Zuletzt gab es unterschiedliche Blickwinkel in Comic, Buch und Game bei Shadows of the Empire. Ein Manko unter dem The Force Unleashed I noch zu leiden hatte. Buch und Comic waren mehr oder weniger eine platte Kopie des Games, nur eben auf die Zwischensequenzen und ein wenig Füllmaterial gekürzt. The Force Unleashed II will das nun alles anders machen, nicht nur indem man Starkiller ein zweites Lichtschwert in die Hand gedrückt hat. TFU II orientiert sich als Game natürlich an Starkillers Sichtweise, als Roman allerdings mehr an der Perspektive Juno Eclipses und als Comic Boba Fetts. Dass damit nichts subtextmäßiges gemeint ist, was einem vielleicht gar nicht auffällt entdeckt man bereits auf der ersten Seite. Nicht Starkiller ist der Held des TFU II-Comics sondern Boba Fett und der macht Jagd auf ihn.
Wegen Reparaturarbeiten an der Sklave I gerade auf Nar Shaddaa gestrandet hat sich Boba Fett zu einem kleinen Stelldichein mit seiner Geliebten Xasha hinreissen lassen, als ihn ein lukratives Angebot Darth Vaders erreicht. Zum dreimal so hohen Sold wie sonst soll der Kopfgeldjäger sich nach Cato Neimodia begeben, um dort einen Schüler Vaders wieder einzufangen. Als Xasha und Boba Cato Neimodia jedoch erreichen kommen sie bereits zu spät, die imperiale Garnison und die Gladiatorenarena liegen in Trümmern. Nur einer hat Starkillers Wüten überlebt, der Gorog...
Unabhängig vom Game überzeugt der TFU II Comic mit ganz eigenen Qualitäten. Einerseits den Zeichnungen Omar Francias, den man schon einige Male bei Legacy bewundern durfte, andererseits durch eine sehr Boba-typische Story, die vom TFU-Mastermind Haden Blackman höchstpersönlich stammt. Zwar hat sich Blackman noch einige Monate vor dem Release vom TFU Franchise verabschiedet, doch mit PURGE 3 THE HIDDEN BLADE hat er 2010 bereits einen weiteren Star Wars Comic vorgelegt, der beweist dass man als Fan weiterhin und vielleicht sogar wieder öfter von ihm hören wird. Dazu passt auch dass Blackman 2011 mit dem 5teiligen DARTH VADER AND THE LOST COMMAND erneut ins Erweiterte Universum vorstoßen wird.
Boba-typisch ist die Story deshalb weil sie schon einmal auf Bobas besonderen Sinn für Ehre eingeht, wenn er sich trotz Geldmangels weigert wie seine Gefährtin Xasha Ausrüstung von den niedergemetzelten Imperialen auf Cato Neimodia zu klauen, um sich etwas dazu zu verdienen. Ja wie sein Vater bleibt er sogar an Darth Vaders Seite als er seinen Auftrag Juno Eclipse zu fassen bereits zu Ende gebracht hat, wenngleich auch nicht ganz freiwillig. Allgemein feststellen lässt sich für den Comic allerdings dass die Handlung etwas sehr eng gesetzt ist. Man merkt auch hier wie im Roman dass die durch das Game vorgegebene Haupthandlung die Autoren immer wieder in ihrer Erzählung behindert. So sind Bobas Gastspiele auf Nar Shaddaa und Cato Neimodia schon die einzigen größeren Szenen die nicht direkt mit der Handlung des Games verbunden sind. Zwar hält auch das Finale eine Überraschung bereit, wenn Boba die wahren Ausmaße von Darth Vaders Klonexperimenten erkennt, doch dem ganzen fehlt irgendwo dann doch das Eigenleben.
Typisch für TFU sind wieder einmal die imperialen Terrorsoldaten welche extra für TFU II erfunden worden sein dürften, ebenso wie die modifizierten Tie-Bomber die man schon auf der Rückseite des Covers begutachten kann. Mit ihren je 2 Enterkapseln und 4 Ionenkanonen sollen sie dazu dienen Rebellenschiffe zu entern und etwa gekaperte Nebulon B Fregatten so wieder zurückzuerobern. In der entsprechenden Szene, die laut Roman eine Flottille der Rebellen betrifft ist allerdings außer einigen Y-Wings, der Salvation und einem Action VI Frachter sehr wenig von dieser zu sehen.
Was gerade am Ende dieser etwas anderen Comicadaption allerdings klar wird ist dass TFU II den Trend in Sachen Kontinuitätsproblemen weiter fortsetzt. Wurde TFU I deshalb schon verdammt ist das offene Ende der Fortsetzung wohl der Sargnagel für eine Kanonisierung von Games, Comics und Romanen des neuen Franchise. Aber wie man aus den Reihen der Entwickler bereits hört sollte man gerade die zeitliche Einordnung von TFU nicht mehr so ernst nehmen, denn das "1 Jahr vor Episode IV" sei nicht in Stein gemeißelt, wenn auch sehr wohl in Comics wie Büchern abgedruckt. Woher dieses Problem und die ganze Debatte rührt? TFU 2 ausspielen oder -lesen. De facto ist das Ende eine Art Erpressung LucasArts durch das Entwicklerteam, um einen abschließenden dritten Teil machen zu können. Für Fans des Kanon, wie mich etwa, Grund genug TFUs Einreihung unter die Infinities noch einmal zu überdenken, aber bis TFU III dort zu belassen. Nur soviel sei möglichst kryptisch verraten, würde TFU II direkt im Vorfeld von Episode IV spielen, manche Ereignisse im Film würden wirklich in Zweifel gezogen werden und wer will schon die leidige Kontinuitätsdebatte von The Clone Wars auch noch bei der klassischen Trilogie führen müssen.
Fazit:
Eine nette ausgebaute Adaption von Boba Fetts Sidestory, die jedoch mit den gleichen Kontinuitätsproblemen zu kämpfen hat wie schon Roman und Game. Für sich jedoch sehr gut gemacht, wenn auch trotz des Versuchs in eine etwas andere Richtung als wie mit Roman und Game zu gehen irgendwie handlungsarm.