Jedi (-Meister) ist - in den vorangegangenen NJO-Büchern kam er einem ja zum Teil mehr wie ein Schurke vor.
Allerdings (jetzt sind wir wieder beim "Meckern"...) wird diese "neue" Sicht von Kyp etwas zu unvermittelt eingebracht. Eben noch sahen wir ihn alle auf dem direkten Weg zur dunklen Seite, und jetzt denkt er auf einmal über sein verpfuschtes Leben nach (was einen ja eigentlich freut) und bessert sich so sehr, dass er sogar (gegenüber Jaina) als "Stimme der Vernunft" auftreten darf. Das ist doch ein ziemlicher Bruch, obwohl Kyp auch in "Star by Star" schon ein wenig vernünftiger war.
Der "neue" Kyp Durron hat mit dem Kyp, den wir bisher kannten, nur mehr wenig gemein. Er ist zwar immer noch wild, aber doch eindeutig ein guter Kerl, ungefähr so wie Maniac aus "Wing Commander" - da Blair ja wie Luke ist und Luke somit wie Blair, passt das auch ganz gut zusammen. Ich freue mich jedenfalls schon auf weitere Bücher mit dem "neuen", sympatischeren Kyp (falls der nächste Autor ihn nicht wieder einen Sinneswandel durchmachen läßt...).
Ein weiteres Highlight auch die an das Ende der Buches angefügte Leseprobe aus "The Approaching Storm" - wenn der Rest auch so ist, dürfte *das* Buch mich nicht enttäuschen.
Insgesamt ist dieses Buch jedoch nur für die wirklich zu empfehlen, die *alle* Star Wars-Bücher gelesen haben wollen, oder für YJK/Jaina-Fans.