Nachdem Luke und Ben von den Aing-Tii erfahren haben, dass Jacen Solo einst eine mysteriöse Machtpräsenz im Maw wahrgenommen hat und dorthin aufgebrochen ist, sind nun auch die beiden Skywalker dort angelangt. Gleich verspüren sie eine ungewöhnliche Präsenz, die womöglich auch einst Ben zu seinem Rückzug von der Macht bewegt hat. Doch sie entdecken noch mehr, als sie weiter vorstoßen - eine Centerpoint ähnliche Raumstation auf der sich dutzende Schiffe und in einem Trancezustand gefangene Machtbenutzer finden.
Währenddessen nehmen die Turbulenzen auf Coruscant weiter zu, als Staatschefin Daala den Druck auf die Jedi erhöht und durch ihren eigens geschaffenen Jedi-Gerichtshof Tahiri Veila wegen dem Mord an Großadmiral Pellaeon den Prozess macht. Um ein Zeichen zu setzen, lässt sich Kenth Hamner unterdessen sein Amt als Großmeister vom Rat bestätigen und stößt damit auf hartnäckigen Widerstand der Solos, die seine Führungsschwäche ausnützen, um Daala ein Schnippchen zu schlagen und nachdem zwei weitere Jedi "erkrankt" sind, Pläne hegen, die jüngsten Opfer des Jedi Wahnsinns vor dem Zugriff der Staatschefin in Sicherheit zu bringen. Zeitgleich entdecken Jag und Jaina dass der gegen Fels Führung aufbegehrende Moff Lecersen und Skandalreporter Javis Tyrr ein für die Jedi verhängnisvolles Bündnis eingegangen sind.
Wenig später tauchen auch die Sith im Maw auf, um Luke Skywalker aufzustöbern, den sie alle erst kürzlich eindrucksvoll in der Macht wahrnehmen konnten. Doch anstatt auch auf Sinkhole Station zu landen verschlägt es sie auf einen mysteriösen Planeten, wo eine uralte Macht sie bereits erwartet...
Schon die ersten Kapitel von Abyss stellen klar, Fate of the Jedi ist der Versuch einer Wiedergutmachung für Legacy of the Jedi. So ist das zentrale Thema der Reihe Luke und Bens Odyssee auf den Spuren Jacens, um dessen Fall zu rekonstruieren und damit die ausstehende Erklärung für den Grund zu liefern, warum sich der einstige Held des Yuuzhan Vong Krieges einfach mal so für die dunkle Seite entschieden hat. Schon die ersten drei Bände der Reihe zeigen deutlich, man hat zumindest aus einigen Fehlern gelernt, denn die Autoren sind deutlich bemüht die Geschichten ihrer Vorgänger dort aufzugreifen, wo sie endeten. So sind die Sith den Skywalkers tatsächlich auf den Fersen, der Gerichtsprozess gegen Tahiri läuft auch wirklich an und Daala lässt sich in ihren Bestrebungen die Jedi unter Kontrolle zu bekommen auch nicht beirren, während Jag Fel weiterhin mit Verhandlungen um die Zukunft des Imperiums beschäftigt ist. Auch wenn es drei Autoren sind die für die Enstehung dieser ersten drei Bände verantwortlich sind, die Geschichten fügen sich sehr gut aneinander und lassen keine krassen Brüche erkennen wie zu Zeiten von Legacy.
Eines hat sich natürlich nicht geändert, Troy Denning ist immer noch der Mann der für die Schlüsselromane verantwortlich ist und auch Band 9 und damit das Finale schreiben wird. Diesen Einfluss darf man nicht unterschätzen und so auch dass Denning dazu neigt sich "seiner" Themen zu bedienen und der Reihe damit einen unverkennbaren Stempel aufdrückt, während ein Aarron Allston sein in den X-Wing-Romanen entstandenes Profil schon deutlich vernachlässigt. Keine Rogues, keine Wraiths und außer Michael Stackpoles Corran Horn auch kein echter X-Wing-Charakter haben es in die neue Reihe geschafft, auch wenn Wedge Antilles Töchter durchaus Ambitionen zu Höherem bewiesen hätten. Aber vielleicht kommt da ja noch was, immerhin hätte Allston mit Schurkinnen wie Daala durch Ysanne Isard ja Erfahrung, auch wenn es wiederum Stackpole war, der sich für die X-Wing-Romane mit der kühlen Geheimdienstchefin auszeichnete. Neben Isard ist Daala die einzige weibliche Imperiale die der Republik entgegentreten konnte und schon einmal Anstalten machte den Jedi-Orden mit einer Flotte zu vernichten, nur um von Kyp Durron und Dorsk 81 geschlagen zu werden.
Kyp Durron der aufgrund seiner gemeinsamen Geschichte mit Daala fast prädestiniert wäre eine größere Rolle zu spielen, wurde jedoch bisher eher zu einem der untätigen Dampfplauderer im Rat degradiert, weshalb Denning eher Saba Sebatyne den Vorzug gibt. Die Barabel-Jedi-Meisterin die auch Leia Organa-Solos Training vollendete verbleibt jedoch trotzdem als Nebencharakter und von ihrem Sohn Tesar, der sich in Dennings "Star by Star" bewähren musste fehlt fast jede Spur. Zugleich stützt sich Denning wieder einmal sehr stark auf seinen New Jedi Order-Roman und knüpft offensichtlich auch an Dark Nest an. Das Geheimnis der Killiks und der mysteriösen Celestials, die für den Bau von Centerpoint Station, Sinkhole Station, Kessel und den Maw verantwortlich sein könnten, avanciert allmählich zum möglichen Anstoß für die neue Bedrohung der gesamten Galaxis. Diese uralte Macht im Maw scheint jedenfalls Teil der großen Bedrohung zu sein, vor der die Galaxis in Fate of the Jedi bewahrt werden muss, neben den Sith, neben abtrünnigen Moffs und neben einer jedifeindlichen Staatschefin. Und wer weiß was da noch hinzukommt, wenn Daala überlegt Mandalorianer als Sicherheitstruppe für den Jedi-Tempel zu rekrutieren. So nebenbei ist auch Raynar Thul wieder zurück und dürfte sich wie Alema Rar eine wiederkehrende Rolle erobert haben.
Es bleibt jedenfalls spannend, denn Denning bringt vieles in Bewegung, während er erste Geheimnisse enthüllt und gerade soviel zeigt, dass der Leser sicher bei der Stange bleibt. Gut gemacht, auch wenn das Buch ziemlich deutlich nur ein Appetitanreger ist und zur einleitenden Trilogie der neunteiligen Reihe gehört. Die Antwort auf die Frage, ob es also so spannend weitergeht und der ewig problematische Mittelteil auch zündet, ist also weiterhin Spekulationen überlassen. Für sich genommen ist Abyss dessen ungeachtet ein positives Zeichen. Zum Buch an sich muss man jedenfalls festhalten, dass es durchaus spannende Einlagen und einiges an Action bietet, während sehr viel enthüllt und die Handlung konsequent weiterentwickelt wird. Die Actionsequenzen sind allerdings eher nach der Mitte angesiedelt und die Szenen mit Luke und Ben auf der "Astralebene" waren für mich ein Moment wo ich das Buch auf keinen Fall aus der Hand legen wollte.
Kritisch zu betrachten ist die Darstellung Wynn Dorvans, der überraschend auf die Seite der Solos umschwenkt, jedoch womöglich durch seine Assistentin Deshar Lor in Misskredit geraten könnte, wenn sich diese als "Spionin" Daalas erweisen sollte, welche die Loyalität Dorvans sicher stellen soll. Von Lor bekommt man in Abyss eben nichts zu sehen, scheinbar wurde auf sie irgendwie vergessen, was für diese mögliche Wendung trotzdem nichts zu bedeuten hat, solange sie spätestens von Christie Golden wieder in die Handlung integriert wird. Ebenso wird der Plot um Jag Fels Verhandlungen um einen Wiedereintritt des Imperiums in die Galaktische Allianz in Abyss keine allzu große Bedeutung beigemessen, wie auch von möglichen Verbündeten der Jedi unter den Senatoren zwar die Rede aber keiner zu sehen ist, wohl weil man diesen Aspekt schon in Legacy of the Jedi im Gegensatz zu The New Jedi Order zu vernachlässigen pflegte, wodurch jetzt ein ärgerlicher blinder Fleck entstanden ist. Zu Zeiten eines Borsk Fey'lya waren Jedi-Ressentiments schon hoch im Kurs, doch es gab mit Leuten wie Cal Omas durchaus Fürsprecher, die nun einfach fehlen, genauso wie Offiziere vom Kaliber eines Admiral Kre'fey. Der Jedi-Rat wurde zudem gerade deswegen gegründet, weil Fey'lya die mangelnde Autorität Lukes über seine einstigen Schüler kritisierte und doch wurde die Idee von einem Kollegium der größten Meister ad absurdum geführt, als sich Luke im Konflikt mit den Killiks wiederum zum Großmeister erklärte, damit der Orden wieder primär durch eine Person vertreten wird. Jetzt wo Luke weg ist, wird Kenth Hamner kritiklos in dieser Funktion akzeptiert und sogar ein Kyp Durron, der sich Luke in der Vergangenheit immer wieder entgegen stellte geht mit der Masse. Skywalkers mächtigster Schüler, dem sogar angedroht wurde wegen der Vernichtung Caridas nach Jahrzehnten doch vor Gericht zu stellen, bleibt ruhig und hat bisher wenig zu sagen. Schade, wie ich meine, denn als zweitmächtigster Jedi-Meister neben Luke und gerade aufgrund seiner vergangenen Nähe zur dunklen Seite oder der Beziehung zu den Solos, die wieder einmal zu Staatsfeinden avancieren, wäre Durron für mich der Inbegriff eines Rebellen gegen die Politik einer Natasi Daala und damit prädestiniert für eine tragende Rolle.
In weniger Worten:
Abyss beweist ein gewisses Potential, ohne jedoch zum Meisterwerk zu avancieren. Gerade gegen Ende gab es Stellen bei denen ich das Buch nicht mehr zur Seite legen konnte, das spricht meines Erachtens definitiv für Dennings Werk, sagt aber noch sehr wenig über die Reihe aus, die mir bisher zwar solide doch eher mittelmäßig erscheint. Offen bleibt die Frage, wie man auf diesen durchaus gelungenen Abschluss der Einleitung aufbauen kann. Ohne die Leistungen von Aaron Allston und Christie Golden schmälern zu wollen daher hoffnungsvolle 4 weil von 3,5 aufgerundete Sterne.