Nach den Ereignissen von "Fate of the Jedi 1- Outcast" dachten die Jedi es könnte kaum noch schlimmer kommen, doch wie ihr Bruder Valin ist nun auch Jysella Horn Opfer einer mysteriösen Geisteskrankheit geworden. Doch einmal mehr funkt die Galaktische Allianz den Jedi dazwischen und überführt Jysella in ein Hochsicherheitsgefängnis, wo sie in Karbonit eingefroren wird. Als wäre die Angelegenheit noch nicht kompliziert genug, scheint Jysella eine Machtfähigkeit eingesetzt zu haben, die bis dahin nur Jacen Solo meistern konnte. Via flow-walking war es Jacen möglich in die Zukunft zu spähen und auch die Vergangenheit zu erforschen, weshalb Luke und Ben als nächstes Ziel ihrer Reise, sich auf den Weg zu den Aing-Tii Mönchen machen, welche Jacen diese Fähigkeit gelehrt haben.
Währenddessen entwickeln sich die Dinge auf Coruscant in eine neue Richtung, als Jaina Solos und Jagged Fels Romanze ernst zu werden droht und die Jedi im Spannungsfeld zwischen Daalas Ambitionen und einer sensationslüsternen Presse feststellen müssen, dass Jysella wohl nicht das letzte Opfer der gegenwärtigen Krise gewesen sein dürfte.
Anderenorts droht eine neue dunkle Bedrohung über die Galaxis hereinzubrechen, nachdem vor 2 Jahren Ship den auf Korriban beheimateten One Sith entkommen ist und auf Kesh Abkömmlinge von Sith aus Zeiten des Großen Hyperraumkriegs entdeckt hat...
Mit Omen setzt Christie Golden (die bisher eher durch ihre Star Trek und Warcraft-Romane bekannt sein dürfte) die von Aaron Allston begonnene Handlung konsequent fort und beantwortet zumindest einige Fragen, die sich in Outcast noch gestellt haben. So erfahren wir von einer neuen Bedrohung durch und von einer nicht nur nominellen Rückkehr der Sith. Soviel also zur Frage wer denn nun die Schurken in Fate of the Jedi sein werden und dennoch sehr ungewöhnlich, dass man sich erst im zweiten Band dazu entschließen konnte, die Haupt-Antagonisten von Luke und Co vorzustellen, während Daala von ihrer bisher negativ besetzten Rolle als den Jedi nicht wohlgesinnter Staatschefin entlastet wird und auch in das Visier Moff Lecersens und Vansyns geraten ist, die als Hardliner im nun als Empire firmierenden Imperial Remnant die aufgezwungene Frauen-Quote im Moff-Rat als Anlass genommen haben, gegen sie und Jag Fel zu intrigieren.
Noch sind die Fronten allerdings nicht ganz geklärt, auch wenn neue Handlungsstränge eingeführt werden und mit Daalas rechter Hand Wynn Dorvan ein undurchsichtiger Charakter hinzukommt, der von sich behauptet Daalas manchmal etwas zu extreme Politik abgemildert zu haben. Ihm zur Seite gestellt wird als von Daala persönlich ausgewählte Assistentin die Twi'Lek Desha Lor, der Dorvan aufgrund ihres seiner Ansicht nach zu sauberen Backgrounds skeptisch gegenübersteht. Was sich hieraus noch entwickeln wird, ist eine der großen Fragen die in Omen titelgerechet angedeutet werden.
Für interessante Entwicklungen könnte auch noch das flow-walking führen, mit dem sich vor allem Ben auseinanderzusetzen beginnt. Lukes Sohn selbst wird von Christie Golden sehr interessant charakterisiert und zum Protagonisten aufgebaut, was auch notwendig ist, wenn man bedenkt dass der Teenager sich aufgrund seiner Verdienste im Alter von 16 Jahren bereits Jedi-Ritter nennen darf und drei Kriege, sowie Folter und Verführung zur dunklen Seite überstanden hat. Nicht ganz unbeschadet wie sich herausstellt, doch Ben hat sein Herz am rechten Fleck.
In welche Richtung sich allerdings das seit Pellaeons Tod erstarkende Imperium entwickeln wird, wird sich in Fate of the Jedi mit Sicherheit noch konkretisieren. Bisher werden viele Aspekte, wie die Aufrüstung und Etablierung als mit harter Hand regierte Alternative zur chaotischen Galaktischen Allianz angedeutet, spielen jedoch keine maßgebliche Rolle, auch wenn die Moffs nach der so schon fast ganz beiläufigen Umbenennung von Imperial Remnant in Empire davon sprechen, diese Bezeichnung wieder mit Inhalten füllen zu müssen. Staatschef Jag Fel steht dieser Idee sehr aufgeschlossen gegenüber, ist jedoch anders als diese glauben, nicht blind für die Intrigen der Moffs.
Da Troy Denning für "Fate of the Jedi 3 - Abyss" verantwortlich sein wird und Christie Golden Raynar Thul einen kurzen Auftritt gönnt, ist es wahrscheinlich dass dieser im dritten Band der Reihe eine wichtigere Rolle einnehmen dürfte. Ist er für den "Jedi-Wahnsinn" verantwortlich? Angesichts seiner momentanen geistigen Verfassung eher unwahrscheinlich, doch nicht auszuschließen und keine Variante die von den Protagonisten in Betracht gezogen wird, was allerdings noch nichts heißen will. Luke und Ben überlegen hingegen, ob der "Jedi-Wahnsinn" durch Darth Caedus verursacht werden könnte, der seine Fähigkeiten damit selbst im Falle seines Ablebens retten wollte. Nachdem die Reihe 9 Bände umfassen wird, muss die Auflösung dieses Rätsels wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen und mit Sicherheit weitere Opfer fordern. Ein womöglich nicht ganz beabsichtigtes Rätsel gibt allerdings Jysella Horn auf, die augenscheinlich in der Lage ist Telekinese anzuwenden, wozu vor ihr noch kein Horn im Stande war. Auch das eine Folge des Jedi-Wahnsinns, der seinen Opfern Machtfähigkeiten verleiht, die sie sonst nicht beherrschen würden?
Ein anderes Rätsel geben die Sith des "Tribe" auf, deren Stamm offensichtlich keine Probleme mit einer 5000jährigen Geschichte aufzuweisen scheint, in der inzestuöse Verbindungen keine Folgen gehabt haben dürften, wenn man bereits voraussetzt, dass die Überlebenden des Absturzes der "Omen" einen adäquaten Geschlechter-Mix vorzuweisen hatten. Im Gegensatz zu anderen Sith-Orden scheint der Umgang unter den Sith des Stamms viel friedlicher und nicht von Konflikten, Machtgelüsten und dergleichen überschattet.
Ungewiss bleiben die Folgen von Ships Entscheidung ihnen den Vorzug gegenüber den "One Sith" auf Korriban zu geben, die tatsächlich Anhänger von Darth Krayts kleiner Sekte sind, die via Retcon bereits während "The New Jedi Order" am Werk gewesen sein sollen. Wohl werden sie deshalb keine größere Rolle spielen und sich die Handlung stattdessen auf Gestalten wie Lady Rhea und Vestara Khai konzentrieren, somit bleibt zumindest in dieser Hinsicht nominell die Trennung von Romanen und Comics gewahrt.
Anmerkungen zum Buch an sich:
Obwohl eigentlich eher eine Anspielung auf das Schiff (welches im E-Book 'Lost Tribe of the Sith 1 - Precipice' eingeführt wird), ist der Romantitel "Omen" gut gewählt. Er entspricht der inhaltlichen Ausrichtung des Bandes als erweiterte Einführung, welche neue Handlungsstränge enthüllt und Dinge in Bewegung setzt. Trotzdem funktioniert das Buch für sich wie eine Episode eines größeren Gesamtwerks, wird doch ein wichtiges Kapitel der Odyssee des Luke Skywalker und des Sith-Stamms abgeschlossen. Die verschiedenen Handlungsstränge Omens funktionieren gut, sie lassen kein Gefühl aufkommen dass etwas vernachlässigt wurde, obwohl Fate of the Jedi 2 relativ kurz geraten ist. Inhaltlich setzt Christie Golden zudem lieber auf Handlung und Interaktion statt einem Übermaß an Action, wobei letztere dennoch nicht allzu kurz kommt.
Anmerkungen zur Ära:
Nun, um es in aller Deutlichkeit festzuhalten Legacy of the Force hat die Galaxis verändert. Die Welt die wir kannten und liebten, die Welt der Rebellen im Kampf gegen einen grausamen Feind, ist im Krieg mit den Yuuzhan Vong endgültig zerstört worden. Der Untergang der Neuen Republik und die Neugründung als Galaktische Allianz haben das Ende der Ära besiegelt, die Helden der Rebellion wie Wedge Antilles oder auch Garm Bel Iblis mussten weichen und haben keine würdigen Nachfolger mehr erhalten. Die Killik-Krise, ein zweiter Galaktischer Bürgerkrieg und der Wandel Jacen Solos vom Studenten einer breiter gefächerten Macht-Philosophie zum Sith-Lord Darth Caedus vollendeten den Übergang zur Legacy-Ära, die mit dem "klassischen" Krieg der Sterne und den Romanen aus der Ära der Neuen Republik nur noch wenig gemein haben.
Fate of the Jedi ist nun schon die zweite Buchreihe innerhalb von Legacy, die dieses "neue" Star Wars verkörpert und im Endeffekt auch auf die Legacy Comics zusteuert. War die Behauptung die Legacy of the Force-Romane würden die Comics nicht beeinflussen fast schon eine blanke Lüge, ist es in Fate schon mehr als offensichtlich, wohin sich die Galaxis und ihre Institutionen wohl entwickeln werden.
Davon mag man halten was man will, die Legacy-Ära ist definitiv nicht mehr jedermanns Sache und unter Fans mit Sicherheit etwas, dem man gespalten gegenüber steht, doch sie ist auch Ausdruck einer Entwicklung die typisch für ein populäres Franchise ist, das sich längst weit über die zu Grunde liegenden Filme, Spiele oder Serien hinaus entwickelt hat. Für die einen Beispiel für kompromittierende Kommerzialisierung, für die anderen völlig egal, solange es spannend bleibt.
Fazit:
Ein solider wenn auch etwas kurz geratener Start für Christie Golden, der die Reihe Legacy-Skeptikern sicher nicht schmackhaft machen wird und wenig mehr ist als eine erweiterte Einleitung.